VIP-Aufmarsch in der trostlosesten Ecke der Stadt

2. April 2009, 19:31
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    foto: epa

    Gedenkminute für einen Demonstranten, der am Mittwochabend kollabiert und gestorben ist.

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    foto: ap/matt dunham

    Polizisten durchstreifen das Gelände in der Nähe des Kongresszentrums auf der Suche nach Sprengsätzen.

Ein Toter bei Protesten gegen den G20-Gipfel - Laut Augenzeugen kein Fremdverschulden - Rund 90 Festnahmen

So viele "very important persons" (VIPs) hat das East End in London noch nicht gesehen. Tausende haben teilweise gewalttätig protestiert - die angekündigte Revolution blieb aus. Ein Mann kollabierte und starb.

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Das Londoner East End dient seit Jahrhunderten als Sammelplatz für hoffnungsvolle Neuankömmlinge und hoffnungslos Gestrandete. Unten an den Docks, wo einst der Handel der Empire-Metropole tobte, liegt nun das gewaltige Kongress-Zentrum ExCel, wo sich gestern früh die mehr oder weniger hoffnungsvollen Teilnehmer des G-20-Gipfels versammelten.

Hätten Obama, Hu, Medwedew und Co zwischendurch Zeit für einen Spaziergang gehabt, sie hätten eine der trostlosesten Ecken der britischen Hauptstadt erlebt. Canning Town liegt im Stadtteil Newham, der zu den ärmsten Regionen Westeuropas zählt. Wegen der hohen Erwerbslosigkeit blüht die Schattenwirtschaft, die durchschnittliche Lebenserwartung ist um 15 Jahre geringer als im feinen Westen der Stadt, wo die Gipfel-Teilnehmer die Nacht verbrachten.

Straßensperren

Das Arbeitsfrühstück sei "die letzte Gelegenheit" für Änderungen am gemeinsamen Communiqué, hieß es zuvor aus Delegationskreisen. Wenn das stimmt, kann das Interesse Frankreichs und Italiens nicht sonderlich groß gewesen sein, in letzter Minute ihr Gewicht in die Waagschale zu werfen. Nicolas Sarkozy und Silvio Berlusconi tauchten gegen acht Uhr als allerletzte zur Begrüßung durch Gastgeber Gordon Brown auf.

Da hatten hunderte von eifrigen Journalisten schon eine Odyssee durchs East End hinter sich, geleitet von der bekannten britischen Effizienz. Wer zu früh kam, der wurde bestraft durch zahlreiche Straßensperren und Busfahrer, die den ordentlich ausgeschilderten einzigen Zufahrtsweg zum riesigen Kongresszentrum nicht finden konnten. Wer später eintrudelte, dem verweigerte die Vorortbahn ohne Begründung den Dienst; dafür gelang die Akkreditierung plötzlich binnen weniger Minuten.

In einem Camp von Demonstranten ist unweit der Bank von England ein Mann auf der Straße kollabiert und gestorben. Einem Augenzeugen zufolge lag kein Fremdverschulden vor. Die teilweise gewalttätigen Demonstrationen ebbten nach und nach ab. An der Londoner Börse, von deren Lahmlegung die Demonstranten geträumt hatten, konnten die Spekulanten ungestört den Aktienkurs in die Höhe treiben, während sich vor dem Gebäude rund 50 Aktivisten mit einem großen Monopoly-Spiel vergnügten.

Sprechchöre

Ein Klima-Camp bei der nahegelegenen Klima-Börse hatte die Polizei Mittwochabend ohne Zwischenfälle aufgelöst; insgesamt kam es bei den Protesten im Herzen Londons zu 88 Festnahmen.

Am Donnerstag hingegen versammelten sich vor dem Kongresszentrum selbst rund 500 friedfertige Demonstranten, die gegen die Kriegseinsätze Großbritanniens und der USA im Irak und in Afghanistan protestierten. Ihre Sprechchöre und Gesänge hörten nur jene Gipfelteilnehmer, die der bleiernen Atmosphäre des Kongresszentrums für einen kurzen Blick auf das Hafenbecken und die Frühlingssonne entkamen.

Immerhin sorgten die britischen Gastgeber auch im Kongresszentrum für Spannung. Sollten alle Hedgefonds unter Kuratel genommen werden oder doch nur "System-relevante"? Handelte es sich bei der Finanzkrise um eine "Schwäche" oder ein "Versagen" des Marktes? Sollten notleidenden Staaten 150 oder 250 Mrd. Dollar Handelskredite gewährt werden?

Auch bei der Frage einer schwarzen Liste für Steueroasen hakte es lang. Am Ende verkündeten die Briten einen typischen Gipfelkompromiss: Die Liste werde "zu gegebener Zeit" veröffentlicht. (Sebastian Borger aus London/DER STANDARD, Printausgabe, 3.4.2009)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 26
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Apoc
01
Borger hat seine Gesinnung schon offen gelegt, dem glaube ich kein Wort!

wireless
60
blinde wut

"Nach Angaben der Polizei waren die Beamten dazu gezwungen, den Mann wegzutragen, weil Demonstranten Flaschen nach ihm geworfen hätten."

Wie dumm muss man sein? Oder besser gesagt wie blind vor Wut? (is schon klar das die demonstranten wahrscheinlich einfach auf die polizisten die bei ihm in der nähe waren, flaschen warfen)
zeigt trotzdem das unter den (oftmals stark alkoholisierten) "kampfdemonstranten" absolut keine vernunft mehr vorherrscht!

