Spinat: Kraftspender ohne Eisen?

Regina Philipp
2. April 2009, 19:46
  • Spinat ist eine krautige Pflanze mit einer Lebensdauer von nur einem Jahr.
    foto: reuters/jonathan ernst

    Spinat ist eine krautige Pflanze mit einer Lebensdauer von nur einem Jahr.

Seinen Ruf als herausragender Eisenspender hat der Spinat verloren - Vitamine, Ballaststoffe und Saponine rechtfertigen aber den regelmäßigen Genuss

Ein kleiner Denkfehler hat Spinat über Jahrzehnte zum größten Energielieferanten auf dem Ernährungssektor gemacht. Gustav von Bunge ist er angeblich unterlaufen. Der deutsch-baltische Physiologe hat im Jahr 1890 in hundert Gramm Spinat 35 mg Eisen gefunden und dabei einen wesentlichen Punkt übersehen: Das Ergebnis seiner Analyse bezog sich auf Spinat in getrockneter Form. Da das frische Blattgemüse aber zu 90 Prozent nur aus Wasser besteht, ist der Eisengehalt im Spinat in Wahrheit um ein Vielfaches geringer.

Steroidhormone mit anaboler Potenz

Wenn nicht dem blutbildendem Eisen, welchem Anabolikum im Spinat hatte der berühmte Comichelden Popeye seine unglaubliche Muskelkraft zu verdanken? Phytoecdysteroide - wäre eine plausible Antwort, hätte der amerikanische Zeichner Elzie Segar (1894-1938), als er 1932 ein kräfteförderndes Mittel für seinen Matrosen erfand, von der Existenz dieser Steroidhormone gewusst.

Wissenschafter der Rutgers University im US-Bundesstaat New Jersey haben jedoch erst 2008 Phytoecdysteroide aus dem Spinat extrahiert und deren anabole Wirkung anschließend auch gleich bewiesen. Sie fütterten Laborratten täglich mit einer Portion Spinat und konnten dabei beobachten, dass die Tiere nach nur einem Monat deutlich mehr Muskelkraft in ihren Vorderpfoten besaßen. Unter dem Mikroskop zeigte sich dieser Muskelaufbau bestätigt: Mit Hilfe des Spinatextrakts gelang es den Forschern in gezüchtete Muskelzellen von Mäusen und Menschen die Eiweißproduktion um 20% anzukurbeln. Für das Wachstum von Muskelzellen gelten Proteine im übrigen als unersetzbares Baumaterial.

Kein Dopingeffekt mit Spinat

Sportliche Spitzenerfolge vermag mit dem „Spinatdoping" allein allerdings niemand zu leisten. Denn der Mensch müsste täglich mindestens ein Kilogramm frischen Spinat vertilgen um zu vergleichbaren Kräften wie die erwähnten Versuchstiere zu gelangen.

Vielleicht ist Spinat nicht der führende Energie- oder Kraftspender in einer gesunden Küche, dank seiner vielen Nährstoffe hat er jedoch einiges mehr anzubieten. Ballaststoffe, zahlreiche Vitamine, Mineralstoffe und Saponine sind in dem kalorienarmen Blattgemüse enthalten. Ihre krebsvorbeugende und immunstärkende Wirkung ist mittlerweile bekannt und ein regelmäßiger Konsum wird von Ernährungsmedizinern nicht zuletzt deshalb auch gerne empfohlen.

Erwärmen erlaubt?

Was das Aufwärmen betrifft: Bei langsamer Abkühlung werden harmlose Nitrate im Spinat von Bakterien zu gefährlichen Nitriten umgewandelt. Nitrite sind giftig und bilden bei höheren Temperaturen mit Eiweißbestandteilen der Nahrung krebserregende Nitrosamine.

Bei rascher Abkühlung durch sofortiges Kaltstellen im Kühlschrank, darf gekochter Spinat auch nach Wiedererwärmung ohne Bedenken genossen werden. (Regina Philipp, derStandard.at, 02.04.2009)

 

Link zur Studie:

http://www.newscientist.com/

 

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11 Postings

Rechtfertigt auch der Oxalsäuregehalt den regelmäßigen Genuss? Was heißt überhaupt "regelmäßig", wenn es schon von "Experten" empfohlen wird? Bitte genauer!

also ich lasse ihn grad abkühlen, den spinat - mahlzeit

Bullshit

"Bei langsamer Abkühlung werden harmlose Nitrate im Spinat von Bakterien zu gefährlichen Nitriten umgewandelt."

In soeben gekochtem Spinat gibt es so gut wie keine lebenden Bakterien. Die Erklärung ergibt keinen Sinn.

die ergebnisse des gustav von bunge waren völlig korrekt (sowohl was messung als auch berechnung anlangt) und auch richtig widergegeben. seine ergebnisse wurden nur später völlig falsch interpretiert, weil offensichtlich niemand seine arbeit genau gelesen hatte.

wegen dem eisen

ess ich ihn nicht hab davon in der arbeit genug :-)

Genitiv mit "wegen", mein Herr!

z'weg'n an wegen

schon lange mit dem 3. Fall auch gängig und erlaubt

Für einen Nicht-Fehler braucht man sich nicht entschuldigen.

ich könnt fast jeden tag spinat essen - weil er einfach so gut schmeckt. in jeder variation, auch langsam abgekühlter spinatstrudel. ich glaub ja nicht, daß der schädlich ist, und wenn, wär es den genuß auch wert.

bei lebensmitteln inhaltsstoffe bezogen auf die trockenmasse anzugeben ist ja sehr verbreitet, aber immer irreführend, außer man gibt auch den anteil der trockenmasse am eßfertigen produkt an.
ich würde mir wünschen, daß nicht nur bei spinat sondern auch bei allen anderen produkten auf den tatsächlichen gehalt hingewiesen wird, zb fett in aufstrichen, käse, diätprodukten..., denn letztlich zählt ja, wie viel man davon ißt und nicht die relation zu den anderen inhaltsstoffen (wenn das wasser dabei nicht berücksichtigt wird).

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