"Tue Gutes und schlage Profit daraus"

5. April 2009, 19:35
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Ethik und Wirtschaftlichkeit in Unternehmen - unvereinbare Gegensätze oder fruchtbare Koexistenz?

Ethisches Handeln innerhalb von Unternehmen zeigt sich auf vielfältige Weise, unter anderem in einem kollegialen Umgang zwischen allen ArbeitnehmerInnen über die hierarchischen Grenzen hinaus, in reellen Aufstiegschancen, ausreichenden Angeboten zur Fortbildung, in einem konstruktiven Umgang mit Konflikten und in dem Angebot an gesicherten Arbeitsplätzen. Weshalb sollen solche Maßnahmen im unternehmerischen Denken Eingang finden? Der Betriebswirt Christian Karitnig ging in seiner Diplomarbeit "Unternehmensethik als Produktivitätsfaktor" auf diese Frage ein.

Modelle zur Unternehmensethik

Nach einem kurzen Überblick über die Geschichte der Ethik und einem Streifzug durch ihre Begriffslandschaft geht Christian Karitnig ausführlich auf die Erläuterung mehrerer unternehmensethischer Modelle ein. Sie unterscheiden sich im Wesentlichen nur in ihrem Einflussgrad auf unternehmerische Überlegungen. Soll Unternehmensethik als Basis jedes unternehmerischen Handelns oder bloß als begleitendes Maßnahmenpaket herangezogen werden? Auch auf die soziale und ökologische Verantwortung von Unternehmen wird explizit eingegangen.

Gründe für Unternehmensethik

Drei empirische Studien werden exemplarisch zur Absicherung der These erwähnt, dass ethisches Handeln zu ökonomischem Erfolg führt. Ob es Untersuchungen mit konträren Ergebnissen gibt, bleibt leider unerwähnt. Als stichhaltiges Argument für die Implementierung unternehmensethischer Maßnahmen wird die verstärkte Motivation der MitarbeiterInnen durch die Möglichkeit der Identifizierung mit den Zielen eines Unternehmens angeführt. Erhöhte Motivation führe zu einer gesteigerten Produktivität, so die Annahme. Zudem wird Unternehmen mit starken ethischen Grundsätzen ein klarer Wettbewerbsvorteil zugesprochen, da es zunehmend mehr die "immateriellen Vermögenswerte" (z.B. Reputation) als die konkreten Produkte und Dienstleistungen sind, die KundInnen und Kapitalmärkte an spezifische Unternehmen binden. Christian Karitnig spricht sich ganz klar gegen einen unternehmensethischen Ansatz aus, der sich ausschließlich an ökonomischen Gesichtspunkten orientiert. Trotzdem werden kaum Begründungsmomente angeführt, die keinen gewinnorientierten Hintergedanken verfolgen und sich gegen die Verunmenschlichung der freien Marktwirtschaft wenden.

The business of business is business?

Der Philosoph Konrad Paul Liessmann sagt: "Profite machen und nach Sinn streben, einen Konzern erfolgreich managen und nach dem christlichen Liebesgebot handeln, geht das zusammen? Nein."
Christian Karitnig kommt in seiner Diplomarbeit hingegen zum Schluss, dass unternehmensethisches Handeln und wirtschaftliches Denken zwei Seiten einer Medaille - die der Produktivität - sind. Unternehmensethik als Produktivitätsfaktor? Ja, na klar!

Die Diplomarbeit "Unternehmensethik als Produktivitätsfaktor" ist auf textfeld.ac.at im Volltext nachzulesen.

Der Autor

Christian Karitnig (Jg. 1971, Mag. (FH)) studierte Internationale Unternehmensführung an der FH Vorarlberg. Er arbeitet derzeit als IT-Organisator und Projektleiter bei einem Beschlägehersteller in Höchst

Die Rezensentin

Stefanie Bräuml studierte Musik und Musikpädagogik am Brucknerkonservatorium Linz und am Mozarteum Salzburg und arbeitet als Musikpädagogin und Kulturvermittlerin.

 






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21 Postings
Eine Kreatur
00
30.10.2009, 23:00
"kollegialen Umgang zwischen allen ArbeitnehmerInnen über die hierarchischen Grenzen hinaus"

ähem .. das ist eine form der unternehmensorganisation und eine frage von unternehmenskultur und notwendigkeit, was hat das großartiges mit "ethik" zu tun?

meine güte .. dieser "social responsibility" topfen .. im namen des "guten" werden kinder mit nahrungsmitteln bestimmter hersteller schon von kindesbeinen an - zwecks "nahrhafter und gesunder" ernährung in der schule - vollgestopft (und damit als spätere kunden geködert)

oder von bestimmten unternehmen desinfektionstabletten, mit denen aus wasser von pfützen am boden trinkbares wasser gemacht werden kann, an entwicklungsländer verschickt - jaja, als ob das investierte geld nicht besser in brunnenbauprojekten etc. und damit weniger abhängigkeit aufgehoben wäre

usw. usw. ..

