Haben-Konto für sozial Schwache

31. März 2009, 14:41
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Konto ohne Überziehungsrahmen und Bankomatkarte für 13,5 Euro im Quartal

Wien - Rund 50.000 Österreicher erhalten wegen mangelnder Bonität kein Girokonto, was sie aus der Gesellschaft ausgrenzt. Ohne Konto entstehen diesen oft ohnehin sozial schwachen Menschen zusätzliche finanzielle Belastungen. Eine einzige Bar-Einzahlung kostet schon rund drei Euro. Neben der "Zweiten Sparkasse" der Erste Bank heftet sich nun auch die Bawag P.S.K. soziale Verantwortung auf ihre Fahnen. Ab morgen, Mittwoch, bietet die P.S.K.-Bank Personen, denen normale Kreditinstitute ein Girokonto verwehren, ein Haben-Konto an. Indes sind die Verhandlungen der Bawag über Staatshilfe im Gange.

Das heute, Dienstag, bei einer Pressekonferenz präsentierte "Neue Chance Konto" kostet wie das günstigste "normale" P.S.K.-Konto 13,5 Euro im Quartal und ist in jeder der rund 1.300 P.S.K.-Filialen erhältlich. Es handelt sich um ein Guthaben-Konto ohne Überziehungsrahmen, sagte Bawag-P.S.K.-Vorstandsmitglied Regina Prehofer. Zu dem Konto gibt es keine Bankomat- oder Kreditkarte, sonst seien aber alle bargeldlosen Transaktionen wie Überweisungen, Dauer- und Einziehungsaufträge sowie Internet-Banking möglich.

Das "Neue Chance Konto" soll kein Produkt zweiter Klasse sein und entspreche bei Kontonummer und Bankleitzahl dem günstigsten normalen PSK-Konto. "Es gehört zu unserem Geschäft dazu", sagte Prehofer. Mit einem Ausweis könne das neue Konto in jeder P.S.K.-Filiale eröffnet werden, nicht aber in Bawag-Filialen, sagte Manfred Feichter, Managing Director des Bawag-P.S.K.-Privatkundengeschäfts. Dafür soll das Produkt bei den sogenannten Post-Partnern erhältlich sein. Das "Post-Partner-Konzept neu" werde gerade mit der Post ausgearbeitet.

Flächendeckendes Angebot

Im Unterschied zur "Zweiten Sparkasse" biete die P.S.K.-Bank ihr Haben-Konto flächendeckend in ganz Österreich an, so Prehofer. Bei der "Zweiten Sparkasse" bekämen nur Personen, die sich in einem Schuldenregulierungsverfahren befinden, ein Konto, so der CSR-Beauftragte der Bawag-P.S.K., Günter Horniak. Beim "Neue Chance Konto" werden die üblichen Bonitätskriterien (Eintrag auf schwarzen Listen, Konkurs) nicht angewandt, so Prehofer. Nicht möglich sei die Eröffnung des P.S.K-Haben-Konto, "wenn es ein Betrugsverfahren in der Vergangenheit gab".

Feichter hofft, dass am Anfang 500 "Neue Chance Konten" im Monat eröffnet werden. "Es gibt es einen gewissen Rückstau". Wie sich die Nachfrage nach der Einführungsphase weiterentwickeln wird, sei auch von der wirtschaftlichen Lage abhängig. Dass die BAWAG mit dem neuen Konto auf die Schiene "Ethnic Banking" aufspringen will, will Feichter so nicht sehen. Das Konto richte sich nicht speziell an an Personen mit Migrationshintergrund. Schon jetzt habe die Bawag P.S.K. "ethnische Minderheiten" als Kunden. Die ehemalige Gewerkschaftsbank sei hierzulande größter Kooperationspartner des Finanzdienstleisters Western Union, über den viele Migranten Geld in ihre Heimatländer überweisen. Über Konkurrenz auf dem Haben-Konto-Markt wäre die Bawag  "nicht böse", so Horniak. Die EU-Kommission, Konsumentenschützer, Schuldnerberatungen und andere Nichtregierungsorganisationen fordern schon seit langer Zeit die Schaffung eines Kontos ohne Überziehungsrahmen. Sich für eine Gesetzesänderung in Richtung Grundrecht auf ein Konto einzusetzen, habe die Bawag aber nicht vor.

Die Gespräche der Bawag mit dem Finanzministerium über staatliche Eigenkapitalhilfe "laufen noch", so Prehofer. Wann die Verhandlungen abgeschlossen sein werden, sei noch nicht genau abzusehen. Ob die mehrheitlich dem US-Fonds Cerberus gehörende Bank die tatsächlich - wie kolportiert - 1 Mrd. Euro Staatshilfe beantragen wird, wollte die Bankerin nicht kommentieren. Auch zu den Konditionen und anderen Details machte sie keine Angaben, Ebenso keine Informationen gab es zu Spekulationen, wonach Cerberus 200 Mio. Euro einschießen soll. Die Liquidität der Bank sei "ausgezeichnet", sagte Prehofer. Die Überschussliquidität betrage 6 bis 7 Mrd. Euro. (APA)

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