ballesterer-Interview

"A.C.A.B.? - Da steh ich drüber"

6. April 2009, 15:28

Szenekundige Beamte begleiten Fußballfans zu jedem Auswärtsspiel. Rapid-Fanpolizist Christian Doneis über sein Standing bei Kollegen und Alt-Hooligans und den Spagat zwischen Vertrauen und Strafen

ballesterer: Wie läuft eine typische Auswärtsfahrt für einen Szenekundigen Beamten ab? Wann beginnt die Vorbereitung, und wer ist eingebunden?
Christian Doneis: Die Vorbereitung beginnt bereits eine Woche vor dem Match. Es wird abgeklärt, mit welcher Anzahl an Auswärtsfans in wie vielen Bussen zu rechnen ist. Das geschieht in intensivem Kontakt mit den Vereinen und den Szenekundigen Beamten des anderen Klubs. Am Spieltag sind wir eineinhalb Stunden, bevor die Busse losfahren, präsent, um uns einen Einblick in die Vorbereitungen der Fans und deren Stimmung zu verschaffen. Nach der Abfahrt werden die Busse mit den sogenannten Problemfans von uns begleitet.

ballesterer: Wie funktioniert die Kommunikation innerhalb der Polizei?
Christian Doneis: Die zentrale Planung liegt bei der OEA (Organisationseinheit für Einsätze, Anm.), zu der auch wir als Szenekundige Beamte zählen, und dem Büro der SKB. Zunächst geht es darum, die Kommandanten der Kollegen, die ja nicht hauptberuflich als Szenekundige Beamte arbeiten, sondern unter der Woche ihren normalen polizeilichen Dienst versehen, zu informieren, wie viele Leute wir brauchen.

ballesterer: Wie groß ist das SKB-Team, wenn Sie mit Rapid nach Graz oder Salzburg fahren?
Christian Doneis: Graz und Salzburg zählen neben Linz zu den sogenannten Hotspots, und gerade bei diesen Spielen reizen wir unser Kontingent voll aus. Das heißt, es sind acht bis zehn Kollegen dabei, und diese Anzahl wird auch benötigt.

ballesterer: Was ist Ihr bevorzugtes Transportmittel?
Christian Doneis: Generell bevorzuge ich den Bus, nur nach Altach ist mir die Bahn lieber. Wir sind alles in allem 26 Stunden unterwegs, da ist ein bisschen mehr Bewegungsfreiheit angenehm.

ballesterer: Besteht bei einer Auswärtsfahrt direkter Kontakt zum Einsatzleiter vor Ort?
Christian Doneis: Ja, obwohl es nicht in erster Linie um den Einsatzleiter geht. Jedem SKB-Team steht ein leitender Beamter vor, der dem Einsatzleiter die Informationen weitergibt. Der leitende SKB-Beamte wird im Vorfeld bestimmt, dann werden Rufnummern ausgetauscht, um den Kommunikationsablauf sicherzustellen.

ballesterer: Inwiefern können Sie Einfluss auf den Einsatz der Kollegen nehmen? Sind Ihnen bei einer unvorhergesehenen Eskalation die Hände gebunden?
Christian Doneis: Hier sind wir gerade dabei, die Strukturen zu verändern. Unser Entscheidungsgewicht im Einsatz soll gestärkt werden. In gewissen Situationen kann man auch als SKB nichts mehr tun. Aber oft gibt es sensible Momente, in denen wir noch entscheidend eingreifen könnten. In diesen Fällen hängt viel von der Kommunikation ab. Wenn die nicht funktioniert, wird es problematisch.

ballesterer: Wie beim Wiener Derby im März 2007 im Horr-Stadion, als die Spezialeinheit WEGA in den Sektor der Rapid-Fans eingedrungen ist?
Christian Doneis: Gerade in diesem Fall hätte man meiner Meinung nach anders reagieren können. Die Schwierigkeit besteht darin, die Lage binnen weniger Momente richtig einzuschätzen. Aber aus Fehlern kann man ja lernen.

ballesterer: Wie viel Gewicht hat die Einschätzung des SKB für die endgültige Entscheidung der Einsatzleiter?
Christian Doneis: Hier mangelt es auch intern noch an Transparenz. Viele Kollegen sehen uns immer noch auf der Seite der Fans. In der Realität sind wir genau dazwischen und müssen versuchen, den Spagat zwischen den Fananliegen und denen der Kollegen zu bewältigen. Das ist nicht immer leicht. Vor den Einsatzleitern versuchen wir daher, die Rolle des SKB klarer zu definieren.

