Zuerst das Gewissen und dann das Geld

30. März 2009, 18:09
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Ökonomen erforschen umweltfreundliches Kaufverhalten

Jena - Das Klima ändert sich dramatisch, und die Zeit drängt. Nachhaltiges Konsumieren tut dringend not. Wie aber können wir dazu motiviert werden, uns für möglichst umweltfreundliche Produkte zu entscheiden?

Konventionelle Wirtschaftstheorien gehen davon aus, dass das am besten mit finanziellen Anreizen klappt, egal, ob die nun negativ oder positiv sind. Eine Forschergruppe vom Max-Planck-Institut für Ökonomik in Jena und vom Züricher Institute for Environmental Decisions der ETH Zürich ist der Frage nachgegangen - und kam zu einer etwas anderen Lösung.

Besser würde eine Doppelstrategie wirken. "Bevor die Politik finanzielle Anreize setzt, sollten Informationskampagnen stattfinden, die eine kleine Käuferschicht anspricht", so die Max-Planck-Forscherin Julia Sophie Wörsdorfer.

Für ihre neue Studie, die im Fachblatt Ecological Economics veröffentlicht wurde, hatten die Forscher 1581 potenzielle Autokäufer in der Schweiz danach befragt, was sie zur Anschaffung eines umweltfreundlichen Autos bewegen würde. Dabei zeigte sich, dass es bei rund vier bis acht Prozent der Konsumenten ein intrinsisches ökologischem Bewusstsein gab, sich für ein "grünes Auto" zu entscheiden. Zwar sei diese Gruppe relativ klein, aber trotzdem wichtig für politische Strategien: "Denn sie treibt den technischen Fortschritt und die gesellschaftliche Meinungsbildung an."

Zweistufige Öko-Strategie

Setze die Politik zu früh finanzielle Anreize ein und stimme deren Ausmaß nicht auf die Motivationen der Konsumenten ab, könne deren umweltfreundliches Verhalten im Ergebnis sogar reduzieren. Entsprechend schlagen die Forscher eine zweistufige Strategie vor: Zunächst überzeugt man die kleinere Gruppe der ökologisch Motivierten. Dadurch erhöht man auch die gesellschaftliche Akzeptanz für den zweiten Schritt: monetäre Anreize für die große Gruppe der "Normalkäufer".

"So wird die Gefahr umgangen, die durch das gute Gewissen bewegten Käuferschichten zu vergrätzen, da die ,grünen Konsumenten' ihr Verhalten bereits umgestellt haben", so Wörsdorfer. Die aktuelle Abwrackprämie will die Forscherin indes nicht kommentieren. Und mit der Aktualität sei es auch so eine Sache: Die Befragung in der Schweiz fand bereits im Jahr 2005 statt - lange vor den IPCC-Klimaberichten und der Weltwirtschaftskrise. (tasch/DER STANDARD, Printausgabe, 31. 3. 2009)

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