...denn die Öffentlichkeit vergisst so schnell!
02
alles konzernmedienpropaganda

- es gibt schon zeugen für eine mitschuld der polizei
- es gibt schon zeugen und videoaufnahmen das es eben KEINE flaschenwürfe gab,usw...

zB.: http://www.heise.de/tp/blogs/8/135885

Johanna Holmes
43
Hat alles seine Ordnung

in der Berichterstattung des Standard:

* Die Demonstranten rufen nach "sauberem Kapitalismus"

* Der Mann ist ganz von selbst getorben, die Polizisten haben den zusammengebrochenen Mann sogar noch vor Flaschenwürfen gerettet

super1
02
News aus dem Pressezentrum

* Demonstranten stürmen Kindergarten und fressen unschuldige Kinder

* Anarchisten verspekulieren aus Zerstörungssucht Milliarden in öffentlichen Toiletten, Londoner Stadtreinigung machtlos

* Anti-Globalisierer fordern ausweitung der Sahara-Zone, Scotland Yard verhindert in letzter Sekunde

alte frau
48

hat die polizei ihn ermordert?

Papiertiger
91
haben ihn die demonstranten ermordet?

Shiraneko
99
Der Linksextremismus in Aktion....

...super. Da sieht man, was man hat. Vor allem, dass auf helfende Polizisten mit Flaschen geworfen wurde ist eine Frechheit.

mac.intosh
02
ihren post nach dem guardian video zu lesen ist schon sehr amüsant

...denn die Öffentlichkeit vergisst so schnell!
00

...normalerweise ist man ja gewohnt das so eine 'displinizierung von randalieren' erfolgt!

Wahl 09
21

aber es ist doch für einen "guten" zweck...

Kelborn
27

1. nicht alles glauben, was in der Zeitung steht (auch nicht wenns derstandard von der apa abschreibt).
2. Medien manipulieren gerne und versuchen das auch mit ihnen. Manchmal subtiler manchmal weniger (manchmal auch garnicht). Beispiel Genua-Krawalle hat gezeigt, dass sich bei solchen Sachen die Medien auf offizielle Mitteilungen verlassen. Diese sind aber nicht immer richtig oder sogar bewusst falsch (z.B. Genua).
3. Man kann sich also nie wirklich sicher sein. Außer man war dabei und hat alles gesehen. Für Verurteilungen der einen oder anderen Seite ist es daher noch viel zu früh.

tohuwabohu
02

ich war (zwar unbeabsichtigt, aber dennoch) anwesend.

es ist zutreffend, dass die polizei mit dreck und sogar flaschen beworfen wurde.

es ist auch zutreffend, dass die polizei zivilbevoelkerung (auch touristen, passante, etc) stundenlang eingekesselt und von wasser, nahrung und sanitaeren einrichtungen abgeschnitten hat. auch personen mit kindern, dies wurde allerdings spaeter aufgehoben. toiletten wurden erst gegen abend bereitgestellt.

Blind Peoples Porn
00
danke

vielen dank für die info quasi live!
aber wie kann man in eine riesen demo unabsichtlich gelangen, wie sie schreiben?

tohuwabohu
00

durch den bereich der demo durchgehen wollen und das bloederweise gerade zu dem zeitpunkt, zu dem die polizei alles absperrte und niemanden mehr rausliess...pech gehabt quasi.

Erich_1
15

nur das glauben, was man glauben will.

Die Polizei war nicht schuld: nicht glauben.
Demonstranten hätten sie beworfen: nicht glauben.
Er ist ein Held!: glauben.
Der Polizeistaat ist schuld: glauben.

cybercon
 
32
Man sieht, wohin es führen kann,

wenn man sich mit dem ausgerasteten Mob einlässt.

FabulousX
33
Da zeigt sich das wahre Gesicht dieser Leute

und dass es ihnen primär um Randale geht. Ein Demonstrant liegt bewusstlos am Boden und die zur Hilfe eilenden Einsatzkräfte werden mit Flaschen und Steinen beworfen.

Michail Bakunin
02

the guardian:

"There were a couple of people throwing bottles in that general direction," said Jackson. "But they were told to stop doing that by the crowd. In fact, some people in the crowd threatened to kill them if they did anything to disrupt the treatment."

super1
11

nach letzten meldungen war sogar nekrophilie im spiel!

Michail Bakunin
37

...weil "diese Leute" ja alle einheitlich sind, das selbe denken, das selbe machen, die selbe Motivation haben. Klar ist sowas völlig daneben - es gibt aber auch genügend "dieser Leute", die bei sowas dazwischen gehen.

By the way: In Deutschland haben PolizistInnen bereits SanitäterInnen angegriffen, die Verletzte verarzten wollten - das ist dann nochmals absurder. Vor allem von den Castortransporten gibt es entsprechende Berichte von SanitäterInnen.

devil devil
10

VerletztInnen, wenn schon.

Shiraneko
20
Die werden...

...schon viel gemeinsam haben, wenn sie zur Solidarität aufrufen und gemeinsam für eine Sache Demonstrieren gehen.

Bei dem Weg: Die InninnenInnung besInnt sich, sie man/frau zu beglückwunschen.

Wahl 09
30

eines haben diese leute tatsächlich gemeinsam: sie finden sozialismus geil

Michail Bakunin
01

Sind Sie da sicher? Die trotzkistische Socialist Workers Party und die AnarchistInnen verstehen unter "Sozialismus" mit Sicherheit etwas unterschiedliches. Eine Menge andere DemonstrantInnen werden wiederum von Sozialismus gar nix wissen wollen, weil´s Ihnen um die Rettung der Waale oder sonstwas geht. Bei großen Demonstrationen kommen nunmal verschieden Meinungen zusammen. Mir wäre ja auch lieber, wenn sich alle Protestierenden für den anarchistischen Kommunismus einsetzen würden...

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