Schönste Frau der Welt hat sich auf US-Marinestützpunkt offensichtlich gut amüsiert
"Es war so lustig", schrieb Dayana Mendoza auf ihrem Blog von ihrem Aufenthalt in der Bucht von Guantánamo. "Wir besuchten die Gefangenenlager, und wir sahen die Gefängnisse, wo sie duschen, wie sie sich entspannen, mit Filmen, Kunststunden und Büchern." Auch die Wachhunde hätten ihr Können vorgezeigt. Der Ort war so "ruhig und schön", dass Mendoza gar nicht mehr wegwollte.
Wohlmeinende könnten der 22-Jährigen nun eine besondere Form des Zynismus unterstellen, ist doch Guantánamo das Symbol für den Verlust an Rechtsstaatlichkeit, für Folter und die brachiale Antiterrorpolitik der Ära Bush. Doch Mendozas Schwärmereien über das vermeintliche Urlaubsparadies waren ernst gemeint - und führten weltweit in Foren, Blogs und Online-Medien zu Entrüstung. Für die Menschenrechtlerin Cori Crider, die bei Mendozas Visite gerade in Guantánamo war, war der Besuch des Models das "letzte surreale Kapitel" in der Geschichte des Gefangenenlagers.
Mendoza ist auch vorher nicht durch tiefschürfende Analysen aufgefallen; nachdem sie 2008 zur Miss Universe gewählt worden war, hatte sie gesagt: "Männer denken, dass der schnellste Weg zu einem bestimmten Punkt der gerade Weg ist, Frauen aber wissen, dass es schneller ist, den Kurven zu folgen." Es gibt sicher noch mehr Beispiele, die zeigen könnten, das Frau Mendoza über wenig Bildung verfügt. Das kann komisch finden, wer will. Ein Grund für den weltweiten Spott ist aber wohl auch, dass Mendoza ganz und gar das Klischee vom schönen, aber dummen Model bestätigt.
Die Venezolanerin Mendoza arbeitet schon seit ihrem 15. Lebensjahr als Mannequin. In Venezuela sind Schönheitswettbewerbe eine nationale Obsession, sie finden schon in Kindergärten und sogar in Frauengefängnissen statt. Als Mendoza im Juli des Vorjahres Miss Universe wurde, triumphierte das Land mit ihr. Da hatte sie längst gelernt, immer zu lächeln und mager zu bleiben. Mendoza wollte Model werden, weil sie die Welt sehen wollte. Das hat sie auch getan. Sie war in Russland, Singapur und Tschechien. Gelächelt hat sie nun auch in Kuba.
Am US-Stützpunkt Guantánamo sollte sie amerikanische Soldaten aufheitern, so wie es früher Marlene Dietrich oder Marilyn Monroe taten. Pikant ist, dass gerade eine Venezolanerin mit den GIs posierte. Venezuelas Präsident Hugo Chávez fordert seit langem die Rückgabe von Guantánamo Bay an Kuba und will nun sogar ehemalige Häftlinge aufnehmen. (Adelheid Wölfl/DER STANDARD, Printausgabe, 4./5.4.2009)