Schwedische Autoren zeigen Internet-Piraten an

02. April 2009 14:25

Henning Mankell und Co. gehen gegen Raubkopierer ihrer Hörbücher vor

Henning Mankell, Per Olov Enquist und andere bekannte schwedische Schriftsteller gehen mit Strafanzeigen gegen Raubkopierer ihrer Hörbücher aus dem Internet vor. Wie die Zeitung "Svenska Dagbladet" am Donnerstag berichtete, setzen Autoren über ihre Verlage damit deutlich verschärfte gesetzliche Regeln um. Sie beantragten bei einem Stockholmer Gericht die Strafverfolgung von Betreibern eines Servers. Von dort konnten 27 Hörbücher 15 bekannter schwedischer Autoren kostenlos heruntergeladen werden.

Neues Gesetz

Zum 1. April ist in Schweden ein Gesetz in Kraft getreten, mit dem Betroffene die Identität von aus ihrer Sicht verdächtigen Computerservern ermitteln können. Internet-Operateure müssen nun die IP-Adressen (Identitätsnummer) von angeschlossenen Computern mitteilen, von denen urheberrechtlich geschütztes Material heruntergeladen werden kann. In bestimmten Fällen soll auch die Identität derjenigen verlangt werden können, die das Material auf ihre Computer herunterladen.

Datenverkehr gesunken

Ein Sprecher des Buchverleger-Verbandes erklärte, man hoffe mit der massiv erhöhten Wahrscheinlichkeit von Strafverfolgung auf eine Verminderung des illegalen Kopierens über das Internet. "Svenska Dagbladet" berichtete, dass der Datenverkehr zwischen schwedischen und internationalen Netzen am Tag des Inkrafttretens der neuen Regeln um 30 Prozent gegenüber dem Vortag gesunken ist. Das als "Ipred- Gesetz" bekannte neue Regelwerk wurde in den Medien breit behandelt.

Urteil gegen Pirate Bay erwartet

Am 17. April wird in Stockholm das Urteil gegen vier Verantwortliche der Internet-Tauschbörse "The Pirate Bay" wegen Verletzung des Urheberrechts erwartet. Pirate Bay bietet die technische Möglichkeit zum kostenlosen Herunterladen von Raubkopien von Filmen, Musik und Computerprogrammen. Der Prozess gilt als international wegweisend. Die Staatsanwaltschaft verlangt je ein Jahr Haft für alle Angeklagten. Nebenkläger fordern zehn Millionen Euro Schadensersatz. Die Verteidigung plädiert auf Freispruch. (APA/dpa)

Kommentar posten
22 Postings
hard pete
08.04.2009 00:36

"dass der Datenverkehr zwischen schwedischen und internationalen Netzen am Tag des Inkrafttretens der neuen Regeln um 30 Prozent gegenüber dem Vortag gesunken ist"

Wie soll das denn gehen? The Pirate Bay verlinkt doch nur die Tracker von Torrents und hat die Server dafür sowieso im Ausland. Ich schliesse daraus, daß die Schweden selber seit dem 1. April aus Angst weniger downloaden.

macindd
06.04.2009 13:12
Dass ausgerechnet die,

deren Werke eh schon in der x-ten Auflage verkauft werden und die nicht schlecht von ihrem Beruf leben, es nötig haben, sich zu beschweren. Den Hals noch immer nicht voll?

Der Boss der Bosse
06.04.2009 17:11
Nein, die können sich die rechtlichen Schritte einfach leisten.

Irgendwelchen Armutschkerl-Schrifstellern ist das eher schwer möglich. Für die wäre eine Klage ein Risiko.

macindd
07.04.2009 15:33
Also gibst Du mir Recht.

Weil sie finanziell die Möglichkeit dazu haben und den Hals nicht vollkriegen können, meinen sie jetzt diejenigen schädigen zu müssen, die sich über ihre Werke informieren wollen.

Wenn man verklagt wird nur weil man mal hineinlesen oder -hören möchte, wird man sich halt für diesen Autor nicht mehr interessieren. Soll der Mankell doch seine Bücher selbst kaufen und in einen Tresor einsperren, wenn es schon so wichtig ist, dass er der Einzige bleibt, der sie kennt. In dem Fall wird er sich allerdings einen Job suchen müssen.

ps: Für die Anderen wäre eine Klage ein Risiko? Warum wohl? Könnte es also sein, dass sie doch nicht so uneingeschränkt im Recht sind wie Du meinst!?

THE MGT.
07.04.2009 16:12

"nur weil man mal hineinlesen oder -hören möchte" Wer soll das glauben? Warum schreiben Sie nicht einfach was Sie tatsächlich meinen, dass Sie Bücher, Musik, Filme usw. halt gratis haben möchten?

