Österreichs Politiker suchen Freunde im Internet

2. April 2009, 17:55

Die Politik entdeckt Facebook und YouTube - Professionell gehen die Parteien mit den neuen Kommunikations-Kanälen aber nicht immer um

Wien - Ernst Strassers Freunde kann man an den Fingern zweier Hände abzählen. Erst neun Gefährten hat der ÖVP-Spitzenkandidat für die EU-Wahl, der zwei Stunden vor seiner Nominierung ein Konto auf Facebook eröffnete, bisher gesammelt. Er tritt dort ohne Bild auf - dafür mit klaren politischen Botschaften: Schon vor seiner Brüssel-Reise ließ er wissen, dass er Le Pen als Alterspräsidenten des EU-Parlaments verhindern möchte. Dafür gibt es gleich mehrere Ernst-Strasser-Fanclubs auf Facebook, in einem haben sich bereits 184 "Befürworter" angemeldet.
Österreichs Politiker entdecken zunehmend die neuen Kommunikationskanäle.

"Das ist gut gemeint, meist aber nicht gut gemacht" , sagt Rudolf Fußi, Geschäftsführer von webfreetv.com. Er sagt das generell über den Auftritt österreichischer Politiker im Internet, speziell aber auch über das jüngste Video von Kanzler Werner Faymann auf dem Internetportal YouTube. "Das beschädigt die Marke" , warnt Fußi vor dem Einsatz auf YouTube.

"Wenn ein Kanzler auf YouTube von 600 Leuten angesehen wird und diese Zahl auch ausgewiesen wird, ist das peinlich." Zum Vergleich: Das Interview mit dem weinenden Stephan Petzner auf Krone.tv sahen 300.000 Menschen, selbst ein Video vom Foto-Shooting mit Christine Lugner kommt noch auf 80.000 Zugriffe. Kanzler Faymann dagegen kam nach dem ersten Tag auf etwas mehr als 300 Zugriffe, am zweiten Tag im Netz und nach hämischen Kommentaren stieg die Userzahl dann auf über 5000 - offenbar auch dank tatkräftiger Mithilfe aus der SPÖ-Zentrale. 

Langsamer Fortschritt

"Man lernt erst langsam, mit diesen Medien umzugehen" , sagt auch Matthias Platzer von der Agentur knallgrau. "Immerhin erkennt man jetzt aber, dass die Inhalte wichtig sind und es nicht reicht, nur auf YouTube oder Flickr dabei zu sein." Genau dieser Fehler sei nämlich im letzten Wahlkampf gemacht worden. Insofern ist das Faymann-Video für ihn durchaus gelungen. Der Kanzler spricht in dem direkt von der SPÖ produzierten Podcast über das Festhalten an "unseren Werten" , soziale Netze, Bildungs- und Gesundheitssysteme, "die sich jeder leisten kann" und über Spekulationsgeschäfte, die künftig hintangehalten werden müssten.

Fußi, der sowohl für die SPÖ als auch die ÖVP und Medien wie der Standard und die Kronen Zeitung arbeitet, rät Parteien, Videobotschaften im Internet vorrangig für die interne Kommunikation einzusetzen. "Da kann man in einer Minute perfekt ein Wording für alle Funktionäre transportieren."
Die Annahme, mit einem Video automatisch Jugendliche ansprechen zu können, sei aber falsch. Und noch eines merkt Fußi an: "Obama funktioniert im Internet, weil er Obama ist. Weder Faymann noch Pröll sind Obama."

Lernen könne man vom US-Präsidenten trotzdem, meint Platzer. Und zwar, dass man den Dialog mit den Anhängern auch nach der Wahl aufrechterhalten müsse.
In Deutschland arbeitet Kanzlerin Angela Merkel längst intensiv im Internet. Sie stellt Videobotschaften ins Netz oder lässt sie an Medien verteilen. Der aus ihrer Sicht angenehme Nebeneffekt dabei: Es kann dabei keine lästigen Fragen von Journalisten geben.

