DNA-Panne beschäftigt weiter Polizei

30. März 2009, 19:40
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Herstellerfirma hatte fälschlicherweise DNA-Freiheit der Wattestäbchen garantiert

Stuttgart/Frickenhausen - Die DNA-Panne bei der Fahndung nach dem Heilbronner "Phantom" sorgt weiter für Wirbel: Zum einen musste die Greiner Bio-One GmbH unter Druck einräumen, dass sie entgegen öffentlicher Beteuerung doch - zumindest zeitweise - der baden-württembergischen Polizei die DNA-Freiheit ihrer verunreinigten Wattestäbchen garantiert hat. Zum anderen lehnte Innenminister Heribert Rech (CDU) am Montag schnelle personelle Konsequenzen bei der Polizei ab. "Für eine Symbolpolitik stehe ich nicht zur Verfügung", sagte er.

Zunächst müsse der Verursacher der Panne ermittelt werden, betonte der Minister in Freiburg. Die Polizei werde spätestens bis zu diesem Mittwoch klären, ob die Firma für die Herstellung der Wattestäbchen Fehler gemacht hat. Am Mittwoch werde er das Ergebnis dem Innenausschuss des Landtages mitteilen. Sollte es innerhalb der Polizei Fehler gegeben haben, werde dies aufgearbeitet. "Schon jetzt zu fordern, dass Köpfe rollen müssen, ist abwegig", sagte Rech. Er trage die politische Verantwortung für die Arbeit der Polizei.

Der Druck auf die Greiner Bio-One GmbH erhöhte sich am Montag durch eine Meldung aus Österreich: Das Bundeskriminalamt in Wien bestätigte einen Bericht der "Stuttgarter Zeitung", wonach das Unternehmen seine Abstrichbestecke bis vor kurzem als DNA-frei verkauft habe. Entsprechende Qualitätszertifikate hätten fast jeder Lieferung beigelegen, sagte der Sprecher des Bundeskriminalamts in Wien (BK), Gerald Tatzgern, der "Heilbronner Stimme".

Schriftliche Garantie

Bereits am Freitag hatte sich Tatzgern in dieser Richtung geäußert: Demnach geht aus einem Schriftverkehr zwischen dem Unternehmen und dem oberösterreichischen Landeskriminalamt hervor, dass die Wattestäbchen garantiert frei von DNA seien. "Ich habe das schriftlich vor mir. Das ist sogar zertifiziert", sagte Tatzgern.

Die Greiner Bio-One erklärte dazu am Nachmittag: "Erste interne Überprüfungen ergaben, dass tatsächlich einigen Lieferungen, darunter auch solchen an baden-württembergische Polizeistellen, bis zum Jahr 2004 derartige Zertifikate beigelegen haben können." Auf Vorwürfe, nach denen das Unternehmen erst kurz vor der Pressekonferenz am vergangenen Freitag Hinweise auf nicht auszuschließende DNA- Verunreinigungen der Wattestäbchen auf seine Website gestellt hat, reagierte die Geschäftsführung so: Änderungen seien niemandem bekannt, es werde aber kontrolliert, ob es welche gab.

Keine Äußerung

Das Landeskriminalamt wollte sich dazu am Montag nicht äußern. Das alles werde überprüft, hieß es dort. Bevor die Prüfung abgeschlossen sei, gebe es keine Mitteilung dazu. Die Argumentation von Greiner Bio-One, die Polizei habe nie danach gefragt, ob die gelieferten Abstrichbestecke auch DNA-frei seien, hält das BK in Wien für merkwürdig: "Wenn Sie ein Auto kaufen, das nicht fährt, und nachher sagt der Händler, Sie haben ja nicht gefragt, ob es auch fährt, ist das schon sehr merkwürdig."

Seit Freitagabend steht fest, dass die Gen-Spur vom Mord an einer Polizistin in Heilbronn im April 2007 nicht von der Mörderin stammt, sondern von einer Arbeiterin eines bayerischen Betriebes, die mit den Wattestäbchen in Berührung gekommen war. Die angebliche Serienverbrecherin, die mit mehreren Morden und zahlreichen Einbrüchen in Verbindung gebracht worden war, existiert demnach gar nicht. Die an Dutzenden Tatorten gefundene DNA geht auf verunreinigte Wattestäbchen zurück, mit denen das Material gesichert worden war. (APA/dpa)

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    Die DNA-Panne um das Heilbronner "Phantom" sorgt weiter für Wirbel

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