Skull&Bones
00
Muss erst noch reinlesen, doch ich vermute, es gibt Grenzen für Ethik in der Wirtschaft in Abhängigkeit zur Größe eines Unternehmens.

T-Minus1
01
Schachterl-Denken.......

...... denn alles will (und muss) mangegemt-gerecht formuliert und mehr noch, NORMIERT sein.
Solange man Ratio huldigt, wird der Mensch auf der Strecke bleiben.

Nick Tameer
01

Was wieder mal auffällt ist, dass Ethik einfach als Synonym für Moral, die hier eigentlich gemeint ist, wobei diese Diskussion selbst ethischer Natur ist, benutzt wird. Aber "Moral" will keiner mehr sagen, weil es so hausbacken und verklemmt klingt (schuld sind natürlich wieder mal die 68er), "Ethik" klingt cool und windschnittig.

her wig
01
Schlage Profit heraus und nenne es gut

Unlängst hab' ich von einem Schweizer erfahren, der Unterschied zwischen katholischer und reformierter Wirtschaftsethik ist der, die Katohliken arbeiten ausschliesslich für Gottes Lohn, und bei den Reformierten ist erlangter realer Reichtum ein Indiz dafür, dass man auch Gottgerecht gehandelt hat.

Die Kapitalisten haben die Entwicklung konsequent fortgesetzt, Gott/Ethik aus der Überlegung gestrichen, und arbeiten nur noch für Geld. Manchmal bleibt dabei der reale Reichtum auch auf der Strecke, das haben die dann wieder mit den strengen Katholiken gemeinsam.

A propos, was den Katholiken ihr heiliger Vater, das ist den Kapitalisten ihr Chef der Zentralbank. Besoners im Wunderland des Kapitalismus darf der noch richtig Wahrheit orakeln.

Artischocke
 
02
Im Kapitalismus von Ethik zu sprechen ist ja wohl ein Witz

Ausbeutung ist per se unethisch.

natoll
11

dann ist aber die menschheit die von natur aus unethisch.

denn fähigkeiten sind nunmal ungleich verteilt. also nutzen seit tausenden und arbertausenden von jahren die fähigeren die unfähigeren aus. früher aber bei weitem extremer als heutzutage.

dr.no3
10
du auch die nazis hatten ihre ethik

http://de.wikipedia.org/wiki/Ethik

einzig den nihilisten sind frei von ethik

auch wenn der große dude das vielleicht etwas differenzierter sieht

Nick Tameer
00

Die Nihilisten sind weder frei von Ethik, sie haben ganz im Gegenteil eine ganz bestimmte ethische Position, und noch nicht einmal - bzw. bloß im landläufigem Sinn - frei von Moral, nur ist es eine Moral ohne positive Werte.

dr.no3
10
verneinung jeglicher wertortnung

Der Begriff Nihilismus (lat. nihil „nichts“) bezeichnet allgemein eine Orientierung, die auf der Verneinung jeglicher Seins-, Erkenntnis-, Wert- und Gesellschaftsordnung basiert.
http://de.wikipedia.org/wiki/Nihilismus

kannst du ja korrigieren
wenns nicht richtig ist

Nick Tameer
00

Daran will ich nichts korrigieren. Ich würde das nur als eine ethische Position bezeichnen, die sich eben dadurch auszeichnet, dass sie bestimmte Verhaltensmaximen generell für sinnlos hält.

Erwin Wolfram
00
Wie man Begriffe fuer sich besetzt...

1) Wenn man viele Zuwanderer fuer einen arbeiten hat, die leider nicht qualifiziert sind viel Geld zu verdienen ist man ein internationales Unternehmen.
2) Wenn die Kunden das Geld fuer die eigene Familie in Produkte investieren, dann liebt man seine Kunden.
3) Wenn die Produkte unethisch eingesetzt werden ist man ein ethisches Unternehmen.
4) Wenn der Kunde noch ein schwaches Konzept von Ethik hat, dann erst muss Ethik erst neu definiert werden und das kann man noch nicht verkaufen. Dazu wurde das Konzept der Aufmerksamkeit erfunden.

Nick Tameer
02

Was stark für die Realität und Wirksamkeit der Untersnehmensethik zu spricht, ist dass erfolgreiche Gangster danach trachten, ihr Geld zu waschen und ihre Geschäfte zu legalisieren, denn ehrlich währt am längsten.