In Österreich boomt derzeit das soziale Netzwerk Facebook. Dieses biete vor allem für Politiker der zweiten und dritten Reihe, die in den klassischen Medien kaum vorkommen, Chancen, sagt Platzer. Dabei gehe es weniger darum, hunderte Freunde anzuwerben. Schließlich könne man auch über Facebook oder Weblogs Inhalte transportieren. Allerdings: "Wenn man es macht, muss man es ernsthaft und längerfristig machen."

Pioniere auf diesem Gebiet waren die Grünen Peter Pilz und Christoph Chorherr. Aber auch der Tiroler Landesrat Christian Switak (ÖVP) ist Facebooker. Er informierte am Donnerstag seine 118 Freunde, wie sehr er sich über den Frühling in den Tiroler Bergen freute. In der Vorwoche nutzte er seine Handy-Applikation, um live aus der Landtagssitzung Bilder ins Internet zu stellen. Er war dann auch unter den Ersten, die Strasser gratuliert haben. Per Facebook-Eintrag, natürlich. (Günther Oswald, Conrad Seidl, Michael Völker/ DER STANDARD-Printausgabe, 3. April 2009)

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19 Postings
Meiner Meinung nach

wird das in der nächsten Zeit ein wichtiger Kanal um die Botschaften los zu werden. Die neuen Generation nutzen das Internet wie keine andere! Also an alle Politiker, ran an Facebook,Netlog&CO

"Obama funktioniert im Internet, weil er Obama ist. Weder Faymann noch Pröll sind Obama"

...na das nenn ich mal eine profunde analyse, bravo her fussi :-)
hat der us-präsident das weltweit exklusive recht als politiker inhalte fürs netz zu produzieren?

nein, er hat profil ...

Im Nachfolger des alten Standard-Chats haben sie sich noch nicht blicken lassen

http://www.fensterbrett.at

Die wissen eben nicht, was hip ist.

ich empfehle österreichischen Politikern

für Ihren Webauftritt folgendes social network zu verwenden:

http://img.4chan.org

Es könnte dann zwar passieren, dass Sie Regierungsmitglied in Australien werden, aber das sind ja nur Details....

ich suche keine,meine freunde sind die grünen.
egal wer jetzt das sagen hat,die themen sind immer die selben,nur modernisiert,was immer man darunter als gegner definiert.

Gäääähn!

Auf XING sind von Karas über die halbe ÖVP viele Politiker zu finden. Der Standard ist sooooo fad, das ist doch Schnee von vorvorgestern.

Bitte aufwachen und aktuellere Information bieten.

das ist ein äpfel-birnen-vergleich

XING ist doch kein Portal mit Breitenwirkung nach Außen...

Da engagiert sich eine Partei erstmals im Inernet und ein Hr. Michael Völker und Rudolf Fußi können dies nur schlecht reden....

Print schreibt über das Internet - das ist immer lustig :-)

Nach einem Tag kann man bei Youtube die Zugriffe ja gar nicht zählen, so halbwegs sinnvolle Daten werden erst am Tag 2 ausgespuckt. Aber was weiß davon ein Print-Opa ...

dieser Rudolf Fußi klingt so,

als ob er sauer wäre, weil seine seltsame Firma nicht am Kuchen mitnaschen darf. Jetzt muss er halt alle anderen anpatzen...

Glaubt der, dass mehr Leute Politikvideos anschauen, wenn sie von webfreetv produziert werden?

Ist auch so. Fussi hat ja früher die SPÖ-Videos gemacht und die waren wirklich grottenschlecht.

politiker die youtube und co als werbemedien nutzen machen sich einfach nur lächerlich. das nimmt mann einem obama ab (weil er obama ist), aber niemals unseren österreichischen hinterwaldpolitikern.

die blogs der grünen mal ausgenommen, die waren von anfang an dabei und wirken authentisch (auch wenn es nicht meine politische linie ist)

also der Blogg vom Chorrherr Chris hat schon Qualität.
und ist immer wieder ganz nett zu lesen.
http://chorherr.twoday.net/

auf studiVZ schon lange bekannt

stefan petzner
laura rudas
HC Strache
...

usw

Laura Rudas (ohhhh Laura!) macht das sehr gut. Ist relativ schwer auseinanderzuhalten, wann sie selbst schreibt oder wann es der Pressemensch ist.

will eigentlich mit...

... keinem von denen freund sein :-((

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