Perpetuum mobile

31. März 2009, 19:00
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Der Sport könnte schaffen, was in der Physik nicht möglich ist - von Benno Zelsacher

Schön, dass am Mittwochheute wieder Österreichs auserwählte Kicker auf den Plan treten. Die stehen wenigstens nicht unter dem Generalverdacht des Dopings, was sie aber nicht davor feit, nach dem WM-Qualifikationsspiel gegen Rumänien zur Kontrolle gebeten zu werden. Die „Soko Doping" hat andere Sorgen und Kunden.

Die Schuld daran, dass die Elitefußballer nicht verdächtigt werden, trägt freilich nicht nur der mangelnde Erfolg, sondern die Komplexität der Sportart, in der Ausdauer und Kraft nur zwei von vielen Komponenten (Ball, Taktik, Zufall, Schiedsrichter etc.) des Erfolgs sind. Naturgemäß sieht das beim Radeln oder beim Skilanglaufen, beim Sprinten oder beim Dauerlaufen anders aus. Sicher ist, dass gegenwärtig ausgeklügelter gedopt wird, weil besser kontrolliert wird als je zuvor. Manche Leichtathletik-Weltrekorde bestehen seit Jahrzehnten. Es ist auch schon wieder eine Zeit her, als es erstmals Forderungen gab, sämtliche Rekorde zu löschen und das lukrative Halali auf diese neu zu starten.

Abgesehen davon, dass eine pauschale Verurteilung unzulässig ist, müsste man in diesem Spiel, in dem Österreich trotz des möglicherweise echt tollen Dopingnetzwerks nicht einmal Außenseiter ist, alle paar Jahre wieder zurück zum Start. Immerhin würde der Sport damit schaffen, was in der Physik nicht möglich ist: ein Perpetuum mobile. Also eine Konstruktion, die, einmal in Gang gesetzt, keine Energie von außen braucht, um in Bewegung zu bleiben. Und was ist gesünder als Bewegung? (Benno Zelsacher, DER STANDARD, Printausgabe, Mittwoch, 1. April 2009)

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