Freispruch für Arzt

30. März 2009, 17:46
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Chirurg hatte Sohn, der kein Mediziner ist, assistieren lassen

Innsbruck - Wegen fahrlässiger Tötung unter besonders gefährlichen Umständen musste sich am Montag in Innsbruck ein Chirurg vor Gericht verantworten. Dem Mediziner wurde vorgeworfen, „ohne ausreichende fachgerechte medizinische Abklärung" und mithilfe seines Sohnes, der gar nicht Medizin studiert, den Tod einer Frau verschuldet zu haben.

Die Patientin war von dem 47-jährigen Arzt im April 2007 an der Speiseröhre operiert worden und während der Operation an einem Riss der Bauchaorta verblutet. Die 50-Jährige hatte an sogenanntem Reflux gelitten: Immer wieder war Magensaft in die Mundhöhle emporgestiegen.
Ihr Leidensdruck sei groß gewesen, erklärte der Angeklagte. Eine Behandlung mit Medikamenten habe die Frau abgelehnt, sie habe unbedingt eine Operation gewollt. Diese sollte über kleine Schnitte im Bauchraum durchgeführt werden. Den Eingriff im Sanatorium Kettenbrücke überlebte die Patientin nicht.

Laut Anklage soll zudem kein Facharzt für Gefäßchirurgie, der auf den Aortariss rascher hätte reagieren können, beim Eingriff dabei gewesen sein. Im Gegenteil: Die Operation soll unter Mithilfe von zwei Assistenzkräften durchgeführt worden sein: neben dem Sohn, der seinem Vater schon bei „mehr als hundert Eingriffen" assistiert haben soll, auch einem Medizinstudenten. Der Angeklagte rechtfertigte sich, derartige Eingriffe an der Speiseröhre würden sogar „ohne jegliche Assistenz" durchgeführt.
Dem widersprach ein Sachverständiger, der zudem kritisierte, dass vor dem Eingriff keine diagnostische Untersuchung stattgefunden habe. Der Richter fand keinen kausalen Zusammenhang zwischen einer nicht stattgefundenen Vorabklärung und dem Tod der Patientin.
Weiters sei der Verlauf einer solchen Operation auch mit „qualifizierten" Assistenzen ungewiss. Der Freispruch ist nicht rechtskräftig. (ver/DER STANDARD-Printausgabe, 31.3.2009)

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