ballesterer: Worüber redet man mit Fans auf einer Auswärtsfahrt?
Christian Doneis: Natürlich steht hier das Sportliche an erster Stelle. Aber dadurch, dass einige Kollegen das schon sehr lange machen, sind die Gespräche oft auch sehr persönlicher Natur. Das Fantum ist für manche Anhänger der allwöchentliche Familienersatz. Bei Auswärtsfahrten zeigt sich, wie weit der Aufgabenbereich des Szenekundigen Beamten über die einfache Amtshandlung hinausgeht. Unsere primäre Aufgabe ist nicht, Problemfans anzuzeigen oder festzunehmen, sondern darauf zu achten, dass sie nicht straffällig werden. Wenn etwas passiert, können wir das bei den nächsten Spielen mit den Fans aufarbeiten.

ballesterer: Wie schätzen Sie Ihr Image beim angesprochenen Problemklientel ein?
Christian Doneis: Eigentlich positiv, denn auch wenn es Amtshandlungen gibt, merken die Leute, dass wir korrekt mit ihnen umgehen. Bei den Ultras gestaltet es sich ein bisschen schwieriger, da sie laut ihrer Diktion nichts mit der Polizei zu tun haben wollen. Aber auch hier bestehen Kontakte. Mit den Alt-Hooligans gibt es keine Kommunikationsprobleme. Da regiert sogar oft der Schmäh, und sie meinen, dass sie früher froh gewesen wären, wenn es Szenekundige Beamte gegeben hätte, die sie vor Straftaten bewahrt hätten.

ballesterer: Wie sehen Sie den Prozess des Vertrauensaufbaus? Ist es schwierig, als neuer SKB eine Verbindung zu den Fans zu finden?
Christian Doneis: Natürlich wird man am Anfang einmal gründlich abgecheckt. Mein großer Vorteil war, dass ich zuvor zehn Jahre am Karlsplatz meinen Dienst versehen habe. Das hat mir bei den Fans großen Respekt eingebracht. In meinen acht Jahren im Block West hat mich noch nie ein Fan attackiert. Das Wichtigste ist der korrekte Umgang miteinander und eine gewisse Distanz. Wenn die Fans merken, dass man krampfhaft versucht, sich mit ihnen zu verbrüdern, ist man schnell unten durch.

ballesterer: Also bewältigen Sie den Spagat zwischen Vertrauen und Strafen?
Christian Doneis: Es ist nicht immer leicht, aber die Fans kennen die Grenzen. Prinzipiell müssen wir jedes Delikt zur Anzeige bringen, aber unser Fokus liegt auf der Verhinderung von strafrechtlichen Beständen wie Gewalt, Verwaltungsdelikte sind eher zweitrangig. Wenn jemand neben mir einen Bengalen zündet, kann ich nicht wegschauen. Ich werde mich aber davor hüten, in eine geschlossene Gruppe einzudringen und einen zündelnden Fan herauszupicken. Erstens geht es da um meine eigene Sicherheit, und zweitens haben wir dafür in fast allen Stadien die Videoüberwachung. Wenn die Auswertung des Materials nichts ergibt, haben wir eben Pech gehabt.

ballesterer: Was denken Sie sich, wenn Sie im Auswärtssektor stehen und der gesamte Block »A.C.A.B.« singt?
Christian Doneis: Das ist mir komplett egal. Wenn man zehn Jahre am Karlsplatz gearbeitet hat, ist »Scheiß Kiberer « noch das Netteste, was man zu hören bekommt. Als Polizist musst du da drüberstehen.

ballesterer: Eine aktuelle Studie der Universität Wien untermauert das schlechte Standing der Polizei unter Fußballfans. Die SKBs schneiden positiver ab. Wie erklären Sie sich diese Ergebnisse?
Christian Doneis: Ich denke nicht, dass das Image der Polizei generell schlecht ist. Für nicht gewaltbereite Fans ist es aber oft unverständlich, warum so viel Polizei vor Ort ist. Hier müssen wir vermitteln, warum wir so auftreten. Es stellt sich immer die Frage, ob man auf offensive Polizeipräsenz setzt oder sich zur Deeskalation eher im Hintergrund hält. Die Handhabung ist situationsbedingt. Ein gutes Beispiel dafür sind die beiden Derbys im Horr-Stadion vergangenen Herbst. Beim ersten Corteo von Rapid war die Polizei stark präsent, und sobald die Fans vorbeigezogen sind, wurden die Beamten beschossen. Beim zweiten Derby hat sich die Exekutive im Hintergrund gehalten und ist in den Seitengassen mitgefahren. Direkt bei den Fans waren nur 15 SKBs. Dadurch, dass die Fans kein offensichtliches Gegenüber hatten, lief alles ohne Zwischenfälle ab. Vordergründig erscheint also die zweite Variante als die bessere. Was aber wäre passiert, wenn plötzlich ein paar Austrianer auftauchen, die die Polizei übersehen hat? Die Entscheidung, welche Variante man wählt, ist schwierig. Die Vergangenheit hat aber gezeigt, dass zu viel Polizei Aggressionen erzeugen kann. (Das Interview führten Andreas Hagenauer & Reinhard Krennhuber, Fotos: Daniel Shaked)

