Nationalbibliothek

Fatale Folgen einer kostenlosen Restaurierung

3. April 2009, 19:11
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    foto: önb

    In der Eremitage befinden sich 570 Pehlewi-Papyrusfragmente dieser Art.

Die Russen erbeuteten in Berlin 570 Papyrus-Fragmente der Nationalbibliothek

Im Juli 1936 wurde der Nationalbibliothek ein Vorschlag unterbreitet, den sie nicht ablehnen konnte: Berlin bot an, die 570 mittelpersischen Pehlewi-Papyrusfragmente "vollständig kostenlos" zu restaurieren. Denn auch Berlin hatte eine große Anzahl dieser Papyri. Man nahm an, dass beide Bestände aus demselben Fund stammen. Und so schien es denkbar, dass aus den vielen Einzelteilen ein größeres Ganzes entstehen könne.

Die Nationalbibliothek hätte aber gut daran getan, die wissenschaftlich unbearbeiteten Papyri, die Erzherzog Rainer erworben und 1899 Kaiser Franz Joseph zum Geschenk gemacht hatte, nicht nach Berlin zu schicken. Denn das Puzzlespiel war, wie man heute weiß, unlösbar: Zwei weit voneinander entfernt liegende Fundplätze schlossen dies aus.

Natürlich sollten die Papyri (sie stammen aus der Periode von 619 bis 629 n. Chr., als Ägypten unter der Herrschaft der Perser stand) nach Abschluss der Konservierungsarbeiten nach Wien zurückkehren. Aber dann kam der Weltkrieg dazwischen. Und so fielen die Fragmente den Russen in die Hände: Sie befinden sich heute in der Eremitage von St. Petersburg. Weiterhin unbearbeitet - und in bedenklichem Zustand.

Immer wieder unternahm die Nationalbibliothek Versuche, die Papyri zurückzuerhalten. Erfolglos. Erst 2005 schien es eine Chance zu geben: Generaldirektorin Johanna Rachinger informierte die damalige Kulturministerin Elisabeth Gehrer, dass die russischen Behörden die Rückgabe noch im gleichen Jahr in Aussicht gestellt hätten.

Es sei vereinbart worden, den einzigen Pehlewi-Papyrus mit einer magischen Zeichnung, der aus unbekannten Gründen 1936 nicht nach Berlin verbracht wurde, der Eremitage als Zeichen des Dankes zu schenken. Gleichzeitig werde die Russische Föderation erklären, auf Forderungen an die Republik Österreich bezüglich Verwahrung der 570 Papyri zu verzichten.

Doch es kam nicht zur Rückgabe. Eingebunden in die Verhandlungen damals, 2005, war unter anderem Gottfried Toman von der Finanzprokuratur. Er bezeichnet die Situation der Nationalbibliothek als "wenig ideal". Denn die Papyri wurden - wenngleich die österreichische Provenienz außer Frage steht - in Berlin, also im russischen Feindesland, erbeutet. Es gibt zudem keinen Beschlagnahmeakt.

Die österreichischen Archivalien können, so der Jurist Toman, "im Verordnungswege" zurückgegeben werden. Im Falle der Papyri jedoch bedürfe es eines Restitutionsgesetzes. Die Russen würden zwar immer wieder betonen, ein solches auszuarbeiten, sie hätten es aber nicht wirklich eilig. "Man kann daher nicht viel tun", sagt Toman, "außer von Zeit zu Zeit auf den Fall hinzuweisen." (trenk, DER STANDARD/Printausgabe, 04./05.04.2009)

aH3
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Titel falsch

denn es wurde ja offenbar gar nichts restauriert. vielleicht kann man das heute auch besser. und überhaupt :vielleicht auch glück, dass die papyrusfetzen überhaupt erhalten sind.

aufmerksamer leser
01

ich lass mich ja gern belehren, aber wäre eigentlich nicht persien (die republik iran) der rechtmässige eigentümer dieser dokumente? vielleicht wartet ja moskau mit der rückgabe, bis es restitutionsansprüche aus theran erhält...:)

Redwraithvienna
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Das ist so eine Frage ...

Nur meistens ist es so das bei den meisten dieser Objekten, seien es Statuen, Papyrii, Friese, Goldmünzen etc durchaus legale Kaufverträge gibt.

Denkmalschutz, Denkmalbewahrung, Objektbewahrung, Objektschutz aus geschichtlichen Gründen etc sind europäische ideen die ca 200 Jahre alt sind. Also sehr jung. In weiten teilen der Welt existiert das konzept bis heute nicht oder in komplett anderer form (zb. China auch wenn die sich langsam an europäische Standards angleichen)

Sprich wenn vor 150 Jahren irgendein Shah den Österreichern etwas (für ihn) wertloses verkauft hat dann kann man kaum die Rückgabe fordern blos weil sich die Wertigkeit geändert hat.

Laura Hansen
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Fotografieren und ins Internet stellen!

W.Hammerl
66

Vielleicht könnte der grüne Kultursprecher, der sich ja sonst so vehement für Restituierungen einsetzt, auch einmal aktiv werden, wenn an Österreich etwas zurückgegeben werden soll.

rosa parks
310
schon irgendwie erstaunlich...

wenn also etwas, was eigentum der republik war und von dem Sie wahrscheinlich nicht einmal etwas wüssten, wenn es nicht gegenstand von resitutionsverhandlungen wäre, in russland ist statt in österreich, dann fühlen Sie Sich persönlich als österreicher betroffen und beraubt. wenn aber einem österreichischen staatsbürger mosaischen glaubens höchstpersönlich etwas gestohlen und trotz wiederauffindung nicht zurückgegeben wurde, dann empfinden Sie das als affront gegen österreich.

wäre alles raubgut zurückgegeben worden, hätte österreich heute eine weit bessere stellung in diesen verhandlungen. leider haben das menschen Ihrer geisteshaltung stets zu verhindern gewusst.

jumpingjack flash
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es gehört halt beides gemacht - zum letzten absatz - glaub ich nicht - oder wären restitutionen von österreich aus leichter wenn die die anderen den österreichern ihre kunstwerke zurückgegeben hätten?

==McMurphy==
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na ja,
ist aber insgesamt, international, ein problem, kulturgüter zurückzubekommen.
das betrifft so ziemlich alle "kulturnationen".

hellfast
01

man kann die rechten betonschädln einfach nur in ihren bunkern versauern lassen.

heute das wetter genießen, mit solchen leuten diskutieren bringt eh nix...

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