Der Grizzly 550 ist ein Arbeitstier. Aber auch Lkws fahren auf Rennstrecken. Warum also nicht der Grizzly?
In Hollabrunn, nördlich von Wien, ist eine Autocross-Piste. Dort matchen sich normalerweise Buggies und umgebaute Möchtegern-Rallyecars im auf losem Untergrund im Kreis fahren. Nur nicht heute, da hat sich Werner Dostal vom Quad-Store in Melk eingemietet. Und der Werner hat vorab auch Hand an meinen Grizzly gelegt.

Werner Dostal und Georg Puz haben leicht lachen, mit den aufgemotzten Vierradlern.
Der Grizzly gehört nicht mir, nein, ich bezeichne ihn nur gerne als den meinen, weil wir gemeinsam schon viel durchgemacht haben. Erst hat er mich am Kaunertaler Gletscher abgeworfen wie eine mächtige Elefantenkuh ihre riesigen Äpfel, und dann spielten wir gemeinsam vor der MTV-Kamera die Helden.

Dem Grizzly ist das egal, ob er grad als Arbeitstier oder als Renngerät eingesetzt wird.
Den MTV-Dreh überlebte ich ohne Sturz. Ich hab den großen Grizzly gebändigt. Wir sind gedriftet, gesprungen und nix ist passiert. Da begriff Georg Puz, Quad- und ATV-Experte von Yamaha-Österreich, dass er etwas unternehmen musste.

Der YFM schaut böse aus und ist auch um einiges härter als der Grizzly.
Er stellte den Grizzly zum Werner und bat um zusätzliche Leistung. Werner Dostal war gnädig und putzte den Yamaha-Bären einmal ordentlich durch. Und weil er grad dabei war und das Essen eh noch nicht am Tisch stand, hat er sich auch gleich einen Yamaha YFM 250 Sport-Quad zur Brust genommen. Der sprintet jetzt nicht nur besser, der bremst auch, wie es sich gehört.

Die vierrädrigen Yamahas wecken das Kind im Manne: Meiner ist viel besser als deiner!
Jetzt stehen wir da. Der Georg, der Werner und ich. Die Sonne scheint und es staubt schon von der Schotter-Strecke her. Georg meint, dass das sicher gut ausschaut, wenn man mit dem Grizzly in die Steilkurve fährt. Er glaubt aber nicht, dass ich Manns genug sei, das zu erledigen. Natürlich springe ich auf den Spruch gleich schnell an wie die Klassenschönheit auf einen Buschen Rosen.

Unglaublich aber wahr, der Grizzly fegt durch die Steilkurve, dass die sportlichere Konkurrenz sich hinten anstellen muss.
Mit so einem Arbeitstier auf die Rennstrecke raus zu fahren, ist nicht nur im ersten Moment komisch. Das Gefühl bleibt, bis man wieder zurück im Fahrerlager ist. Vom Grizzly aus schauen die Sportquads wie Spielzeuge aus. Und der Georg, der sich den 250er YFM gekrallt hat, fährt mir damit um die Haxen wie sonst nur meine Frau mit dem Desinfektionsspray.

Normalerweise tummeln sich auf der Rennstrecke Cross-Autos.
Georg stellt den YFM in der Kurve quer und ich muss schauen, dass ich dran bleibe. Der Grizzly rutscht nicht gern übers Vorderradl und in dem Moment, in dem ich erkenne, dass sich die Kurve nimmer ausgeht, hilft nur mehr Vollgas geben und hoffen, dass der Werner soviel Power in den ATV gestopft hat, dass dieser in den Drift übergeht und mich nicht wieder highsidend abwirft. Ich drücke den Gasknopf bis zwei Zentimeter hinter den Anschlag durch. Der Grizzly stellt den Popsch quer wie die Jazz Gitti beim Kokettieren.

Nach ein paar Runden auf der Crossbahn knirscht man sogar beim Trinken mit den Zähnen.
Wir fliegen superflott auf die Steilkurve zu. Bei der Anfahrt schließ ich sicherheitshalber die Augen. Ich mach sie erst wieder auf, als ich merke, dass es mich heftig auf den Grizzly presst und nicht von ihm runter reißt. Vor mir sucht Georg auf dem YFM das Weite. Der Grizzly hat die Steilkurve geschafft und mag dank der 550 Kubik sogar mit dem wendigen 250er YFM mithalten.
Natürlich will der Georg dann tauschen und mir mit dem Grizzly ein paar Überrundungen auf den Pelz brennen. So einfach ist das aber nicht. Auch wenn der Grizzly die Miss Piggy auf Speed ist, ist ein flüchtender Kermit mit einem Kracher zwischen den Hinterläufen immer noch eine wahre Macht.

Georg Puz reißt wie wild am Gasseil des Grizzly und lässt niemanden an sich vorbei.
Aber an einer dicken Sau, die frech die Ellenbogen raus streckt, kommt man halt auch nicht so leicht vorbei. Kurzum, die Rennen waren brutal und die Säbel bekamen ordentliche Bissspuren ab. Müsste ich wählen, würde ich zum Grizzly greifen. Uns verbindet halt schon mehr. Wir haben uns gegenseitig fürs Leben gezeichnet. (Guido Gluschitsch, Foto: Wolf-Dieter Grabner/theflow.cc)