Frankreich dreht Raubkopierern das Internet ab

2. April 2009, 19:11

Nationalversammlung stimmt umstrittenem Gesetz zu - bei drittem Verstoß droht Sperre bis zu einem Jahr

Hartnäckige Raubkopierer riskieren in Frankreich in Zukunft die Abschaltung ihres Internet-Anschlusses. Nach dem Senat billigte am Donnerstag die Nationalversammlung mit den Stimmen der konservativen Regierungsmehrheit das umstrittene Vorhaben. Mit dem Gesetz wird eine Kontrollstelle eingerichtet, die auf Urheberrechtsverstöße im Internet aufmerksam macht. Wer nach zwei schriftlichen Abmahnungen noch immer illegal herunterlädt, muss mit der Sperrung seines Internetabonnements für zwei Monate bis zu einem Jahr rechnen.

Widerstand von linken Parteien

Linke Parteien stimmten geschlossen gegen die Internet-Sperre. Auch im Regierungslager gab es Widerstände: Einige Abgeordnete hatten am Mittwoch vergeblich versucht, statt der Abschaltung eine Geldstrafe durchzusetzen. Der Gesetzentwurf, der bereits im Oktober durch den Senat angenommen wurde, muss nun wegen anderer Bestimmungen nochmals in den Vermittlungsausschuss. So hatte die Nationalversammlung am Donnerstagvormittag beschlossen, dass betroffene Internet-Nutzer nicht ihre Anschlussgebühr zahlen müssen, während sie vom weltweiten Datennetz abgetrennt sind.

Abschreckung

Das Gesetz soll laut Kulturministerium als Abschreckung dienen und das legale Angebot von Musik und Filmen stärken. Es beruht auf einem Abkommen der Regierung mit der Musik- und Filmindustrie vom November 2007. Im Gegenzug für die verschärfte Verfolgung der Raubkopierer soll nach einer Selbstverpflichtung der Branche der Kopierschutz für Filme und Musik abgeschafft werden. (APA/AFP)

Kommentar posten
17 Postings
Van Nelle
00
Es gibt keine Raub-Kopierer

Ich hab's grad in einem anderen Artikel gepostet, tu es aber gerne noch einmal:

Raub bedeutet, dass jemand einem anderen mithilfe von Gewaltanwendung etwas wegnimmt.

Beim Kopieren von Dateien wird weder jemandem etwas weggenommen, noch hat das etwas mit Gewalt zu tun. Allerhöchstens werden Urheberrechte verletzt.

Die Verletzung von Urheberrechten mit der Verletzung von Menschen zu vergleichen ist Irrsinn.

ja aber
10
in china sind 99% der doenload illegal daher bekommen sie gratisdownloads

das geld holt sich die medienindustrie offensichtlich in europa. gerecht?

wird jetzt jedes auto nach einer 3x geschwindigkeitsueberschreitung aus dem strassenverkehr entzogen? Oder wird die garagenausfahrt jedes verkehrssuenders gesperrt?

macindd
10
Da zählt das Informationsrecht des Bürgers,

das Bedingung für die gesellschaftliche und politische Teilhabe des Einzelnen ist, also weniger als die Profitgier halbseidener Geschäftsleute.

Soso. Unter diesen Umständen kann man die Wahlen auch gleich abschaffen, es regiert eh die Medienmafia.

Peter W1
 
10

Was soll dieses Warmduschergeplänkel von "Raubkopierern" in diesem Artikel? Das sind doch alles mindestens RaubmordterroristInnen!!!

BTW Angeblich geht es um einen Bruch des Urheberrechtsgesetzes, der mit Raub soviel zu tun hat wie mit Osterfeiern.

xxxxxxxxxxxx xxxxxxxxxxxxxx
 
01

Ich weiss nicht ob das wer weiss hier , aber offenbar waren zum Zeitpunkt der Abstimmung noch 16 Abgeordnete da , von ansich 577 .
Also ca. 3% der gesamten Nationalversammlung.

alt-heli .
00
Die spinnen die Gallier....

oder war der Preis einfach zu verlockend?? ;-)

Fränds
03
Auf gehts, liebe französische Entwickler!

Wird eh Zeit für ein gescheites anonymes Filesharing-System!

yomellamo
00

nicht unbedingt anonym, ... aber eines bei dem man nur direkt mit freunden verbunden ist denen man traut (und verbindung zu allen anderen usern dieser erde gibts ueber eine kette von freundschaften).

zb.
http://oneswarm.cs.washington.edu/

moejoe187
00
gibts doch eh zuhauf....

yomellamo
00

naja... F2F-netze mit einem halbwegs funktionierendem konzept gibts nicht so viele.

welche anderen haben sie anzubieten?

Theodor Schule
12

Jetzt beginnt das Warten bis der EGMR diesem Alptraum ein Ende bereitet.

Fritz Meyer
11
Wo die Lobbyisten schon im Ministerium sitzen...

und das Berlusconi-Imitat als Staatsoberhaupt den neuen Sonnenkönig gibt... da muss man sich über Polizei-Faustrecht und Internet-Vigilantismus nicht mehr wundern.

Aber Frankreich wird wohl auch diese Regierung überleben.

Fritz Meyer.

polymorph
00
merde

Dein schönster Traum
14
Ich sehs schon kommen...

...Brief eines jungen / einer jungen UserIn (wir sind ja im Forum von der/dieStandardIn) aus Frankreich:

"Liebe Regierung,

ich wäre gerne Bürger Eures Staates gewesen, hätte hier gerne Geld verdient, meine Steuern bezahlt und etwas beigetragen. Aber offenbar wollt Ihr mich hier ja nicht haben.

Macht nix.

Auch andere Länder haben schöne Arbeitsplätze, dort darf ich wenigstens auch ins Internet.

Auf Nimmerwiedersehen! Hoffentlich habt Ihr viel Freude mit den Schmiergeldern von der Medienmafia, aber mich hält hier nichts mehr!

gezeichnet,

Ex - Bürger(in) Frankreichs"

Massenexodus 4tw. Ich mach schonmal ein Zimmer frei für einen Gast. :-D

(Und eine Buddel Rotwein aus dem Burgenland, für die Wehmut.)

Blackhairman
00
Frankreich dreht Raubkopierern das Internet ab

Wie wollen sie es einen da Internet verbieten, wo wahrscheinlich auch in Frankreich Wertkarteninternet angeboten wird?

Bernhard Kubicek
17
bin gespannt

wann das französische Regierungsgebäude kein Netz mehr hat...

yomellamo
00

kann ja nicht so schwer sein deren IP zu spoofen (falls das überhaupt notwendig ist).

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.