Zur Person:

Christian Doneis ist seit acht Jahren als szenekundiger Beamter bei Spielen des SK Rapid im Einsatz. Als Hauptmotivation für seine Arbeit bei der Polizei bezeichnet er den »Kontakt zu den Menschen«. Außerhalb des Stadions leistet er als Beamter der
Kriminalpräventionsstelle Wien vor allem Sucht- und Drogenaufklärung an Schulen.

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Kommentar posten
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Günther Hase
 
33
11.4.2009, 11:46
A.U.A.B.

kindischer Haufen Halbstarker.

august underground
 
00
10.4.2009, 15:55
eine persönliche frage

kann es sein dass dieser herr in schulen unterwegs war und von den gefahren des alkahols erzählt hat? ich bilde mir ein, der war vor jahren einmal in meiner klasse auf besucht :)
(scheint ünbrigens weit herumzukommen der herr)

Der Reiter
10
21.4.2009, 09:05
Ist ja alles

Ist ja alles nett und schön. Was wollen denn die 5000 Ultras von Rapid und die 3000 Ultras von Austria??? Da kannn dann der Herr etwas organisieren.

Aber was macht der dann, wenn er 70.000 Ultras von Napoli gegenübersteht????

brotkuchen
00
19.4.2009, 10:24

wer lesen kann ist klar im vorteil

FC St. Pauli
 
21
10.4.2009, 14:29

haha ich pack grad mein leben nicht....der christian doneis war mal im sommer betreuer bei den kinderfreunden in gresten, allerdings eine altersstufe über mir...oida fuck da war ich 13....
wie klein die welt(österreich) eigentlich ist, unpackbar

littleboyplopp.myblog.de
00
11.4.2009, 16:07

Poster die gresten kennen.

aiaiaiai..die welt ist wahrlich klein!

Goran Markovic
00

Wer kennt Gresten nicht, vor allem der Camperplatz.... ;-)

FC St. Pauli
 
00
15.4.2009, 10:49

schaut ganz so aus...

propagandhi
00

da freut sich doch ein einheimischer gleich noch mehr. und i hab mir noch gedacht i kenn den herrn von irgendwo. da hamma uns net so deppad zu euch betonkindern sein getraut wenn ihr den herren mitgehabt habt. nix für ungut!

max29
12
10.4.2009, 11:50
vielleicht sollten sich Fancops

auch mal um rassistische Kundgebungen unserer Austria Kurve kümmern
So wurde in unserem Block stolz die eindeutig rassistische und vom kuklux clan verwendete Südstaatenflagge präsentiert.

nemo sander
00
18.2.2012, 03:52
nun doneis wäre von diesem rassistischen blödheiten

ja selber betroffen

Babylon Circus
 
00
"Wenn etwas passiert, können wir das bei den nächsten Spielen mit den Fans aufarbeiten."- die 2te

Wie diese "Aufarbeitungen" mit den Fans nun genau ausschauen, hätt ich den Herrn Doneis aber schon gefragt. Einerseits kommen die auf den Ausraster der WEGA im März07 zu sprechen, aber was ist z.B. mit dem Testspiel gg. Dynamo Zagreb in Pasching? War der Herr Doneis zugegen? Ironisch gesagt: Was wurde danach wie aufgearbeitet?
Oder der Platzsturm in der Kirche zu Hütteldorf, als Schöttel, Marek und co. bespuckt, angeschüttet und beschimpft wurden, worauf Marek den Rapidlern einen "Liebesbrief" geschriefen hat. Kam er sich vom Marek verarscht vor oder is er glücklich, dass da ein paar Irre durch die Gegend rennen mit denen er dann bei den nächsten Spielen etwas aufarbeiten kann? Sehr verständnisvoll und zurückhaltend dieses Interview...

Mike Ness
 
104
übrigens,

auf sportnet gibt es eine interessante story über den wahren österreichischen rekordmeister.

Nationalpatriot_
00
7.10.2009, 15:31

Ihr könnt noch so neidisch sein, oder irgendwas so formen dass es euch dann passt.

Rekordmeister ist und bleibt Rapid Wien.

