Erneuter Zwischenfall bei umstrittenem Tempel - Mindestens sechs Soldaten getötet - Thai-Premier: "Missverständnis oder Unfall"
Phnom Penh/Bangkok - Bei
neuerlichen Gefechten an der Grenze zwischen Kambodscha und Thailand sind am
Freitag nach kambodschanischen Angaben vier thailändische Soldaten getötet und
zehn weitere gefangen genommen worden. Thailändische und kambodschanische
Truppen hätten mit Raketenwerfen und Maschinengewehren aufeinander geschossen,
erklärte die kambodschanische Regierung.
Bei den "heftigen Schusswechseln" seien auch zwei kambodschanische Soldaten
ums Leben gekommen, sagte ein Sprecher der kambodschanischen Regierung der
Nachrichtenagentur AFP. Auf thailändischer Seite wurden offiziellen Angaben aus
Bangkok zufolge zwei Soldaten getötet und 10 weitere verletzt.
Nach übereinstimmenden Mitteilungen aus Thailand und Kambodscha begannen die
Gefechte am frühen Nachmittag, nachdem es bereits zuvor kurze
Schusswechsel gegeben habe. Beide Länder gaben der Gegenseite die Schuld für den
ersten Zwischenfall. Die Truppen beschossen sich nach kambodschanischen Angaben
daraufhin an mehreren Orten nahe des im Grenzgebiet liegenden Tempels Preah
Vihear, den beide Länder für sich beanspruchen. Mitte Oktober waren dort bei
Gefechten zwischen den Armee der beiden Länder bereits vier Soldaten getötet
worden.
Ein Kommandant der kambodschanischen Armee sprach von einem Sieg seiner
Truppen. Militärs beider Seiten verhandelten miteinander, um die Spannungen zu
beruhigen.
Kambodschas Außenminister Koy Kuong warf der thailändischen Armee den
"Versuch einer aggressiven Invasion" vor und kündigte ein Protestschreiben an
die Regierung in Bangkok an. Thailands Regierungschef Abhisit Vejjajiva zeigte
sich zu einem Gespräch mit seinem kambodschanischen Kollegen Hun Sen bereit.
Ursache für die Gefechte sei sicherlich ein "Missverständnis oder ein Unfall".
Er pochte jedoch auf Thailands Recht, "seine Souveränität" zu verteidigen.
Die Spannung an der Grenze war in den vergangenen Tagen wieder gestiegen,
nachdem Kambodscha Ende März den unerlaubten Grenzübertritt von rund hundert
thailändischen Soldaten gemeldet hatte. Thailand wies die Vorwürfe zurück. Am
Donnerstag trat ein thailändischer Soldat nahe des Tempels auf eine Mine und
verlor dabei ein Bein.
Wegen des jahrzehntelangen Konflikts gibt es immer wieder Gefechte an der
Grenze, deren Verlauf nie offiziell festgelegt wurde. Im Juli des vergangenen
Jahres hatte sich die Lage verschärft, nachdem die UNESCO den Tempel, dessen
Haupteingang auf thailändischer Seite liegt, als kambodschanisches Gebäude auf
die Weltkulturerbe-Liste aufgenommen hatte - zum großen Ärger thailändischer
Nationalisten. Der Internationale Gerichtshof in Den Haag entschied bereits
1962, dass die Ruinen von Preah Vihear zu Kambodscha gehören. (APA/AP)