Arbeiten Sie selbst eigentlich für ein Entgelt oder stellen Sie Ihre Arbeitskraft gratis zur Verfügung?

Fritz Meyer
02.04.2009 14:40
Der Mankell braucht wohl dringend Geld?

Oder ist er nur seinem übereifrigen Anwalt auf den Leim gekrochen?

Sympathisch macht ihn das schon mal nicht.

Fritz.

Beiddenker
02.04.2009 21:25
Hmm, Sie meinen wohl auch, dass Mankell & Co für SIE gratis ...

... schreiben sollen?

macindd
06.04.2009 13:23
Der schreibt das Buch ja nicht 250.000mal,

sondern nur einmal und dann wird es 250.000fach vervielfältigt. Ab dem Moment, in dem eine gewisse zahlende Fangemeinde sozusagen als existenzsichernder Sockel vorhanden ist von dem er selbst gut lebt, können auch weniger brennend Interessierte sich das Buch kostenlos besorgen. Das tut ihm nicht weh, birgt aber das Potential, dass ein Teil davon es gut findet und einen der nächsten Romane kauft. Bücher kann man außerdem sowieso nicht kopieren: Hörbücher sind für Banausen, Ausdrucke zu teuer und unhandlich und am Bildschirm lesen ist zu anstrengend und unflexibel. Also von der öffentlichen Bibliothek ausleihen (genannt "Raublesen") oder kaufen. Und Fans kaufen wie gesagt sowieso.

Beiddenker
07.04.2009 23:15
OK - Ziehen Sie sich jetzt sagen wir mal 1-2 Jahre zurück ohne ...

... Einkommen, schreiben ein Buch, verkaufen davon sagen wir mal 50.000 Stück. Und dann kommt ein "macindd" daher und meint, Sie könnte ja von der Fangemeinde leben und überhaupt, er - macinnd - als "wenig brennend Interessierter" will sich das Buch kostenlos besorgen.

Ein Buch schreiben, ein Musikstück komponieren, ein Bild malen ist halt etwas anderes als am Fliessband Schrauben drehen.

Und es ist noch immer der Künstler, der über sein geschaffenes Werk bestimmen kann. Und wenn ein Künstler meint, jemand der sein Werk nutzen möchte, soll auch dafür bezahlen, dann ist es so.

Wenn SIE nicht damit einverstanden sind, müssen Sie dieses Werk ja nicht nutzen. SIE haben aber dann kein Anrecht darauf es kostenlos zu nutzen. Punkt.

macindd
20.04.2009 15:25
Wo steht, dass Schriftsteller ohne Einkommen sind,

wenn sie ihre Werke verfassen? Die haben praktisch alle einen Brotberuf, weil es anders garnicht geht - schon vor der digitalen Kopiererei ist es nicht anders gegangen. Also schon die erste Annahme in Deinem Posting stimmt nicht.

Wenn ich von den Verkäufen meiner Bücher gut leben kann ist es mir egal wieviel da noch kopiert wird. Wenn jemand, der meine Bücher noch nicht kennt, sich eines aus dem Netz zieht, kann es sein, dass er so gefesselt von meiner Schreibe ist, dass er sich das nächste kauft. Außerdem ist Lesen von eBooks am Bildschirm scheiss unkomfortabel, weiß ich zufällig aus eigener Erfahrung. Also wird wieder das Buch gekauft.

Außerdem hat man als Schriftsteller ein Anliegen, das man verbreiten will. Das steht über dem Kommerz.

Beiddenker
20.04.2009 21:56
Schauen Sie, das ist Ihre persönliche Meinung wie Sie ...

... als Autor agieren würden (oder auch nicht, daher reden kann man schnell was). Aber es liegt wohl doch beim Werkschaffenden - und NICHT bei Ihnen - wie dieser seine Werke vertreiben will und ob er über dem "Kommerz" stehen will oder nicht.

In jedem Fall ist es noch immer keine Grundlage für das illegale Kopieren.

Fritz Meyer
03.04.2009 07:27
Ich meine, dass mir der Mankell am A**** vorbeigeht.

Samt seiner Literatur.

Der wird sich mit dieser Aktion nur lächerlich machen - aus welchen Gründen auch immer.

Und zu mehr wie einer kindischen Unterstellung langt's bei Dir auch nicht, gell?

Fritz Meyer.

Duskson 81
 
03.04.2009 12:36

Wenns dich sein zeug nicht interessiert, was interessiert dichs ob die Arbeit des Herren gratis ist oder nicht?

Fritz Meyer
05.04.2009 11:28
Na, "Dukson", Brachialopposition oder auch Bezahlbürscherl?

