Im internationalen Vergleich ist Österreich ein Paradies für Vermögende - Mit Infografik
Wien - Die Debatte um die Vermögensbesteuerung in der SPÖ ist voll in Gange, auch wenn Bundeskanzler und Parteichef Werner Faymann neue Steuern für diese Legislaturperiode ausgeschlossen hat. Tatsächlich ist Österreich bei der Vermögensbesteuerung im internationalen Vergleich Schlusslicht. Die Einnahmen aus Vermögensbesteuerung betrugen 2007 lediglich 0,6 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP), während es etwa in Frankreich 3,5 und in Großbritannien 4,6 Prozent waren. Gleichzeitig herrscht in Österreich bei Einkommen und Geldvermögen eine große Ungleichverteilung.
Wenig Vermögende
Beim Geldvermögen gibt es laut dem letzten Sozialbericht eine "markante Konzentration". Eine große Mehrheit (74 Prozent) der privaten Haushalte hat nur eine unterdurchschnittliche Geldvermögensausstattung und nur eine Minderheit (26 Prozent) verfügt über ein überdurchschnittliches Geldvermögen. Das reichste Prozent der Haushalte hält 27 Prozent des gesamten Geldvermögens. Das oberste Promille (0,1 Prozent) besitzt über acht Prozent des gesamten Geldvermögens, und damit gleich viel wie die gesamte untere Hälfte der Haushalte.
Verteilung des Einkommens
Das Einkommen ist im Vergleich dazu weniger konzentriert als das Vermögen. Unter den obersten fünf Prozent der Vermögensbesitzern haben 59 Prozent ein Haushaltseinkommen von über 3.000 Euro, 21 Prozent zwischen 1.350 und 2.249 Euro und zwei Prozent sogar nur zwischen 750 und 1.349 Euro.
Die Verteilung des Volkseinkommens hat sich in den vergangenen Jahren aber immer mehr von den Lohneinkommen zu den Gewinn- und Vermögenserträgen verschoben. Gleichzeitig haben die Einkommensdisparitäten zugenommen: Auf die 20 Prozent mit den niedrigsten Einkommen entfielen 2006 lediglich 2,2 Prozent der gesamten Bruttobezüge, auf die 20 Prozent mit den höchsten Lohneinkommen hingegen 46,7 Prozent.
Die vermögensstärksten Gruppen sind jene in der höchsten Einkommensklasse, der 60- bis 69-Jährigen, der Unternehmer und Universitätsabsolventen. Die niedrigsten Geldvermögen haben Niedrigeinkommensbezieher, die 20- bis 29-Jährigen, die Arbeiter und Personen mit maximal Pflichtschulabschluss.
Paradies für Vermögende
Die Einnahmen aus Vermögensbesteuerung in Österreich betrugen 2007 lediglich 1,4 Prozent aller Abgaben, gemessen am Bruttoinlandsprodukt (BIP) nur 0,6 Prozent und gehören damit zu den geringsten im internationalen Vergleich. Ähnlich gering ist die Vermögensbesteuerung im OECD-Vergleich nur in Tschechien und der Slowakei. In Großbritannien betrugen diese Einnahmen 12,6 Prozent der gesamten Steuereinnahmen bzw. 4,6 Prozent des BIP und in den USA 10,9 Prozent bzw. 3,1 Prozent. Den höchsten Anteil in Europa hat Luxemburg mit 9,8 bzw. 3,6 Prozent, wie aus den Vergleichsstatistiken der Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hervorgeht.
Der Anteil der Sozialbeiträge liegt in Österreich hingegen bei 14,1 Prozent des BIP und damit deutlich über dem OECD-Schnitt von 9,1 Prozent. Nur in Frankreich (16,2) und Tschechien (16,1) sind die Sozialabgaben höher.
Gleichzeitig ist die Steuerquote in den USA (28,3) und Großbritannien (36,6) deutlich niedriger als in Österreich, wo sie 42 Prozent des BIP ausmacht und damit über dem OECD-Schnitt (36) liegt. (APA)