Matschiner legt Teilgeständnis ab

31. März 2009, 16:29
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Inhaftierter Oberösterreicher gibt Beteiligung an Bluttransfers zu, Dopingmittel will er jedoch nicht vertrieben haben

Wien - "Das Thema Sport ist erledigt. Mit dieser verlogenen Szene bin ich fertig." Das sagte Stefan Matschiner, nachdem ihn die gedopte Triathletin Lisa Hütthaler erst bei der "Sonderkommission Doping im Bundeskriminalamt und dann in einem Interview schwer belastet hatte. Die Verdachtsmomente, die die Behörden in der Nacht auf Dienstag zur Verhaftung Matschiners in Oberösterreich veranlassten, haben sich nach mehrstündigen Einvernahmen des 33-jährigen ehemaligen Mittelstreckenläufer und Sportmanager zum Teil bestätigt. Sein Mandant habe eingeräumt, an Bluttransfers für Bernhard Kohl beteiligt gewesen zu sein, sagte Matschiners Anwalt Franz Essl. Matschiner war Manager des bei der Tour de France des Dopings mit Epo überführen Niederösterreichers.

Essl: "Bei der umfassenden Hausdurchsuchung im Wohnhaus von Matschiner in Laakirchen wurden nach Angaben der Ermittler aber keine Dopingmittel oder Ähnliches vorgefunden." Matschiner steht aber auch unter dem Verdacht, mit Dopingmitteln gehandelt zu haben. Und zwar "noch im letzten dreiviertel Jahr", sagt Gerhard Jarosch, der Sprecher der Staatsanwaltschaft Wien. Das im August 2008 in Kraft getretene Anti-Doping-Gesetz bedroht dies mit Haftstrafen von sechs Monaten bis zu fünf Jahren, je nach Menge, Art und Abnehmerkreis der Dopingmittel, wobei verbindliche Grenzmengen, ab denen tatsächlich gestraft wird, noch nicht einmal exakt festgelegt sind.

Die Versorgung von Hütthaler hätte Matschiner, für den so oder so die Unschuldsvermutung gilt, wohl weniger Probleme bereitet. Der positive Test der Niederösterreicherin war zwei Monate vor Inkrafttreten des Gesetzes bekannt geworden. Jarosch sagt auch, dass es nicht Hütthalers Aussagen bedurft hätte, um auf Matschiner zu kommen. Man kenne "mehrere Sportler", die dieser beliefert haben soll. Ermittelt wird gegen zwei Dutzend Personen, die mit verbotenen Substanzen gehandelt und Blutdoping betrieben bzw. ermöglicht haben sollen. Natürlich auch gegen einen Apotheker und gegen Walter Mayer, die in Untersuchungshaft sitzen.

"Heikle Ermittlungen"

Ex-Trainer Mayer und Matschiner, der diesen über seinen Schwiegervater kennengelernt haben will, verbrachten im Februar 2006 zusammen einen lustigen Abend in Turin, ehe es zu den legendären Razzien in den Quartieren der österreichischen Langläufer und Biathleten kam und Mayer Reißaus nahm. Über einen Zusammenhang zwischen Mayer, Matschiner sowie dem ebenfalls unter Verdacht stehenden Kinderarzt Z. will Jarosch nichts sagen. Das sei "derzeit Gegenstand heikler Ermittlungen". Alle drei bestreiten die gegen sie erhobenen Vorwürfe vehement. Lediglich der Apotheker und der mittlerweile aus der U-Haft entlassene Radsportler K. sollen teilgeständig sein.

Matschiners Berührungspunkte mit Doping beschränkten sich nicht auf die Bekanntschaften mit Mayer und Kohl. "Ich gebe alles zu, ich bin für alles verantwortlich", hatte er noch im Oktober gescherzt. (Sigi Lützow, DER STANDARD, Printausgabe, Mittwoch, 1. April 2009)

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