Der Genius und sein Locus

30. März 2009, 18:01
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Eisenstadt nimmt den 200. Todestag Joseph Haydns zum Anlass, sich als "Originalschauplatz" zu inszenieren

Eisenstadt - Das Burgenland hat sich festlich herausgeputzt. Immerhin gilt es sich im gleißenden Licht jener Sonne zu präsentieren, die hier vor rund 250 Jahren aufgegangen ist, um die sogenannte Wiener Klassik zu begründen, die ihrerseits dann den Weg ins modernere Musizieren gewiesen hat.

Rechtzeitig zum 277. Geburtstag dieser pannonischen Sonne - Joseph Haydn kam am 31. März 1732 im nahen, aber doch "unterösterreichischen" Rohrau zur Welt - eröffnet sich Eisenstadt selbst als wohl größter Ausstellungsraum der Welt. Bis zum 11. November mutiert die burgenländische Landeshauptstadt zum "Originalschauplatz", der heute, zu Haydns Geburtstag, mit einem Konzert unter Nikolaus Harnoncourt im - originalen - Haydnsaal des Schlosses Esterházy eröffnet wird.

Ab 1. April wird Eisenstadt dann endgültig zum Schauraum. Das Team um den Schlossmanager Wolfgang Kuzmits hat sich diesbezüglich jedenfalls ein sehr interessantes Konzept einfallen lassen. Sie teilten die Suche nach dem "Phänomen Haydn" auf vier Schauplätze auf. Diese liegen zueinander in Flanierdistanz, und nimmt man noch die anderen - natürlich auch unbedingt zu besichtigenden - Plätze dazu, das Haydn-Mausoleum in der Bergkirche und das Gartenhäuschen bei der Bank Burgenland, dann hat man ganz Eisenstadt tatsächlich zu Fuß durchwandert. Und darf dann davon halten, was man will.

Das Recht des Tüchtigen

Dass Eisenstadt aber tatsächlich ein gutes Recht hat, sich so in Szene zu setzen, ist zumindest unter Haydn-Freaks unumstritten. Nicht nur, dass der Genius hier wahrhaftig wirkte. Der Locus bemüht sich seit vielen Jahren, diesem Umstand - der „locus genii" zu sein - gerecht zu werden. Unter der Intendanz von Walter Reicher wurde Eisenstadt zum Zentrum der weltweiten Haydn-Pflege. Und das Museum im Haydn-Haus unter Musikwissenschafter Gerhard Winkler zu einem Kompetenzzentrum der Haydn-Forschung.

Das Zentrum des Haydn-Jahres und seiner Aktivitäten ist naturgemäß das Schloss, in dem Haydn gut dreißig Jahre arbeitete, dem Fürsten zur Ehre und mit dessen Sanktus auch zu seinem eigenen Lob. Haydn selbst streicht den Locus Eisenstadt ja ausdrücklich hervor. Erst die "Weltabgeschiedenheit" hier und später dann im ungarischen Eszterháza hätte ihn gezwungen, "original" zu werden.

Den Grundlagen Haydn'scher Originalität spürt die vierteilige Ausstellung jedenfalls in spannender Weise nach. Die Schau im Schloss präsentiert die Arbeitsbedingungen sowohl hinter als auch vor der Bühne der fürstlichen Hofhaltung, der Haydns Musik als akustischer Rahmen diente. Folgerichtig präsentiert die Schau nicht nur den penibel verfassten Anstellungsvertrag, sondern auch dessen Resultat, den Hörraum für den Beinamen seines wichtigsten der insgesamt vier arbeitgebenden Fürsten, Nikolaus I., den man mit einigem - auch ironischem - Recht den "Prachtliebenden" nannte.
Die Ausstellung "Phänomen Haydn - prachtliebend" endet mit dem politischen Musikanten, wozu auch die britische Queen mit einem Haydn-Porträt aus ihrem Bestand beigetragen hat. Gegen die "Marseillaise" und nach dem Vorbild von "God save the King" komponierte Haydn im Auftrag des Grafen Saurau die Kaiserhymne, die jetzt die Deutschen singen.

Die weiteren Standorte sind das Haydn-Haus („Phänomen Haydn - bürgerlich"), das Diözesanmuseum („Gottbefohlen") und das Landesmuseum, das unter dem Titel "Crossover" den pannonisch-multikulturellen Wurzeln nachgeht. Rund zehn Millionen Euro wurden für das Haydn-Jahr im Burgenland in die Hand genommen, die Hälfte davon zusätzlich zu den ohnehin jährlichen Aktivitäten. Von offizieller Stelle, also EU, Bund und Land. Die Esterházy selbst klinken sich mit eigenem Programm ein. Ab 10. April läuft in der neu adaptierten „Sala Terrena" die Ausstellung "Haydn Explosiv". Danach aber, so heißt es, trennen sich die Wege von Fürst und Land. (Wolfgang Weisgram, DER STANDARD/Printausgabe 31.3.2009)

  • Auch Einblicke in die Modekultur zur Zeit Joseph Haydns werden nun in Eisenstadt gewährt.
    foto: haydn '09

    Auch Einblicke in die Modekultur zur Zeit Joseph Haydns werden nun in Eisenstadt gewährt.

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