OECD revidiert Prognosen dramatisch nach unten

31. März 2009, 12:09
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Die Pariser Organisation ist für 2009 wenig optimistisch, der Welthandel bricht um 13,2 Prozent ein, die Arbeitslosigkeit steigt rasant

Wien/Paris - Die Weltwirtschaft schrumpft heuer um 2,75 Prozent und damit so stark wie seit Jahrzehnten nicht mehr, der Welthandel bricht um 13 Prozent ein und die Arbeitslosigkeit steigt deutlich. Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hat heute, Dienstag, in ihrem Zwischenbericht im Vorfeld des G-20-Gipfels in London eine düstere Prognose für die weltweite Konjunkturentwicklung abgegeben. Damit ist die OECD deutlich pessimistischer als die Weltbank und der Internationale Währungsfonds (IWF).

"Die Weltwirtschaft befindet sich inmitten der tiefgreifendsten Rezession, die wir zu unseren Lebzeiten je gesehen haben und die überdies in einzigartiger Weise synchron verläuft - eine Rezession, die durch eine globale Finanzkrise ausgelöst und durch das Zusammenbrechen des Welthandels verschärft wurde", schreibt die OECD in ihrem Zwischenbericht.

Verschärfung erwartet

Die Rezession werde sich heuer im Jahresverlauf verschärfen, bevor im kommenden Jahr eine Erholung schrittweise Fuß fasse, die durch die Konjunkturprogramme beflügelt werde, teilte die OECD mit. Für 2010 sagen die OECD-Experten ein mageres Plus für die Weltwirtschaft von 1,25 Prozent voraus, jedoch weiter steigende Arbeitslosenzahlen.

Die Wirtschaftsleistung der in der OECD zusammengefassten 30 Industrieländer wird 2009 voraussichtlich um 4,3 Prozent schrumpfen und auch 2010 leicht um 0,1 Prozent sinken. In der Eurozone werde das BIP heuer um 4,1 Prozent und 2010 um 0,3 Prozent zurückgehen. In Deutschland soll der Einbruch 2009 sogar 5,3 Prozent betragen, für 2010 gehen die Experten von einem geringen Wachstum um 0,2 Prozent aus.

Steigende Arbeitslosigkeit

Die Arbeitslosigkeit werde in den OECD-Mitgliedsstaaten in den kommenden Monaten kräftig steigen und ihren Höhepunkt erst 2010 oder Anfang 2011 erreichen. Ende 2010 wird die Arbeitslosigkeit in vielen Ländern zum ersten Mal seit den frühen 90er Jahren zweistellige Werte erreichen. Allein in den sieben größten Industriestaaten (G7) seien Ende kommenden Jahres wohl 36 Millionen Menschen ohne Arbeitsplatz - etwa doppelt so viele wie Mitte 2007.

Das unterstreiche, wie wichtig es sei, die Konjunkturprogramme durch arbeitsmarktpolitische Maßnahmen zu ergänzen, um soweit wie möglich einen Anstieg der strukturellen Arbeitslosigkeit zu verhindern, sagte OECD-Chefvolkswirt Klaus Schmidt-Hebbel.

Konjunkturprogramme koordinieren

Um die Wirtschaft wieder anzukurbeln, sei ein weiteres Eingreifen der Staaten nötig, sagte der OECD-Experte. Die Konjunkturprogramme müssten überdies international koordiniert werden. Die OECD sieht aber auch die Notenbanken in der Pflicht: Die Zinssätze müssten in die Nähe von null gesenkt werden und dort für längere Zeit bleiben, forderte Schmidt-Hebbel. Zusätzlich müssten die Währungshüter über alternative Mittel Geld in die Wirtschaft pumpen. Derzeit setzen unter anderem die US-Notenbank Fed und die Bank von England Mittel des "Quantitative Easing" ein und kaufen etwa Staatsanleihen auf.

Angesichts der tiefsten und umfassendsten Rezession seit mehr als 50 Jahren wird laut OECD der Welthandel in diesem Jahr um mehr als 13 Prozent einbrechen. Die globale Wirtschaftsleistung sinke um 2,7 Prozent. Auch in den großen Schwellenländern werde sich das Wachstum verlangsamen. Die Ökonomen gehen davon aus, dass erst im kommenden Jahr infolge der von der Politik Konjunkturmaßnahmen eine Erholung beginnt.

Die USA könnten nach Einschätzung der Organisation Anfang 2010 wieder aus der Rezession kommen. Voraussetzung dafür sei, dass sich die Konjunkturpakete als effektiv erweisen und sich die Finanz- und Immobilienmärkte stabilisieren. Für Japan sagt die OECD einen Rückgang der Wirtschaftsleistung um 6,6 Prozent in diesem und um 0,5 Prozent im nächsten Jahr voraus.

Timing entscheidend

Laut OECD werden die von den Regierungen ergriffenen Konjunkturmaßnahmen die Wirtschaftsleistung durchschnittlich um rund 0,9 Prozent in den Jahren 2009 und 2010 erhöhen. In den USA und Australien dürften die Maßnahmen in den beiden Jahren das Bruttoinlandsprodukt um mehr als 1 Prozent höher ausfallen lassen.

Wie effektiv die Maßnahmen sein werden, hängt laut Wirtschaftsausblick auch von deren Timing ab: Die Ökonomen empfehlen den Ländern, die dafür Spielraum haben, für 2010 über einen weiteren Impuls nachzudenken. Unter den großen Industrieländern (G-7) wären das vor allem Deutschland und Kanada. Angesichts des erwarteten drastischen Anstiegs der Arbeitslosigkeit sollte der Schwerpunkt zusätzlicher Aktionen auf arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen liegen.

Weltbank optimistischer

Auch die Weltbank präsentierte heute, Dienstag, ihren Wirtschaftsausblick und ist etwas optimistischer als die OECD: Laut Weltbank schrumpft die globale Wirtschaft in diesem Jahr um 1,7 Prozent. Die OECD erwartet einen Rückgang der Weltwirtschaft 2009 von 2,75 Prozent.

Vor etwa zwei Wochen hatte der Internationale Währungsfonds (IWF) noch ein Minus zwischen 0,5 und 1 Prozent vorausgesagt.

Der Welthandel werde um mehr als 6 Prozent einbrechen - so stark wie seit 80 Jahren nicht mehr, heißt es im Wirtschaftsausblick der Weltbank, der heute in Washington vorgelegt wurde. In der Eurozone wird die Wirtschaft der Studie zufolge um 2,7 Prozent schrumpfen.

Bereits im kommenden Jahr sei eine moderate Erholung möglich, doch sei dieser Ausblick "höchst ungewiss", räumte die Weltbank ein. Sie rechnet für 2010 mit einem weltweiten Wachstum von 2,3 Prozent. In der Eurozone sieht die Organisation im kommenden Jahr inzwischen lediglich ein schwaches Plus von 0,9 Prozent. Hingegen könnten die USA dann schon wieder um solide 2 Prozent zulegen.

Die globale Konjunkturmisere trifft der Studie zufolge auch die Schwellen- und Entwicklungsländer hart: Für sie erwartet die Weltbank in diesem Jahr nur noch ein deutlich gebremstes Wachstum von 2,1 Prozent. Dort sei 2010 aber schon mit einer Verdopplung auf 4,4 Prozent zu rechnen, heißt es in dem Weltbank-Papier. (APA)

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    Die Untiefen werden immer unwirtlicher. 2010 dürfte es aber wieder aufwärts gehen.

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