Kopf des Tages

Der Fünfer als Häftling der Erste

02. April 2009, 19:10

Julius Meinl V. hinterlegte einhundert Millionen Euro an Kaution

Ein Meinl als mutmaßlicher Anlagebetrüger? Einer, der vorübergehend und bis zur Erlegung einer 100-Millionen-Kaution in die Haftanstalt Josefstadt gesteckt wurde? – Das Leben des Julius Meinl V. ist an einem Tiefpunkt angelangt. Der Bankier sah sich in Umständen gefangen, die sich seine auf kaufmännische Solidität bedachten Ahnen nie erwartet, geschweige denn toleriert hätten.

Schon die Entscheidung, die Julius V. im Jahr 1999/2000 tätigte, traf seinen Vater tief. Sein Sohn verkaufte die alteingesessene, weit verzweigte und seit dem Fall der Mauer auch im Osten wieder präsente Meinl-Lebensmittelkette. Er behielt lediglich das Spezialitätengeschäft am Graben, quasi als Hobby und mit nostalgischem Unterton. Mit dem Geld von Rewe (Billa) und Spar tauchte er tief ein in die Welt der Geldvermehrung für eine betuchte Privatklientel und auf Diskretion bedachte, konservativ und langfristig agierende Firmen. Später erweiterte er sein Businessmodell um ein mit Börsengeldern finanziertes Beteiligungsgeschäft. Erst kurz vor seinem Tod 2008 verzieh der Vater dem Sohn die Entscheidung, das Handelsimperium und damit die Wurzeln der Familie aufzugeben.

Irgendwann zwischen dem Verkauf der Meinl-Geschäfte und heute muss der jetzt 49-Jährige das Augenmaß verloren haben – selbst wenn sich die weiterhin geltende Unschuldsvermutung als richtig herausstellt. Die Geschäfte wurden immer waghalsiger; die Konstrukte immer undurchschaubarer. Weiterhin aber strahlte der Name Meinl Bedächtigkeit aus, signalisierte ein gutes Händchen für alles Geschäftliche. Bei Börsengängen wurden die Papiere wie Sparbücher verkauft. Dieser Ruf ist perdu. Sohn Julius VI., der in der Schweiz das Bankerhandwerk lernte, kehrte erst gar nicht zurück, sondern heuerte bei Credit Suisse an. Gattin Franziska, genannt „Spängi“, zog sich aus dem Wiener Gesellschaftsleben zurück – Gerüchte, um die Ehe stünde es nicht zum besten, waren auch ausschlaggebend.

Vorbei die fröhlichen Zeiten, als das Paar vor der kroatischen Küste segelte und Gastgeber einer illustren Runde war: Der damals noch amtierende Finanzminister Karl-Heinz Grasser, frisch verliebt in seine jetzige Frau Fiona Swarovski, einer engen Freundin Franziska Meinls, traf den Investmentbanker Wolfgang Flöttl auf der Yacht. Das war 2005, und der Bawag-Skandal kochte hoch. Dass sich der „Fünfer“, wie Julius Meinl gerufen wird, kurz im Zusammenhang mit der Bawag rechtfertigen musste, war eine im Rückblick harmlose Aufregung.(Johanna Ruzicka, DER STANDARD, Printausgabe, 3.4.2009)

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Marlon62
16.04.2009 12:26
....

Julius V. = Haflinger I.

Coriander 
06.04.2009 15:50
Geniale Werbung

Der Text:
"Ein Meinl als mutmaßlicher Anlagebetrüger? ..."

Daneben die Werbung für eine KFZ-Marke:

"Das Bauchgefühl sagt ja.
Der Verstand hat nichts dagegen."

Das ist subtil!

Milia Cherubin
03.04.2009 12:28

bim bim

quinta
03.04.2009 12:03
Meinl im Graben

....da sollten aber sicher andere herrschaften auch schon vorsorglich Liquidität bereitstellen

wie war das noch mit einem anderen Immo-Unternehmen wo noch an die 500 Mio. irgendwo unauffindbar sind??

viridisdens
03.04.2009 12:11
wenn er sein eigenes knödel ruiniert, wär's ja wurscht, aber dass er auch noch viele andere abgezockt hat und nebenbei arbeitsplätze venichtet hat ist echt sch... von ihm:

bleib', wo du bist!

Karl Neuhold1
03.04.2009 11:43
ich wiederhole mich,

man braucht sich den nur anzuschauen und schon ist man "im bilde" das der von allen in seiner umgebung nur deshalb akzeptiert wurde weil er geld hatte ist anzunehmen. freundschaften hatte der sicher nicht. und besonders der schönling unseres illustren machtzirkels hatte sicher keine freundschaftlichen interessen - sondern ausschlieslich finanzielle.

das dies alles möglich war sagt ja eh alles aus über IQ, Rückgrat, Spürsinn dieser Person.

dekadent halt.

Ich bevorzuge Burgunder und nicht Bordeaux
03.04.2009 12:31

diesen typus von menschen wird es immer geben. persönlich kann man das nur ignorieren.

es gibt auch andere leute, die z.b. milliarden karitativ ausgeben (gates stiftung).

