Briten beginnen mit Abzug

31. März 2009, 16:00
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Fast genau sechs Jahre nach Einmarsch - US-Kommandant Odierno beschwört Blutbrüderschaft

Basra/Mossul - Fast genau sechs Jahre nach ihrem Einmarsch haben die britischen Streitkräfte mit dem Abzug aus dem Irak begonnen. Eine Zeremonie auf dem Militärstützpunkt am Flughafen der südirakischen Ölstadt Basra bildete am Dienstag den offiziellen Auftakt für den Abzug der derzeit noch 4.100 im Irak stationierten britischen Soldaten. Beendet wird der Einsatz am 31. Mai, der vollständige Abzug muss bis Ende Juli erfolgt sein.

Die Zeremonie in Basra fand in Anwesenheit von Diplomaten und britischen, irakischen sowie US-Offizieren statt, unter ihnen der US-Kommandant der multinationalen Truppen im Irak, Ray Odierno, und der britische Generalstabschef Jock Stirrup. Die Flagge eines Regiments der Royal Marines wurde eingeholt und anschließend die Fahne der 10. Bergdivision der US-Armee gehisst, die den Stützpunkt bis zu ihrem eigenen, für Ende 2011 vorgesehenen Abzug übernimmt.

"Verbindung kann niemand zerreißen"

"Unsere Völker sind durch das gemeinsam vergossene Blut verbunden. Diese Verbindung kann niemand zerreißen", sagte Odierno in seiner Ansprache. "Dort, wo das Chaos herrschte, habt ihr die Hoffnung wiederhergestellt", fügte er hinzu. Stirrock würdigte den "Mut" und das "edle Streben" der Soldaten, besonders derjenigen, die im Irak "ihr Leben ließen". Der irakische General Nasir Abadi dankte dem britischen Militär für dessen Beitrag zur Stabilisierung des Landes nach dem Sturz von Saddam Hussein.

Als die USA am 20. März 2003 unter dem damaligen Präsidenten George W. Bush im Irak einmarschierten, war die britische Regierung von Tony Blair ihr wichtigster Verbündeter. Anfangs waren im Irak 46.000 britische Soldaten stationiert und damit das größte ausländische Truppenkontingent nach den US-Streitkräften. Seit dem Beginn des Irak-Kriegs starben 179 britische Soldaten.

Die britischen Streitkräfte hatten sich für die Zeit vor ihrem endgültigen Abzug noch eine Reihe von Zielen gesetzt. Dabei ging es unter anderem um die Ausbildung irakischer Soldaten in Basra und die Vorbereitung des örtlichen Flughafens für die zivile Nutzung.

Der Irak hatte Ende vergangenen Jahres ein Gesetz verabschiedet, das den Abzug aller ausländischen Truppen mit Ausnahme der US-Soldaten bis Ende Juli dieses Jahres vorsieht. Für die US-Streitkräfte gilt ein eigener Rückzugsplan, den das im vergangenen November zwischen Washington und Bagdad ausgehandelte Sicherheitsabkommen regelt. Demnach sollen die US-Soldaten den Irak bis Ende 2011 verlassen.

Unterdessen wurden neue Gewalttaten aus der nördlichen Stadt Mossul (Mosul) gemeldet, die in den vergangenen Monaten immer wieder mit Anschlägen Schlagzeilen gemacht hatte. Ein Selbstmordattentäter tötete vor einer Polizeistation sieben Menschen (andere Berichte sprechen von acht Toten), darunter vier Polizisten. 15 weitere Beamte und 10 Zivilisten erlitten Verletzungen, als der in einem Lastwagen versteckte Sprengsatz explodierte.

Mossul, mit rund 3 Mio. Einwohnern die Hauptstadt der Provinz Ninive, ist zu einem Zufluchtsort für Al-Kaida-Terroristen geworden. Der irakische Parlamentarier Essedin al-Daula sagte der Deutschen Presse-Agentur dpa am Dienstag in Bagdad, in Mossul sei nach den Provinzwahlen Ende Jänner ein Machtvakuum entstanden. Daran sei auch die staatliche Wahlkommission schuld, die eine rasche Übergabe der Verantwortung vom alten an den neuen Provinzrat verhindert habe. (APA/dpa)

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