Rapid 32 Meistertitel

cockpuncher
11

ich würde es ja verstehen, wenn nichtwiener-fussballclubs den titel rekordmeister in frage stellen, aber wenn das die austria aus wien macht, ist das eigentlich ein bisschen peinlich und sagt auch aus, dass man gerade am anfang einfach nicht in der liga mithalten konnte.

wie wäre es dann eigentlich in england mit den englischen titel?

apropos: die liebe sportnet community hat sicher noch ein paar freie plätze in ihren reihen, für euch. hopp hopp

Jack Clementi
46
Meinst du diesen hier?

http://www.sportnet.at/rapid_ode... ister.urla

Weiss eh jeder, dass die Austria am meisten österreichische Titel hat! 21:16

Aber es gibt eben leider viele Rapidmärchen in Österreichs Medien!

Angeblich hat der Rapidfunk-Kommentator beim Spiel Rapid - Kärnten Pacult als den neuen Happel bezeichnet!

Rapid und Österreichs Rapidmedien.....ein geniales Kabarett!

Traurig, doch immer wieder köstlich zu beobachten!

Papiertiger
32
15.4.2009, 12:31
sie schustern sich ihr wirklichkeit zusammen wie es ihnen passt

rapid ist rekordmeister, da fährt die eisenbahn drüber.
derartige gekünstelte artikel um dies zu untergraben gibt es seit jahrzehnten, aber sie sind alle haltlos.

strong bow
02
21.4.2009, 20:41

"da fährt die Eisenbahn drüber" Sehr schwaches Argument! Die Zahlen und Fakten sprechen eine klare Sprache, österreichweit gesehen ist die Austria Rekordmeister. Die Wiener Freunderlwirtschaft im österreichischen Fußball ist ja schon schlimm, aber dann noch diese wieninterne Rapidmanie, einfach zum Kotzen! Wieso werden eigentlich allen Wiener Vereinen auch die Meistertitel vor 1949 angerechnet als österreichische Meistertitel? Eingebildete Proleten!

Horus_the_Chorus
11
13.4.2009, 12:57

Erstmals Danke für den Link. Obwohl ich von mir zu behaupten wage, dass ich doch ein recht umfangreiches Wissen im Fußball habe, war mir diese "Bilanzfäschung" trotzdem neu (naja in den grün-weißen Medien hierzulande wird das halt gern einmal verschwiegen). In dem Sinne- Weg mit den Sternen!!!

Silent Hunter
02
10.4.2009, 18:44

Medial wurde das Thema bisher nicht aufgegriffen.
Warum wohl? Weil sich damit jeder Sportjournalist blamieren würde. Die erste Landesmeisterschaft wurde erst 1919/20 von den neuen Fußballverbänden Oberösterreich und Salzburg ausgetragen. Andere Bundesländer folgten im Laufe der Jahre. Bis zum Jahre 1936 bedeutete die Trennung zwischen dem österreichischen Profifußball und dem Amateurfußball auch eine Trennung zwischen Wien und den Bundesländern. Die Fußballamateure in den Bundesländern nahmen bis zum 2. Weltkrieg – gemeinsam mit Wiener Amateurteams – an der Amateur-Staatsmeisterschaft teil. 1937/38 wurde Sturm Graz zur Relegation zugelassen, scheiterte aber am 1. Simmeringer SC. Die Meisterschaft 1945/46 nach dem Krieg sah in den Aufstie

Mike Ness
 
11

wenn sie geld hätten, müsste man ja fragen, was die grünen für die berichterstattung bezahlen

Randers
04
Nichts dagegen...


Eigentlich ist der Streit müßig.

Aber alle, die Rapid den "Rekordmeister"-Titel streitig machen wollen, sollten konsequenterweise niemals vom _österreichischen_ Wunderteam, sondern immer nur vom _Wiener_ Wunderteam sprechen.

Damit sollte die Diskussion eigentlich erledigt sein.

Silent Hunter
22

übrigends: würd mich interessieren welcher lilaner hier für diese geschichtsfälschung bezahlt hat!

Lö Missjö
00
23.4.2009, 20:16
Geschichtsfälschung?

Du meinst wohl eher Gesichtsfälschung!


Auf www.bundesliga.at nachzulesen:

Seit dem Jahre 1911 werden in Österreich offizielle Fußballmeisterschaften ausgetragen. Bis Sommer 1949 ermittelten in der höchsten Spielklasse ausschließlich Wiener Vereine ihre Meister......

Philipp B.
11
was bleibt

den kollegen von der böschung anderes übrig?

der meisterzug ist abgefahren, der zweite platz utopie. mit glück halten sie sich vor den kernölbuben...

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