Mister Bond kam Bregenz teuer

30. März 2009, 19:09
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700.000 Euro Abgang produzierte das Bregenzer Stadtmarketing durch Events während der Bond-Dreharbeiten und der Fußball-EM

Bregenz - Nach Bond- und EM-Euphorie kommt nun für die Bregenzer der Katzenjammer. Die Tourismus- und Stadtmarketing GmbH, die Werbefirma der Landeshauptstadt, fuhr wegen der Großereignisse ein sattes Minus ein. Das Budget von 1,6 Millionen Euro wurde um 700.000 Euro überschritten. Nun soll der Rechnungshof prüfen.

"Jeden zusätzlichen Cent hätte der Aufsichtsrat genehmigen müssen", sagt SP-Chef Michael Ritsch. „Nur: Der Aufsichtsrat wusste von nichts", ergänzt Stadträtin Alexandra König, die für die SP im Kontroll-Gremium sitzt. Ex-Geschäftsführer Michael Dünser habe das Gremium nicht informiert. Erfahren habe sie von diesen "unfassbaren Zuständen" erst bei der Aufsichtsratssitzung am 17. März. "Die ÖVP dürfte das aber schon länger wissen", vermutet König. Nur so lasse sich erklären, dass mit der Sparkasse schon im Dezember günstige Konditionen für einen 500.000-Euro-Kredit ausgehandelt wurden. Die Sparkasse Bregenz ist Mitgesellschafterin der Firma. Ihr Direktor Peter Mennel sitzt im Aufsichtsrat. König: "Es stellt sich nun die Frage, wer über die Budgetüberschreitungen informiert war. Die Vorgangsweise der VP ist dubios, ich vermute, dass da was vertuscht werden soll."

"Transparenz" hätte auch der neue Stadtmarketing-Geschäftsführer Eric Thiel gerne. Er übernahm die Leitung mit Jahresbeginn. Welche Hypothek ihm sein Vorgänger hinterlassen hat, wusste er nicht. Thiel: "Es wurde Geld ausgegeben, das nicht vorhanden war."
Nicht die Ausgaben selbst kritisiere er, "aber über die Art und Weise muss man diskutieren". Die Bond-Dreharbeiten und das ZDF-EM-Studio waren, so Thiel, "Jahrhundertchancen für Bregenz", die man genutzt habe. Der Werbewert von Bond betrage 50 Millionen Euro, jener der EM-Übertragung von der Seebühne 80 Millionen Euro. Um dem ZDF entsprechende Bilder zu bieten, musste die Stadt Marketing-Aktivitäten setzen, sagt Thiel. "Man konnte ja keine leeren Seeanlagen zeigen." Rahmenveranstaltungen wurden organisiert und "dafür kräftig die Werbetrommeln gerührt".

Die Bürger zahlen

Die Aufträge bekamen zwei Werbeagenturen. Bei einer davon heuerte Michael Dünser im Herbst nach seiner überraschenden Kündigung an. Die Rechnungen für die Werbeaktivitäten flatterten dem Stadtmarketing noch Monate danach ins Haus. Darunter viele "nicht gerechtfertigte und nicht zuordenbare", weiß Stadträtin König.

SP-Chef Michael Ritsch: "Der Bürgermeister möchte die ganze Geschichte über ein Nachtragsbudget regeln. Aber nicht mit uns. Wir wollen eine Prüfung durch den Rechnungshof." Der Rechnungshof soll die Geldflüsse überprüfen und klären, ob Ex-Geschäftsführer Dünser eigenmächtig gehandelt hat oder der Aufsichtsrats-Vorsitzende, Bürgermeister Markus Linhart (VP), informiert war. Der Prüfung werden auch die Grünen zustimmen. Vize-Bürgermeister Gernot Kiermayr begründet: "Das ist die Stadt der Öffentlichkeit schuldig, weil die Finanzierungslücke aus öffentlichen Geldern abgedeckt werden muss."

Weder Linhart noch Dünser waren am Montag für eine Stellungnahme erreichbar. (Jutta Berger/DER STANDARD-Printausgabe, 31.3.2009)

 

  • Nach Bond und EM fehlt in Bregenz Geld. Der prüfende Blick des Rechnungshofes wird gefordert.
    foto: bregenzer festspiele

    Nach Bond und EM fehlt in Bregenz Geld. Der prüfende Blick des Rechnungshofes wird gefordert.

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