Auf jeden Fall immer den Mund offen, wenn's gegen die "falsche" Meinung geht.

Fritz Meyer.

Beiddenker
07.04.2009 23:18
Duskson hat ...

... eine berechtigte Frage an Sie gestellt auf deren Beantwortung auch ich noch immer gespannt warte.

Duskson 81
 
05.04.2009 12:09

Och der war süß ;).
Nö ich verstehs nur nicht.

Hardrock
04.04.2009 09:23

ich bin zb. in der Musikbranche tätig und zwar im independent bereich... wir als indie musiker freuen uns über jeden einzelnen illegalen download, da er ein gutes indiz für die beliebtheit der einzelnen bands ist... viele downloads = volle häuser .. der CD-Verkauf steht da meist im hintergrund. CD's werden dann eben auf den Konzerten verkauft, da die leute halt doch lieber was in der hand halten.. ebensogut gehen dort dann auch t-shirts (hier schneidet nur die textilindistrie mit *g*).

Das problem liegt hier eher bei den majors, da klar ist, dass man halt dann nicht mehr mit dem privatjet in sein luxus-domizil nach honolulu düsen kann...

Also ich kann trotzdem als "armer" musiker gut davon leben. fahr halt nur nen mittelklassewagen..

Beiddenker
04.04.2009 17:30
Das ist erfreulich für Sie und was ist mit den Komponisten und ...

... Musikern, die nicht live auftreten? - Die dürfen dann gratis arbeiten?

Hardrock
04.04.2009 18:22

komischerweise ist keiner von den mir bekannten komponisten oder studiomusikern verhungert...

und nochdazu musiker die nicht live auftreten tun einem ja sowieso nicht leid.. können ja weiter stubenmusik mit den geschwistern auf der zitter machen..
genauso verhält es sich mit den komponisten...
die braucht jetzt schon keiner ausser die werbebranche oder eventuell in der neuen klassischen musik .. diese waren aber nie von raubkopierern beeinflusst

Es wird sich das ursprüngliche System wieder durchsetzen: texter/arrangeur/musiker/vertrieb aus einer hand (band macht alles selber)

kurz und einfach.. das system der Musikindustrie auf konserve und Masse zu Produzieren ist über kurz oder lang einfach zum scheitern verurteilt..

Beiddenker
04.04.2009 22:12
Hmm, erstaunlich, das Sie als künstlerisch Schaffender so einen ...

... engen (Musik-)Horizont haben. Und weil Sie meinen, dass jede Musik, die nicht live (vom Musikschaffenden) aufgeführt wird, sollen diese Komponisten/Musiker kein Geld mehr verdienen?

Umberto Lenzi
04.04.2009 19:00
Sorry, aber im Artikel geht es nicht um Musiker oder Bands.

Sondern um Schriftsteller.
Die können ihren Lebensunterhalt nicht durch Liveauftritte auffetten und die können auch nicht auf Tour gehen.
Wenn es keine Nachfrage nach deren Büchern gibt - okay, dann sollen sie nichts verdienen, so wie es auch nichtnachgefragte Schauspieler, Maler usw. gibt.
Aber wenn es eine Nachfrage gibt, die jedoch illegal und gratis befriedigt wird, dann muss dem ein Riegel vorgeschoben werden.
Bands treten in Clubs, bei Konzerten und Festivals auf, die nicht gratis sind, wodurch sie etwas einnehmen. Wenn aber das Publikum dort gratis Zugang hätte, gäbe es auch keine Einnahmen und in der Folge auch keine Auftrittsmöglichkeiten mehr. Welche Bands es dann noch gäbe? Jene von reichen Nichtstuern mit Zeit und Geld.

Hardrock
04.04.2009 20:01
bin wohl etwas vom thema abgekommen

ok.. hier meine gedanken zu den Schriftstellern.

Ein Schriftsteller der viel heruntergeladen wird wird höchstwarscheinlich auf viel gekauft.
Hier sehe ich keinen unterschied zu Musikindustrie.

Dh. Gute Texte große Nachfrage, viele Verkäufe
schlechte texte werden auch keine downloads und verkäufe haben.

Ein echter "Bücherwurm" (gilt auch für Musikliebhaber) wird sich das werk aber trotzdem haben da alleine schon ein gut sortiertes Bücherregal mMn. auch ein gewisses Prestige Objekt ist.

Ich für meinen Teil habe zumindest gelernt damit umgehen zu können, dass auch meine Musik kopiert gedownloadet oder ähnliches wird. Mir tut es nicht weh, im gegenteil es freut mich, so weis ich, dass es eine "echte" Nachfrage gibt und keine künstliche

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.