Endstation

30. März 2009, 19:15
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Nach wochenlanger quälender Debatte um Datenaffären ist der Chef der Deutschen Bahn an seiner beruflichen Endstation angekommen - Von Birgit Baumann

Hartmut Mehdorn ist ausgestiegen. Nach wochenlanger quälender Debatte um Datenaffären ist der Chef der Deutschen Bahn an seiner beruflichen Endstation angekommen. Im Gegensatz zu anderen Topmanagern wird er jedoch nicht allein mit Schimpf und Schande vom (Bahn-)Hof gejagt. Dazu sind seine Verdienste zu groß. Schließlich war er es, der die verschnarchte Staatsbahn zu einem international agierenden Logistik-Player gemacht hat - wenngleich ihm sein größter Triumph, die Privatisierung der Bahn, letztendlich versagt blieb.

Aber auf dieser Erfolgsschiene lag auch jene Falle, in der Mehdorn zuletzt gefangen war: Abgleich von Kontodaten, Bespitzelung von Mitarbeitern - offenbar war alles erlaubt, was dem wirtschaftlichen Erfolg dienen sollte. Zuletzt hatte man den Eindruck, Mehdorn habe über die Köpfe der Mitarbeiter hinweg einen Staat im Staatsbetrieb etabliert.

Diesem Treiben konnte die deutsche Bundesregierung nicht mehr länger zusehen. Auch wenn Mehdorn selbst keine Straftat begangen hat, das Vertrauen zwischen ihm und seinen Mitarbeitern ist restlos zerstört.

Doch auch die Regierung macht keine gute Figur. Unverständlich, dass sie nicht aus dem überraschenden Rücktritt von Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU) gelernt und längst schon diskret nach einem Nachfolger für den unhaltbaren Mehdorn gespäht hat - um ein neues peinliches Vakuum zu vermeiden. Jetzt jedoch erfolgt die Suche unter enormem Druck. Leichter macht das die Angelegenheit nicht. (Birgit Baumann, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 31.03.2009)

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