Bildungskarenz ist neuer Boom

31. März 2009, 12:57
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Zahl der Arbeitnehmer, die Bildungskarenz in Anspruch nehmen, hat sich verdoppelt

Die Bildungskarenz wird in Zeiten der Wirtschaftskrise in Österreich immer beliebter. Im November des Vorjahres waren laut aktuellen Daten des Arbeitsmarktservices (AMS) 2.258 Arbeitnehmer in Bildungskarenz, knapp doppelt so viele wie im November 2007 (1.132 Personen), berichtete das Ö1-"Morgenjournal.

Neben der Wirtschaftskrise trägt aber wohl auch der Umstand dazu bei, dass die Bildungskarenz seit 2008 attraktiver ist. Musste man früher mindestens drei Jahre durchgehend bei demselben Arbeitgeber beschäftigt sein, um die Bildungskarenz zu nützen, wurde diese Hürde Anfang 2008 auf ein Jahr gesenkt. Auch finanziell wurde ein weiterer Anreiz gesetzt: Bekam man vorher 14,53 Euro pro Tag, hat man nun Anspruch auf sein fiktives Arbeitslosengeld, sofern dies über 14,53 Euro pro Tag liegt. Auch Saisonbeschäftigte können seitdem in Bildungskarenz gehen. Sie müssen vier Jahre bei demselben Dienstgeber gearbeitet haben und direkt vor Antritt drei Monate durchgehend beschäftigt gewesen sein.

Neu: "Bildungskarenz plus"

Im Sozialministerium verwies man auch auf die Möglichkeit der "Bildungskarenz plus", die in allen Bundländern eingeführt werden soll. Dieses Zusatzangebot, das laut Sozialministerium etwa in Wien und Oberösterreich bereits umgesetzt ist, ermöglicht einen Zuschuss des Landes zu Bildungskosten in der Höhe von 1.500 Euro, sofern der Betrieb dieselbe Höhe zuschießt. Außerdem kann man auch geringfügig im Unternehmen während der Bildungskarenz weiterbeschäftigt werden, was bei der normalen Bildungskarenz nicht möglich ist.
Grundsätzlich kann die Bildungskarenz für mindestens drei Monate bis maximal ein Jahr vereinbart werden. Nachzuweisen ist die Teilnahme an einer Weiterbildungsmaßnahme von mindestens 20 Wochenstunden, bei Elternteilen, die Kinder unter sieben Jahren betreuen müssen, sind es 16 Wochenstunden. Beantragen kann man die Bildungskarenz beim AMS, dieses zahlt auch das Arbeitslosengeld aus.

Verbesserungspotenzial

Noch mehr Verbesserungsvorschläge kommen aus den Bundesländern. Im Ö1-Morgenjournal bezeichnete Erwin Niederwieser von der Arbeiterkammer Tirol die Bildungskarenz als "Win-Win-Modell" für den Arbeitsmarkt, aber noch extrem ausbaufähig. Seine Zielvorstellung: dass etwa drei bis fünf Prozent aller Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ständig in Bildungskarenz seien. Das bringe in der derzeitigen Wirtschaftslage eine entsprechende Entlastung des Arbeitsmarktes und gleichzeitig auch eine bessere Qualifikation. Die Arbeiterkammer Wien sieht laut dem Bericht ebenfalls Verbesserungspotenzial: einerseits durch eine Anhebung des Weiterbildungsgeldes andererseits dadurch, dass keine Bindung mehr an einen bestimmten Betrieb verlangt werde. Reformen im Rahmen eines neuen Beschäftigungspakets seien vom Sozialministerium geplant. (red/APA)

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    Der Griff zum Buch und damit zur "Lernauszeit" wird immer beliebter

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