Berlusconis Sekretär soll Staatssender Rai führen

31. März 2009, 17:31
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Linker Leitartikler wird Präsident des Aufsichtsrats

Bis Jahresende soll entschieden sein, wer künftig den ORF führt. Italien ist einen Schritt weiter: Der Verwaltungsrat der Gebührenanstalt Rai ernannte den 66-jährigen Journalisten Paolo Garimberti zum neuen Präsidenten des Aufsichtsrats. Das Rechtsbündnis von Ministerpräsident Silvio Berlusconi akzeptiere den Leitartikler der linken Tageszeitung "La Repubblica". Operativer Direktor soll allerdings Berlusconis Sekretär im Ministerratspräsidium werden.

Der Posten des Rai-Präsidenten steht traditionsgemäß der Opposition zu. Die Regierungsmehrheit im Verwaltungsrat muss den Kandidaten akzeptieren. Garimberti verfügt als ehemaliger Chefredakteur von Rai 2 über betriebsinterne Erfahrung.
Die operative Führung beansprucht Berlusconi. Als Rai-Direktor wünscht er sich seinen Sekretär im Ministerratspräsidium, Mauro Masi. Als Favorit für das Amt des Chefredakteurs von Rai 1 gilt Maurizio Belpietro, ein militanter Anhänger Berlusconis, der jahrelang dessen Tageszeitung Il Giornale leitete.

TV-Chefredakteur räumt Feld

Der bisherige Chefredakteur von Rai 1, Gianni Riotta, hat das Feld am Montag geräumt. Der 55-jährige übernimmt die Leitung von Italiens wichtigster Wirtschaftszeitung Il Sole 20 Ore. Deren bisheriger Chef Ferruccio De Bortoli wird neuer Chefredakteur des Corriere della Sera. Bortoli (54) war ebenfalls als Rai-Präsident im Gespräch, lehnte den Job beim Staatsfernsehen aber ab.

Der bisherige Corriere-Chef Paolo Mieli wurde entlassen. Einige der Aktionäre bemängelten Auflagenschwund und den politischen Kurs des Corriere, der keinem politischen Lager zuzurechnen ist. Zu den Aktionären der Mailänder Zeitung gehören Großunternehmen wie Mediobanca, Fiat, Generali und Pirelli. (Gerhard Mumelter aus Rom, DER STANDARD; Printausgabe, 1.4.2009)

 

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