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Wien - Ernst Strassers Freunde kann man an den Fingern zweier Hände abzählen. Erst neun Gefährten hat der ÖVP-Spitzenkandidat für die EU-Wahl, der zwei Stunden vor seiner Nominierung ein Konto auf Facebook eröffnete, bisher gesammelt. Er tritt dort ohne Bild auf - dafür mit klaren politischen Botschaften: Schon vor seiner Brüssel-Reise ließ er wissen, dass er Le Pen als Alterspräsidenten des EU-Parlaments verhindern möchte. Dafür gibt es gleich mehrere Ernst-Strasser-Fanclubs auf Facebook, in einem haben sich bereits 184 "Befürworter" angemeldet.
Österreichs Politiker entdecken zunehmend die neuen Kommunikationskanäle.
"Das ist gut gemeint, meist aber nicht gut gemacht" , sagt Rudolf Fußi, Geschäftsführer von webfreetv.com. Er sagt das generell über den Auftritt österreichischer Politiker im Internet, speziell aber auch über das jüngste Video von Kanzler Werner Faymann auf dem Internetportal YouTube. "Das beschädigt die Marke" , warnt Fußi vor dem Einsatz auf YouTube.
"Wenn ein Kanzler auf YouTube von 600 Leuten angesehen wird und diese Zahl auch ausgewiesen wird, ist das peinlich." Zum Vergleich: Das Interview mit dem weinenden Stephan Petzner auf Krone.tv sahen 300.000 Menschen, selbst ein Video vom Foto-Shooting mit Christine Lugner kommt noch auf 80.000 Zugriffe. Kanzler Faymann dagegen kam nach dem ersten Tag auf etwas mehr als 300 Zugriffe, am zweiten Tag im Netz und nach hämischen Kommentaren stieg die Userzahl dann auf über 5000 - offenbar auch dank tatkräftiger Mithilfe aus der SPÖ-Zentrale.
Langsamer Fortschritt
"Man lernt erst langsam, mit diesen Medien umzugehen" , sagt auch Matthias Platzer von der Agentur knallgrau. "Immerhin erkennt man jetzt aber, dass die Inhalte wichtig sind und es nicht reicht, nur auf YouTube oder Flickr dabei zu sein." Genau dieser Fehler sei nämlich im letzten Wahlkampf gemacht worden. Insofern ist das Faymann-Video für ihn durchaus gelungen. Der Kanzler spricht in dem direkt von der SPÖ produzierten Podcast über das Festhalten an "unseren Werten" , soziale Netze, Bildungs- und Gesundheitssysteme, "die sich jeder leisten kann" und über Spekulationsgeschäfte, die künftig hintangehalten werden müssten.
Fußi, der sowohl für die SPÖ als auch die ÖVP und Medien wie der Standard und die Kronen Zeitung arbeitet, rät Parteien, Videobotschaften im Internet vorrangig für die interne Kommunikation einzusetzen. "Da kann man in einer Minute perfekt ein Wording für alle Funktionäre transportieren."
Die Annahme, mit einem Video automatisch Jugendliche ansprechen zu können, sei aber falsch. Und noch eines merkt Fußi an: "Obama funktioniert im Internet, weil er Obama ist. Weder Faymann noch Pröll sind Obama."
Lernen könne man vom US-Präsidenten trotzdem, meint Platzer. Und zwar, dass man den Dialog mit den Anhängern auch nach der Wahl aufrechterhalten müsse.
In Deutschland arbeitet Kanzlerin Angela Merkel längst intensiv im Internet. Sie stellt Videobotschaften ins Netz oder lässt sie an Medien verteilen. Der aus ihrer Sicht angenehme Nebeneffekt dabei: Es kann dabei keine lästigen Fragen von Journalisten geben.
In Österreich boomt derzeit das soziale Netzwerk Facebook. Dieses biete vor allem für Politiker der zweiten und dritten Reihe, die in den klassischen Medien kaum vorkommen, Chancen, sagt Platzer. Dabei gehe es weniger darum, hunderte Freunde anzuwerben. Schließlich könne man auch über Facebook oder Weblogs Inhalte transportieren. Allerdings: "Wenn man es macht, muss man es ernsthaft und längerfristig machen."
Pioniere auf diesem Gebiet waren die Grünen Peter Pilz und Christoph Chorherr. Aber auch der Tiroler Landesrat Christian Switak (ÖVP) ist Facebooker. Er informierte am Donnerstag seine 118 Freunde, wie sehr er sich über den Frühling in den Tiroler Bergen freute. In der Vorwoche nutzte er seine Handy-Applikation, um live aus der Landtagssitzung Bilder ins Internet zu stellen. Er war dann auch unter den Ersten, die Strasser gratuliert haben. Per Facebook-Eintrag, natürlich. (Günther Oswald, Conrad Seidl, Michael Völker/ DER STANDARD-Printausgabe, 3. April 2009)
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Das twitternde Kanzler-Double stellte sich den Fragen der UserInnen
...na das nenn ich mal eine profunde analyse, bravo her fussi :-)
hat der us-präsident das weltweit exklusive recht als politiker inhalte fürs netz zu produzieren?
http://www.fensterbrett.at
Die wissen eben nicht, was hip ist.
als ob er sauer wäre, weil seine seltsame Firma nicht am Kuchen mitnaschen darf. Jetzt muss er halt alle anderen anpatzen...
Glaubt der, dass mehr Leute Politikvideos anschauen, wenn sie von webfreetv produziert werden?
in aktion:
http://www.youtube.com/watch?v=GxOnpOAZXyQ
also der Blogg vom Chorrherr Chris hat schon Qualität.
und ist immer wieder ganz nett zu lesen.
http://chorherr.twoday.net/
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