
Julius Meinl V. heute nach seiner Enthaftung vor dem Wiener Landesgericht.

Wien - Freitagmittag gingen die Gefängnistore für Julius Meinl V. wieder auf. Zwei Nächte hatte er in der Justizanstalt Josefstadt verbracht. Die letzte übrigens mit dem in der Doping-Affäre verhafteten Ex-Trainer Stefan Matschiner.
Pass abgegeben
In einem Taxi verließ Meinl die Josefstadt, einige Auflagen im Gepäck. Seinen britischen Pass musste der Meinl-Bank-Präsident am Nachmittag bei der Justiz abgeben, einmal im Monat muss er sich bei der österreichischen Justiz melden, und 100 Millionen Euro hat er als Kaution überwiesen. Der Betrag sei von Staatsanwalt Markus Fußenegger "verlangt worden und war nicht verhandelbar", erklärte dazu Meinls Strafverteidiger, Herbert Eichenseder, bei einer Pressekonferenz am Freitagnachmittag in Wien.
Die Meinl-Familie zählt zu den reichsten Clans in Österreich. Das Vermögen von Meinl V. wird auf zwei Milliarden Euro geschätzt. Allein für 2007 erhielt die Familie 70 Mio. Euro Dividende von der Meinl Bank. Woher das Geld für die Kaution stamme? Eichenseder: "Es kommt nicht aus der Bank", überwiesen wurde es von der Liechtensteiner Centrum Bank (siehe dazu auch "Frage & Antwort").
Kollektive Fassungslosigkeit
Die Umstände der Vernehmung am Mittwoch samt Verhaftung (Fluchtgefahr) schilderten Eichenseder und Christian Hausmaninger recht eindrücklich. Stundenlang habe die Einvernahme gedauert, sie sei "ruhig und professionell erfolgt, es war keine Rede von Vorhalten und Widersprüchen. Ich hatte schon meinen Mantel an und meinen Schal um, da kam der Staatsanwalt mit der Verhaftung", so Eichenseder. "Wir sind aus allen Wolken gefallen." Auch Meinl sei "fassungslos" gewesen.
Die Lehre, die die Anwälte Meinls daraus ziehen: Man werde die ohnedies schon intensive Kooperation mit dem Sachverständigen, Thomas Havranek, und dem Staatsanwalt weiter intensivieren, "obwohl Fußenegger jetzt schon lacht, wenn er mich sieht" , so Eichenseder. Die Fluchtgefahr sehen die beiden Anwälte übrigens nicht.
In der Sache selbst - Meinl wird etwa der Untreue und des gewerbsmäßigen Betrugs verdächtigt; es gilt die Unschuldsvermutung - ist Julius Meinl bei seiner bisherigen Verantwortung geblieben. Zwar ist laut Hausmaninger der Sachverhalt "relativ unbestritten, die strafrechtlichen Vorwürfe stimmen aber nicht. Meinl hat keine strafrechtlichen Bestimmungen verletzt." Es gelte nun, die Kollisionen zwischen kontinentaleuropä-ischem und britischem Recht (die MEL sitzt in Jersey) zu erklären und rechtliche Unklarheiten zu beseitigen. "Es gibt offensichtlich Missverständnisse, die man mit dem Staatsanwalt aus der Welt schaffen kann."
"Einige Tage Auszeit"
Eine Basis dafür gebe es: Auf den Aussagen Meinls könne man aufbauen, meinen seine Anwälte. Meinl selbst hätten sie nun "einige Tage Auszeit" empfohlen, "dann möchte er in Absprache mit dem Gericht" wieder seinem normalen Berufsleben nachgehen. Nachdem Meinl derzeit beruflich aber regelmäßig zwischen Wien und dem Ausland pendelt, geht das künftig nur mit der Erlaubnis der Justiz. (Renate Graber, Bettina Pfluger, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 4.4.2009)
Das Gericht hat den Antrag von Meinls Anwälten abgewiesen, wonach der Staatsanwaltschaft der Fall entzogen werden sollte
Bank-Chef Weinzierl sieht "fortgesetzten Amtsmissbrauch" durch Ankläger in Causa Meinl - Staatsanwaltschaft: Disqualifiziert sich selbst
Die Meinl Bank hat im Zusammenhang mit der Werbung für die ehemalige Meinl European Land (MEL, heute Atrium) eine weitere Niederlage einstecken müssen
Ex-Finanzminister wurde in der Causa Meinl befragt
Die Wiener Staatsanwaltschaft wartet auf Entscheidungen im Justizministerium, damit sie neue Gutachter bestellen kann. Mit Anklageerhebung 2010 rechnet kaum jemand
AK-Anwalt geht auch gegen Julius Meinl persönlich zivilrechtlich vor, die Bank wehrt sich und klagt ihrerseits die AK
Die Adresse für Genießer, aber auch für Toristen und Promis feiert sein zehnjähriges Jubiläum seit der Neugestaltung - der "Meinl am Graben"
erlaubt ist, meint der Meinl, kann er legal gemeinsam mit der Meinlbank in Österreich die Österreicher abzocken.
So ist das "Zwar ist laut Hausmaninger der Sachverhalt "relativ unbestritten, die strafrechtlichen Vorwürfe stimmen aber nicht. Meinl hat keine strafrechtlichen Bestimmungen verletzt."
zu verstehen.
