Julius Meinl V. hinterlegte einhundert Millionen Euro an Kaution
Ein Meinl als mutmaßlicher Anlagebetrüger? Einer, der vorübergehend und bis zur Erlegung einer 100-Millionen-Kaution in die Haftanstalt Josefstadt gesteckt wurde? – Das Leben des Julius Meinl V. ist an einem Tiefpunkt angelangt. Der Bankier sah sich in Umständen gefangen, die sich seine auf kaufmännische Solidität bedachten Ahnen nie erwartet, geschweige denn toleriert hätten.
Schon die Entscheidung, die Julius V. im Jahr 1999/2000 tätigte, traf seinen Vater tief. Sein Sohn verkaufte die alteingesessene, weit verzweigte und seit dem Fall der Mauer auch im Osten wieder präsente Meinl-Lebensmittelkette. Er behielt lediglich das Spezialitätengeschäft am Graben, quasi als Hobby und mit nostalgischem Unterton. Mit dem Geld von Rewe (Billa) und Spar tauchte er tief ein in die Welt der Geldvermehrung für eine betuchte Privatklientel und auf Diskretion bedachte, konservativ und langfristig agierende Firmen. Später erweiterte er sein Businessmodell um ein mit Börsengeldern finanziertes Beteiligungsgeschäft. Erst kurz vor seinem Tod 2008 verzieh der Vater dem Sohn die Entscheidung, das Handelsimperium und damit die Wurzeln der Familie aufzugeben.
Irgendwann zwischen dem Verkauf der Meinl-Geschäfte und heute muss der jetzt 49-Jährige das Augenmaß verloren haben – selbst wenn sich die weiterhin geltende Unschuldsvermutung als richtig herausstellt. Die Geschäfte wurden immer waghalsiger; die Konstrukte immer undurchschaubarer. Weiterhin aber strahlte der Name Meinl Bedächtigkeit aus, signalisierte ein gutes Händchen für alles Geschäftliche. Bei Börsengängen wurden die Papiere wie Sparbücher verkauft.
Dieser Ruf ist perdu. Sohn Julius VI., der in der Schweiz das Bankerhandwerk lernte, kehrte erst gar nicht zurück, sondern heuerte bei Credit Suisse an. Gattin Franziska, genannt „Spängi“, zog sich aus dem Wiener Gesellschaftsleben zurück – Gerüchte, um die Ehe stünde es nicht zum besten, waren auch ausschlaggebend.
Vorbei die fröhlichen Zeiten, als das Paar vor der kroatischen Küste segelte und Gastgeber einer illustren Runde war: Der damals noch amtierende Finanzminister Karl-Heinz Grasser, frisch verliebt in seine jetzige Frau Fiona Swarovski, einer engen Freundin Franziska Meinls, traf den Investmentbanker Wolfgang Flöttl auf der Yacht. Das war 2005, und der Bawag-Skandal kochte hoch. Dass sich der „Fünfer“, wie Julius Meinl gerufen wird, kurz im Zusammenhang mit der Bawag rechtfertigen musste, war eine im Rückblick harmlose Aufregung.(Johanna Ruzicka, DER STANDARD, Printausgabe, 3.4.2009)