Sambapati
00
Auslegung

Den Begriff Ethik wuerde sich dann einmal jeder eigens formulieren. Jedes A... hat seine Rechtfertigungen auf Lager.
Das ist normal bereits fuer die Auslegung der Gesetzeslage. Ich glaube nicht, dass ein noch "weicherer" Verhaltsensmaßstab auch nur irgendetwas bewirken wuerde. Nach außen, hin zum Kunden muss man sich ohnedies im Eigeninteresse um einen guten Namen kuemmern. Dort, wo aber intern Neid (und sei es auf irgendetwas im physischen Erscheinungsbild etwa unter Frauen) und Rivalitaet herrscht, ist meine Erfahrung, dass (leider!) der Loyale und Korrekte den Looser im Gegensatz zum praepotenten Querulanten darstellt. Hier gelten wohl irgendwelche psychologischen Gesetze, die jeglicher Sachlichkeit entbehren

farkas
01
Also ich bin schon relativ nahe am Abschluss meines bw studiums und hier ein kleiner Auszug welche Schlagwörter mir da einfallen:

Abc-analyse, Abschreibung, Anschaffungswert, BSC, Betriebsrat, Bilanzanalyse, Joint venture, Break-even, Black-box, BSP, BIP, BPR, Call-Put Option, CF, CD, Chart-Analyse, CRM, Data Warehouse, Data Mining, Disagio, EBIT/DA, ERP, Fertigungsgemeinkosten, Finanzplanung,OR, Fusion, , BAB, Bezugsrecht GATT, GbR, GmbH, AG, KG, OG,sG, GuV,oHG, Ablaufplanung, Absatzpolitik Global Player, HV, Jahresabschluss, Kapazität, KMU, Option, Marketing, Markentreue, Aktiva, Passiva, TQM, JIT, ROI, Umsatz, Vor/Umsatz-steuer, WACC, APV, DCF, Bilanz,... etc



und Ethik?

aja... es ist ethisch vertretbarer ein Single als einen Familienvater zu feuern.

Nick Tameer
00

Letzteres ist garantiert top-ethisch und geschieht in Wahrnehmung der Verantwortung für das Unternehmen in seiner Gesamtheit.

TomSim67
00
Was ist ethisch vertretbarer ...

Das hängt immer von der Ethik ab. (Auch die Mafia hat eine Ethik). Ein Familienvater hat schon Kinder. Für ein Single sinken durch Arbeitslosigkeit die Chancen auf Kinder. Und das ist schlecht für das Gemeinwohl.

X Y
00
Die Mafia hat eine Moral,

aber keine Ethik. Sie folgt einem genau definierten Verhaltenskodex (=Moral), der aber niemals hinterfragt werden darf (=Ethik), um das jetzt einmal stark gekürzt darzustellen.
Deswegen (nicht wegen der Mafia natürlich!) gibt es ja auch so viele unterschiedliche Moralvorstellungen, auch wenn uns die katholische Kirche da was anderes einreden will.
Wenn von Firmen oder sogar wissenschaftlichen Vereinigungen von Ethik geredet wird, ist meistens Moral gemeint. Das hat seinen Ursprung in den USA, wo das Wort morals in diesem Zusammenhang gemieden und ganz einfach durch ethics ersetzt wird.

Nick Tameer
00

Vermutlich hat die Mafia auch eine Ethik, in deren Rahmen etwa die Stellung und das Ansehen der "Familie" eine Rolle spielen könnten, Ehrbegriffe zum Tragen kommen u.ä., weshalb der Mafioso erklären kann, dass der letzte Mord auch vernünftigen Erwägungen standhält. Ich würde allerdings vermuten, dass die gedanklichen Fundamente dieser Ethik nicht sonderlich tief liegen.

Eine Kreatur
00
softskills ..

das fehlt auch noch ;-)

naja, es ist doch chronisch in unserem bildungssystem, dass die grundlagen fehlen - die eigentlichen sozialen grundlagen ..

bin an einer fh und dort gibt es praktisch auch nichts, außer "persönlichkeitsbildung" und darunter werden sachen wie selbstorganisation, gesprächsführung usw. verstanden ..

da braucht mensch sich nicht wundern, was dann aus den fh's usw. herauskommt - bei unis ähnlich, dort gäbe es aber unter umständen die möglichkeit sich selber weiterzuentwickeln durch diverse vorlesungen anderer studienzweige, veranstaltungen usw. ..

SOZIALSCHMAROTZER
00
tja, leider...

...aber wer weiss, vielleicht hilft die krise!?

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