Grünbichler verlässt Constantia-Bank

31. März 2009, 13:06
2 Postings

Die Spitze der Constantia Bank wird umgebaut, zugleich auch der Vorstand der Wüstenrot-Gruppe

Wien - Drei Monate, nachdem sein Vertrag bis Ende 2010 verlängert wurde, verlässt der erst im November als Sanierer zur Wiener Constantia Bank geholte Bankchef Andreas Grünbichler das kleine Wiener Bankinstitut in Richtung Wüstenrot.

Grünbichler wechselt mit 20. April in den Vorstand der Wüstenrot Versicherung und der Wüstenrot Bausparkasse. Dies teilte die Constantia Privatbank am Dienstag Mittag mit.

Neuer Vorstandssprecher der Constantia-Bank wird dann Helmut Urban sein, der seit Jänner im Vorstand ist. Neu ins Management einziehen wird Fritz Racher, der von UniCredit Mailand kommt und als Experte für Risk- und Kreditmanagement gilt.

Die Constantia Privatbank ist in Besitz ihrer Gläubigerbanken, seit fünf Großbanken Mitte Oktober 2008 die kleine Bank über Nacht aufgefangen haben. Aufsichrsratschef Walter Knirsch dankte Grünbichler in einer Mitteilung "für seine wertvolle Arbeit": In den vergangenen Monaten sei es gelungen, die Bank zu stabilisieren.

Verkauf bis Sommer

In der Bank ist ein neuer Anlauf gestartet worden, die Bank zu verkaufen. Urban will den Verkauf "bis Sommer" über die Bühne gebracht haben, wie er erklärte. "Wir haben bereits eine beratende Investmentbank beauftragt."

Vor zwei Wochen sei der Verkaufsprozess gestartet worden. Bis Anfang Mai will Urban wissen, wer konkret interessiert sei. Er geht davon aus, dass der eine oder andere Kandidat aus dem Vorjahr wieder interessiert sein dürfte.

Ein monatelang betriebener Verkauf war 2008 noch unter der alten Bankführung gescheitert, und die Privatbank musste im Herbst im Zuge der Turbulenzen rund um Immofinanz und Immoeast von den großen Banken des Landes aufgefangen werden, nachdem Anleger erhebliche Summen abgezogen hatten.

Urban bezifferte das verwaltete Vermögen der Constantia Privatbank aktuell mit 7,3 Mrd. Euro, die Bilanzsumme mit 860 Mio. Euro und die Eigenmittel mit rund 120 Mio. Euro. Sein Ziel sei es, jene Kunden, die seit Oktober abgesprungen seien, wieder zurück zu gewinnen.

Zerschlagung kein Thema

Nachdem es in den ersten Wochen nach Übernahme durch das Bankenkonsortium zunächst ums pure Überleben ging und darum, das Geschäft zu retten, wurde nach Stabilisierung der Bank im Jänner entschieden, dass eine "Abwicklung" oder Zerschlagung kein Thema sei, heißt es aus dem Institut.

Die künftigen Eigentümer sollen, so der neue Vorstandssprecher, eine von Rechtsrisiken befreite Bank erhalten. Zum Verkauf stünde der Bankbetrieb (Private Banking, Depotbankgeschäft, Fondsvertrieb etc.) samt Kapitalanlagegesellschaft und Banktöchtern wie Projektentwickler und Maklerfirma. Die KAG werde dezidiert nicht gesondert verkauft. Vorm Verkauf herausgelöst würden "gewisse Konzernfinanzierungen".

Die alte Bank- und Immokonzernführung unter dem damaligen Konzernchef Karl Petrikovics hatte offene Haftungsfragen und einen erbitterten Streit um Geldflüsse in der Immofinanz/Immoeast/Constantia-Gruppe hinterlassen.

Immobilien abgespalten

Mit heutigem Tag abgespalten wurde der Teilbetrieb Immobilien in eine "Aviso Delta GmbH". Damit wanderten mit dem Immobilienmanagement die Hälfte der rund 280 Mitarbeiter der Constantia-Bank vorerst in eine "Schwestergesellschaft".

Die österreichischen Gläubigerbanken haben der Constantia Bank im Oktober, als sie die Bank auffingen, Kreditlinien für 400 Mio. Euro eingeräumt, für diese Liquiditätshilfe gab es eine Bundesgarantie, die jetzt Ende April abläuft. Diese Linien mussten bisher nicht ausgenutzt werden.

Diese Garantie dürfte um ein weiteres halbes Jahr verlängert werden, zumindest aber bis zum Abschluss des Verkaufs. Urban bestätigte nur allgemeine Verhandlungen um die Garantie, zum Inhalt sagte er nichts.

Beim bisher letzten Verkaufsversuch waren voriges Jahr neben anderen die Liechtensteinische Fürstenbank LGT, die Wiener Kathrein Bank, Sal Oppenheim und Credit Suisse interessiert gewesen, aber auch internationale Fonds hatten aufgezeigt. Im Herbst war die Bank wegen umstrittener Spekulationsgeschäfte in die Schlagzeilen geraten, gegen geschasste einstige Spitzenmanager stand von Seiten der Justiz der Verdacht auf Betrug und Bilanzfälschung im Raum. Es gilt die Unschuldsvermutung.(APA)

 

 

Share if you care.