Kohl belastet Matschiner schwer

31. März 2009, 19:56
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Früherer Manager soll dem Ex-Radprofi EPO, Wachstumshormone, Insulin und Testosteron besorgt und Blutdoping durchgeführt haben

Wien - Nach der Triathletin Lisa Hütthaler hat auch der für zwei Jahre gesperrte Radrennfahrer Bernhard Kohl seinen ehemaligen Manager Stefan Matschiner öffentlich schwer belastet. In einer Pressekonferenz in Wien erklärte der Niederösterreicher am frühen Dienstagabend dass er seit seinem ersten Kontakt mit Matschiner im Jahr 2005 dopt. Matschiner hätte ihm EPO, Wachstumshormone, Insulin und Testosteron besorgt und Blutdoping durchgeführt.

Kunde von Humanplasma

Kohl gab zudem an, Kunde von Humanplasma gewesen zu sein. Er sei mit Matschiner dreimal in der Wiener Plasmapherese-Station im 9. Bezirk gewesen und hätte dort Blutdoping betrieben. Allerdings stets vor August des Vorjahres, also vor Inkrafttreten des Anti-Doping-Gesetzes. Der Ex-Radprofi ist übrigens der erste Sportler, der zugegeben hat, Humanplasma-Kunde gewesen zu sein. In Summe habe er rund 50.000 Euro für die Dienste seines Ex-Managers gezahlt.

Matschiner war am Dienstag nach seiner Rückkehr aus Amerika von Ermittlern der "SoKo Doping" verhaftet worden. Der Anwalt Matschiners hatte am Dienstagnachmittag noch erklärt, sein Mandant habe keine Dopingpräparate wie EPO und dergleichen an Hütthaler und Kohl weitergegeben, räumte aber ein, dass er bei Bluttransfers für Kohl beteiligt gewesen sei.

Mit seinen schweren Anschuldigungen gegen seinen Ex-Manager ist auch wieder die Wiener Plasmapherese-Station "Humanplasma" in die Schlagzeilen geraten. Die Firma Humanplasma war im Jänner 2008 erstmals im Zusammenhang mit Doping in Medien aufgetaucht. Ein Verfahren gegen zwei Ärzte ist von der Staatsanwaltschaft Wien aber am 24. März aus rechtlichen Gründen eingestellt worden.

Der Vorwurf lautete: In den Räumlichkeiten von Humanplasma soll mehreren höchst prominenten Sportlern Blut entnommen und nach entsprechenden Vorgaben aufbereitet worden sein. Die Staatsanwaltschaft Wien hatte seit Mitte Jänner daher gegen einen Wiener Transfusionsmediziner, der als Konsulent für Humanplasma tätig war, und einen Oberarzt, der gemeinsam mit diesem eine Blutbank betrieben haben soll, wegen möglicher Vergehen gegen das Arzneimittelgesetz ermittelt.

Den Ärzten kam zugute, dass sie nicht nach dem am 1. August 2008 in Kraft getretenen Anti-Doping-Gesetz belangt werden konnten, weil sie ihre möglichen Verfehlungen vor diesem Zeitpunkt gesetzt hatten. Eine Rückwirkung ist bei Strafgesetzen grundsätzlich nicht vorgesehen, so dass das Verhalten der Mediziner lediglich nach dem Arzneimittelgesetz zu prüfen war. Die nunmehrige Rechtslage enthält demgegenüber mit dem Paragraf 22 im Anti-Doping-Gesetz eine Bestimmung, die auch Blutdoping und nicht bloß jene Formen von Doping, bei denen Arzneimittel zur Anwendung gelangen, explizit unter Strafe stellt. (APA/red)

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    Bernhard Kohl packt im Café Landtmann aus.

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