Schmied für verbesserte Sprachförderung im Kindergarten

31. März 2009, 12:55
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Jedes vierte 5-jährige Kind vor Schuleintritt Probleme mit der deutschen Sprache - Unterrichtsministerin will Ungerechtigkeiten bekämpfen - Mit Infografik

15 Monate vor Schuleintritt sprechen 23 Prozent der Kinder in Österreich so schlecht Deutsch, dass sie in der Schule "gröbere Probleme" zu erwarten haben; ein Drittel davon hat Deutsch als Muttersprache. Unter den Kindergartenkindern hat jedes zehnte mit deutscher Muttersprache Förderbedarf, bei Kindern mit Migrationshintergrund sind es 59 Prozent. Insgesamt brauchen 5.600 Kindergartenkinder spezielle Sprachförderung. Das sind die auffälligsten Ergebnisse der "frühkindlichen Sprachstandsfeststellung" in fünf Bundesländern vom Bundesinstitut für Bildungsforschung (BIFIE), die heute, Dienstag, in Wien präsentiert wurden.  (siehe derStandard.at-Interview).

Die Ergebnisse der Sprachstandsfeststellungen, die im letzten Jahr erstmals durchgeführt wurden, seien für Unterrichtsministerin Claudia Schmied ein Zeichen, die Sprachförderung auszubauen: "Wir brauchen mehr, frühere und bessere Sprachförderung für alle Kinder - unabhängig ob mit oder ohne Migrationshintergrund", so Bildungsministerin Claudia Schmied.

"Ungerechtigkeiten bekämpfen"

Das verpflichtende Kindergartenjahr vor dem Schuleintritt sei besonders wichtig, einmal mehr forderte Schmied akademisch ausgebildete Kindergartenpädagoginnen. "Wir müssen an unseren Schulen jene Ungerechtigkeiten bekämpfen, die bereits vor Schuleintritt entstehen. Wir müssen die Schwächen vor allem im Sprach- und Lesebereich bei unseren Schülern wirkungsvoll reduzieren." Auch angesichts von Berichten über den hohen Ausländeranteil vor allem an Wiener Schulen sprach sich die Unterrichtsministerin für eine möglichst frühe Sprachförderung schon im Kindergarten.

Wohl in Hinblick auf die nächste Verhandlungsrunde mit den Lehrergewerkschaftern am Mittwoch teilte Schmied in einer Aussendung mit: "Wir haben in unserem Bildungssystem große Aufgaben vor uns. Alle notwendigen Verbesserungen, die wir in den vergangenen zwei Jahren gestartet haben und die wir unbedingt weiterführen und intensivieren müssen, brauchen allerdings mehr Ressourcen. Nachdem die Budgetvorgaben des Finanzministeriums für die kommenden zwei Jahre gerade die Fixkosten an unseren Schulen abdecken, brauchen wir für alle weiteren Verbesserungen Strukturreformen. Wer diese kategorisch ablehnt, der verhindert alle Verbesserungen für unser Kinder und nimmt eine Verschlechterung der Schulen bewusst in Kauf", so Schmied abschließend.

FPÖ will Sanktionen

"Konkrete Taten" fordern die Grünen von Unterrichtsministerin Claudia Schmied bei der Umsetzung des verpflichtenden Kindergartenjahres. Die Wiener FPÖ fordert den Entzug der Kinderbeihilfe als Sanktion, wenn die angebotene Sprachförderung im letzten Kindergartenjahr von Eltern mit Migrationshintergrund nicht angenommen wird. "Solange das 1:1-Modell für Migrantenkinder nicht verpflichtend eingeführt werde, sei dieses völlig zahnlos und es werde auch zu keiner Verbesserung der Situation kommen", so FP-Klubobmann Eduard Schock. Für die Wiener VP-Gemeinderätin Monika Riha zeigt die Sprachstandsfeststellung, wie wichtig der gebührenfreie Kindergarten für die Bildungsbiografie von Kindern sei. (APA/red, derStandard.at, 31. März 2009)

 

Hintergrund

Für die aktuelle Studie wurden die Deutschkenntnisse von 24.600 Kindergartenkindern in fünf Bundesländern (Burgenland, Kärnten, Salzburg, Steiermark, Wien) vier Wochen lang systematisch erhoben, allerdings nicht in Form von Tests, sondern im Rahmen des normalen Alltagsbetriebs (Bilderbuch oder Bildkarten ansehen, Spielen, Kommunikation untereinander). Jene, die keinen Kindergarten besuchen, wurden bei einem Schnuppertag bei den gleichen Beschäftigungen beobachtet (Tests bei 580 Kindern in Salzburg, Steiermark, Wien). (APA)

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