
Erfolgreich mit Schmäh: Filmregisseur Niki List.
Wien - Flashback. Wien ist im Jahr 1982 noch ein verschlafener Ort, an dem die internationalen Strömungen der Jugendkultur vorbeifließen - wäre da nicht jenes Lokal (Insidern noch heute als Bluebox vertraut), in dem verschiedene Protagonisten einer sich gerade formierenden alternativen Szene abhängen. Gemeinsam ist ihnen ein diffuses Gefühl der Orientierungslosigkeit, ein Mangel an Perspektiven, eine Beharrlichkeit, die gerade dadurch zur Verständigung beiträgt, als sie über die Landesgrenzen hinaus wirksam ist.
Der Film heißt Malaria - manchmal wird er auch unter Café Malaria geführt -, mit dem Regiedebütant Niki List der Wiener New-Wave-Generation ein Abbild lieferte und damit auch dem österreichischen Kino einen neuen Horizont aufzeigte. Auf dem Saarbrücker Nachwuchsfestival wurde er dafür mit dem Max-Ophüls-Preis ausgezeichnet.
1986, vier Jahre später, drehte List Müllers Büro, der mit 441.000 Besuchern bis heute der dritterfolgreichste heimische Spielfilm bleiben sollte. Ein Überraschungshit, dem bald das Label des Kultfilms angehängt wurde. Nicht zuletzt durch Musiknummern, die das frivole Geschehen in einem Detektivbüro begleiten - Weil ich so sexy bin und Männer sind wie Marzipan -, grub sich der Film in die kollektive Erinnerung. Mit seinem satirischen Zugriff auf Charakteristika des amerikanischen Kriminalfilms, der mit österreichischem Schmäh aufgepeppt wurde, schuf er einen Prototyp der heimischen Kinokomödie. 2007 wurde der Film im Wiener Metropol auch als Theaterstück aufgeführt.
List, 1956 in Wien geboren, studierte Theaterwissenschaft und absolvierte eine Fotografieausbildung, ehe er an verschiedenen Theaterprojekten mitwirkte. Müllers Büro verhalf ihm als Regisseur zu Engagements in Deutschland und der Schweiz. Allerdings vermochte er mit keiner nachfolgenden Komödie (Sternberg-Shooting Star, Der Schatten des Schreibers, Helden in Tirol, Nick Knatterton), an diesen Erfolg anzuschließen.
Lists Interessen waren jedoch längst nicht auf das leichte Fach beschränkt. In seiner Trilogie über Christian Polster, einen jungen Mann mit Down-Syndrom (Mama lustig?, Muß denken, Mein Boß bin ich), zeigte er sich als engagierter Filmemacher, der seinem Protagonisten auch kreativen Freiraum für Selbstdarstellung ließ. 1992 gründete List die Cult-Filmproduktion. Zuletzt drehte er 2002 das HipHop-Dokudrama Move!, in dem er noch einmal Anschluss an das Leben der Jugend in Wien suchte. Im März wurde ihm der Titel Professor verliehen.
Am Mittwoch ist Niki List im Anschluss an die Eröffnung des Wiener Filmakademie-Festivals in einem Innenstadtlokal aus noch ungeklärter Ursache gestürzt und gestorben. Zahlreiche Politiker und Kollegen reagierten betroffen: List habe den österreichischen Film "wieder in das öffentliche Bewusstsein gerückt" , würdigte ihn etwa Kulturministerin Claudia Schmied. (Dominik Kamalzadeh / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 3.4.2009, red)
In memoriam zeigt ORF 2 am 4. April, 22.50 Uhr, "Müllers Büro".
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Und heute sind die Stars von damals saturiert oder tod.
Ich erkläre: Niki R.I.P. obwohl ich damals das Buch so sträflich vernachlässigte - blöd aber auch!
Der Unterschied zwischen Ihnen und dem Niki ist, daß er Filme tatsächlich gemacht hat (ob gut oder schlecht, er hat gemacht).
Und das Filme machen ist, v.A. in Österreich, ein wirklich schwieriger Prozess. Allemal mehr Arbeit als ein dummes Posting.
Und am Fime machen war er kontinuierlich dran. Nicht umsonst war er an seinem Sterbetag beim Filmakademiefestival.
Wo waren Sie da grad?
In diesem Sinne,
wirklich traurig...
Das groesste Problem von Österreich ist, das jemand erst dann gebührend anerkennt und hochgelebt wird wenn er von uns gegangen ist.
Schade für die österreichiches Filmszene.
Der ORF wird prompt reagieren und Filme von List zeigen, leider erst jetzt nach seinem Ableben.
Aber so sind ma halt wir Österreicher
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