Ich hoff, der täuscht sich da gewaltig.
gratulation an alle beteiligten (gericht, sta, anwälte, familie meinl): bestens inszeniert und durchgeführt, zahlt sich schon aus, wenn sowas ordentlich zusammen mit dem beschuldigten und seinen vertretern vorbereitet wird (ich schätze, 2 wochen vorlaufzeit waren notwendig) und am ende alle inkl. der öffentlichkeit zufrieden sind. gibt es zur entschädigung der anleger auch schon arrangements ?
auf am Boden liegende zu treten ist zwar schäbig - dieses Gerücht ist aber zu schön:
Fiona war angeblich lange seine Styling-Beraterin und hat ihm den schicken Scheitel aufgeschwatzt…
http://aron2201sperber.wordpress.com/2009/04/0... arl-heinz/
gefaellig ?
§ 180. (1) Gegen Kaution oder Bürgschaft sowie gegen Ablegung der im § 173 Abs. 5 Z 1 und 2 erwähnten Gelöbnisse kann der Beschuldigte freigelassen werden, sofern ausschließlich der Haftgrund der Fluchtgefahr (§ 173 Abs. 2 Z 1) vorliegt; dies hat zu erfolgen, wenn die Straftat nicht strenger als mit fünfjähriger Freiheitsstrafe bedroht ist.
(2) Die Höhe der Sicherheitsleistung ist vom Gericht auf Antrag der Staatsanwaltschaft unter Bedachtnahme auf das Gewicht der dem Beschuldigten angelasteten Straftat, seine persönlichen und wirtschaftlichen Verhältnisse sowie das Vermögen der Person zu bestimmen, welche die Sicherheit leistet.
Abseits der Neiddebatte, die in Foren gerne geführt wird wenn es um das Vermögen anderer Leute geht, finde ich einen Aspekt an der Sache schon interessant: Wie reich muss man sein, damit man in dieser kurzen Zeit (!) so viel Geld in Cash auftreiben kann. Steckt das nicht in irgendwelchen Veranlagungen? Zumal ja gesagt wurde, dass die Verhaftung völlig überraschend war (=keine Vorbereitungszeit). 100 Mille sind ja kein Pappenstiel, den man am Girokonto liegen hat. Ich bin beeindruckt.
Abseits Ihres treffenden Kommentars zu "herumkugelnden" hohen Geldbeträgen wende ich ein, dass hier keine "Neiddebatte" geführt wird. Diese Typen stehen unter sehr konkretem Verdacht, sich mit strafrechtlich hochrelevanten Methoden in geradezu grotesker Weise bereichert zu haben.
Ich glaube, dass die meisten Forumteilnehmer vor den Leistungen der früheren Meinl-Generationen nichts als Achtung empfinden, und ihnen auch die Früchte gönnen. Diese Achtung hat der Fünfer-Spross in kurzer Zeit in Ächtung seiner Handlungen und seines Lebenswandels verwandelt.
Das alles sieht nach medienwirksamer Publicity seitens der weisungsgebundenen Staatsanwaltschaft aus, die den Neidkomplex der Wähler ausnützt. Nicht nach Rechtsstaat. Denn wieso geht der Meinl in U-Haft und nicht das Management der betroffenen Fonds? Wieso ist das mit den "überhöhten Spesen" nicht schon in den "fetten" Jahren ein Problem gewesen, sondern erst jetzt? Da war's allen recht. Damals, wo Dank stetig nachströmenden Geldes die Kurse nach oben getrieben wurden.
Ihre wiederholte Anwendung von "Neid" wird meine Meinung nicht verändern.
Meinl ist in U-Haft gegangen, weil bei ihm, nicht aber bei den übrigen Managern, eine große Fluchtgefahr erblickt wurde. Persönlich finde ich es eigenartig, dass nicht ALLE vor langer Zeit wegen großer Verdunkelungsgefahr für eine Zeitlang in U-haft genommen wurden, bis die Prüfer/Ermittler von OeNB, Justizorganen, etc. ungestört relevante Unterlagen in Beschlag nehmen konnten.
Die Malversationen (heimliche PPS-Begebung, Aktienrückkäufe, etc.) wurden erst im Frühjahr Sommer 2007 öffentlich bekannt. Die PPS-Begebung (die einer vorherigen qualifizierten HV-Genehmigung bedurft hätte) wurde im darauffolgenden Kapitalerhöhungsprospekt sehr "diskret" verkündet!
und dann rufen s' Zeter und Mordio und würden am liebsten die Lynchjustiz wiederbeleben.
Von dieselben Gier, die man Meinl & Konsorten vorwirft, sind - kleiner dimensioniert - die Amateurzocker=Kleinanleger getrieben.
Carl Lee Hailey aus 'A Time to Kill' mit Sandra Bullock meinen, haben Sie wohl recht. Wenn Sie aber Karl P. von der anderen Immobilienfirma meinen, sind sie vermutlich auf sehr dünnem Eis!
Erstaunlich "respektvoll" wurden sie jedenfalls alle von der österr. Justiz bisher behandelt.
davon, was es heißt fassunglos zu sein, weil ein geld- und machtgieriges, mit der Politik (Ja, da gab es doch seinen Spezi, den Herrn Wunder-Finanz-und-Glamour-Minister Mag. Karl Heinz Grasser - der Grasser Korl, wie ihn ein vorausblickender, auf neobliberal geprägte wirtschaftliche Nachhaltigkeit pochender Haider-Freund Wolfgang Schüssel liebevoll nannte) kooperierender Banker kleine Anleger um ihre Vermögen bringt, aber mir nichts dir nichts 100 Mio Euro für die Kaution hervorzaubert. Mich wundert, dass die Bevölkerung noch immer so ruhig ist.
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