Jugendkultur in der Industriezone

31. März 2009, 19:22
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Bis Anfang 2010 soll in einer ehemaligen Zuckerl-Fabrik eines der größten Jugendkulturzentren Österreichs entstehen: Proberäume, Café und Konzerthalle

Graz - Es gibt wenige Jugendliche - oder solche, die schon in den 80ern oder 90ern jung waren - in Graz, die noch nie bei einem Konzert im "Explosiv" waren. Das 1988 gegründete Jugendzentrum befand sich bis 2006 relativ zentral in der Grazer Lagergasse neben dem Volkshaus. Bis man sich im Nordwesten am Stadtrand niederließ.

In einem Jugendstilgebäude, das einst Papierlager, dann Kutschenfuhrpark und später Produktionsstätte einer Zuckerl-Fabrik war, soll nun bis Anfang 2010 eines der größten Jugendkulturzentren Österreichs entstehen.

Für die Proberäume, ein Café, Räume für Workshops und Studios auf rund 1000 Quadratmetern und eine neue Konzerthalle mit 400 Quadratmetern fanden sich Jugendlandesrätin Bettina Vollath und Kulturstadtrat Wolfgang Riedler (beide SP) zu einem finanziellen Kraftakt zusammen, den sie am Dienstag vor Ort in Zahlen gossen.

Aus Vollaths Ressort fließen 460.000 Euro ins neue Explosiv, Riedler sicherte insgesamt 290.000 Euro, wobei der rote Stadtrat betont, dass es "große Unterstützung" von den Grazer Grünen gab, um Zusatzförderungen zu lukrieren. Das sei aber erst der Anfang, so Riedler, denn auch laufende Betriebskosten wie Miete werden gefördert. Veranstaltungen "werden wir aber weiterhin durch die Einnahmen im Kartenverkauf selbst finanzieren", erklärt Explosiv-Leiter René Molnar.

Leitprojekt und Fliesenkunst

"Für mich ist das eines der kulturpolitischen Leitprojekte der Stadt", so Riedler. Auf der Baustelle am Bahnhofsgürtel legen inzwischen schon 70 Jugendliche selbst Hand bei der Renovierung an, während einige Bands in halbfertigen Räumen bereits proben. Nur Wasser- und Heizungsarbeiten überließ man den Profis. Die Gestaltung aller WC-Anlagen war übrigens Anlass für einen "Fliesenworkshop", so Molnar. Jedes Örtchen bekommt sein eigenes Thema, ein Damenklo im Parterre ziert etwa ein "Yellow Submarine", vor dem Hundertwasser-Sanitäranlagen verblassen.

Die Konzerthalle, die an das alte Gebäude andockt, plant Architekt Jenö Molnar, der Vater von René Molnar. "Lärmbelästigung ist kein Thema", freut sich Molnar jun., "wir befinden uns in der Industriezone zwei". Was allerdings vor allem bei Konzerten noch zum Thema werden könnte: Ohne Auto erreicht man das Explosiv nur schwer. Vielleicht ein Anlass für eine weitere GVB-Nachtbus-Linie. (Colette M. Schmidt, DER STANDARD - Printausgabe, 1. April 2009)

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