Clinton für Versöhnung mit gemäßigten Taliban

31. März 2009, 21:10
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US-Außenministerin für "ehrenvolle Form der Versöhnung" - Bedingung: der Gewalt abschwören und mit Al-Kaida brechen

Auf einer Konferenz in Den Haag schworen die USA die internationale Gemeinschaft auf ihre neue Afghanistan-Strategie ein. Außenministerin Hillary Clinton will gemäßigte Taliban-Kämpfer rehabilitieren.

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"Geduld ist bitter, aber ihre Frucht ist süß." US-Außenministerin Hillary Clinton zitierte ein afghanisches Sprichwort, um ihren Apell für neue Anstrengungen der Staatengemeinschaft zur Stabilisierung des zentralasiatischen Landes zu unterstreichen. Clintons Appell blieb am Ende der Afghanistan-Tagung am Dienstag in Den Haag nicht ungehört. Einhellig haben die Vertreter von mehr als 70 Ländern die vergangenen Freitag von US-Präsident Barrack Obama vorgestellte neue Afghanistan-Strategie übernommen.
Die in Den Haag angenommene Strategie kombiniert die Verbesserung der Sicherheit im viertärmsten Land der Welt mit dem Willen, massiv in den Aufbau staatlicher Strukturen und in die wirtschaftliche Entwicklung zu investieren. Die Konferenz stellte sich zudem hinter amerikanische Pläne, die gegen die Taliban gerichteten Einsätze in Pakistan auszudehnen.

Für die Umsetzung dieser umfassenderen Strategie sind zusätzliche Truppen und Geldmittel notwendig. 1,5 Milliarden Euro will Nato-Generalsekretär Jaap de Hoop Scheffer für die afghanische Armee und Polizei zusammenbringen. Ob die europäischen Nato-Länder bereit sein werden, zusätzliches Militärpersonal nach Afghanistan zu entsenden, wird sich erst kommende Woche beim Nato-Gipfel in Strassburg und Kehl zeigen, denn bei dem Treffen in Den Haag wurden keine konkreten Zusagen gemacht.

Angebot an die Taliban

Zum ersten Mal seit Beginn der Militärintervention in Afghanistan haben die USA aber gemäßigten Talibankräften ein Angebot gemacht, den bewaffneten Kampf aufzugeben. "Jene, die sich aus Verzweiflung den Taliban angeschlossen haben, sollten eine Chance für eine ehrenvolle Reintegration in die Gesellschaft haben," forderte Außenministerin Clinton.

Als besonders ermutigend wurde in Den Haag auch die Haltung des Iran bewertet. Der stellvertretende iranische Außenminister Mohammad Mehdi Akhoundzadeh hat nicht nur die neue Strategie gelobt, sondern auch die Kooperation seines Landes beim Kampf gegen den internationalen Drogenhandel angeboten.
Akhoundzadehs Kritik, dass "die Anwesenheit ausländischer Truppen dem Land nicht gut getan hat" und dass der Iran gegen die Entsendung neuer Truppen sei, hat in Den Haag niemanden irritiert.

Wichtiger wäre das "herzliche Gespräch" gewesen, das der US-Afghanistanbeauftragte Richard Holbrooke am Rande des Treffens mit Akhoundzadeh hatte. Clinton bezeichnete das Gespräch als "vielversprechend" , auch wenn nach Angaben der Außenministerin keine konkreten Themen besprochen wurden.

Österreich, auf der Konferenz durch den Generalsekretär des Außenministeriums, Johannes Kyrle, und Botschafter Bernhard Zimburg vertreten, will sich künftig vor allem bei der Ausbildung der afghanischen Polizei und Justiz engagieren. (Barbara Hoheneder aus Den Haag/DER STANDARD, Printausgabe, 1.4.2009)

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    Hillary Clinton will gemäßigte von radikalen Taliban trennen

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