Com Pirx
03.04.2009 11:41

Ein bißchen mehr Respekt und ein bißchen weniger Häme würde dem Standard ziemlich zur Ehre gereichen.

imir
09.04.2009 12:34

Respekt? Vor wem? Dem Herrn Fünfer? Die Forderung nach respektvollen Umgang mit der Gattung Sus wäre angebrachter.

white owl
07.04.2009 13:48
häme?

wo bitte find ich die im artikel?

t
03.04.2009 16:03
positiv denken

ein Meinl wird vielleicht doch nicht anders behandelt als ein "roter" Elsner

Susanne_B
03.04.2009 12:15

Ganz unabhängig von dieser Geschichte: womit genau hat Herr Meinl sich Respekt verdient? Erben alleine ist keine Leistung.

exhale
03.04.2009 14:34

mit verlaub, ihr posting ist zum kotzen. seit wann hat der respekt vor einem lebewesen was mit seiner leistung zu tun??

erbärmlich!

gem1
03.04.2009 14:49

Es geht auch nicht um den Zusammenhang Leistung = Respekt.
Es geht darum, dass man sich Respekt verdienen muss und nicht durch Namen/Erben wie auch immer einem dieser automatisch zugestanden wird!

Com Pirx
03.04.2009 14:05

So eine Überschrift vertrage ich in der "Krone", aber nicht beim Standard.

Mike Myers 
03.04.2009 10:47
schade,

dass der Antel nimmer lebt. Der hätt das schön verfilmt.

Ich bevorzuge Burgunder und nicht Bordeaux
03.04.2009 12:32

DER ABZOCKERER, Teil 1

galawa
03.04.2009 12:28

bitte nicht noch an bockerer obwohl elsner, meinl, khg und mensdorff würde es etwas lebendiger

Didldumdei
03.04.2009 10:46
News.nabou.com

Julius Meinl's arrest marks the nadir for a once proud family that started selling coffee beans in Vienna in 1862, built a retail chain, fled from the Nazis to Britain in 1938 and then rebuilt the chain in Austria after the war.
Trained at Bear Stearns in the 1980, Julius took over the family's bank and turned it into the center of the family's fortune, selling off the retail business but for a posh deli in Vienna's center.
Meinl Land was last year taken over by Israeli real estate investment firm Gazit Globe and renamed Atrium European Real Estate (ATRV.VI: Quote, Profile, Research, Stock Buzz). Gazit Globe said it was not connected in any way to Julius Meinl or his bank.

ScroogeMcDuck 
03.04.2009 09:20

ein dummer bub, der an die spitze eines traditionseinzelhändlers kommt, sich vom glanz und glamour des banking-business verführt sieht, die staubige last vergangener zeiten abwerfen will - wohl auch, weil er zu blöd war diesen zu leiten -
und verhökert einen mit echten werten bestehenden, realwirtschaftlichen betrieb, um sich der finanzlotterie anzuschließen.

ging solange gut, als es für jeden gut ging. jetzt gehts halt, u.a. wegen besagter eigener dummheit schlecht. in ungnade gefallen beim herrn papa, bei den anlegern und der öffentlichkeit sowieso, hoffentlich auch demnächst bei justitia.

gistof
03.04.2009 10:56
Dumm ist der nicht

Der ist sogar extrem schlau und gerissen, allerdings ein bisserl größenwahnsinnig. Und die Meinl Lebensmittelmärkte sind nicht wirklich gut gelaufen.

viridisdens
03.04.2009 12:12
wenn die gier über's hirn gewinnt ist das auch dumm!

johnnycash
02.04.2009 22:34
Traurig

Auch wenn sich die strafrechtlichen Vorwürfe nicht bewahrheiten sollten, ist der gute Ruf wohl auf längere Zeit dahin.

Man sollte sein Vermögen lieber zu Lebzeiten verjuxen, statt es dem Berufssohn zu überlassen.

In der Politik wurde die Absurdität des Thronfolgermodells schon vor Jahrhunderten erkannt und die Monarchien nach und nach entmachtet. Im privaten Bereich hat sich allerdings noch immer nichts geändert.

Vielleicht sollte man Erbschaften gesetzlich auf ein vernünftiges Maß beschränken (etwa auf den Wert von zwei Einfamilienhäusern). Dann könnte man auch die Lohnsteuern senken. Kinder aus "gutem Hause" haben ohnehin eine viel bessere Ausgangsposition.

You may say i'm a dreamer, but i'm not the only one.

Blanca Hohn
03.04.2009 13:26
"You may say i'm a dreamer, but i'm not the only one."

...another one... :-)

Hans Müller1
03.04.2009 10:35
Die Alternative wäre dass Familienunternehmen

automatisch z.Bsp. in Aktiengesellschaften mit Streubesitz (oder Staatsbesitz) umgewandelt werden, wo dann ein Vorstand ohne Bezug zum Unternehmen und ohne ordentliche Kontrolle weitermachtl. Sind sicher nicht die besseren Voraussetzungen für das Unternehmen. Insofern kann man sich nur vollinhaltlich dem Posting von Dr. Lari und Mr. Fari anschließen. Einzelfälle sagen nichts über grundsätzliches aus

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