Der neue Uni-KV soll berechenbare Karrieren bringen

30. März 2009, 15:45
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Eckpunkte sind ein neues Laufbahnmodell für Wissenschafter, höhere Anfangsgehälter und eine Pensionskassenregelung

Wien - Der geplante neue Kollektivvertrag (KV) für das wissenschaftliche und künstlerische Personal und die allgemeinen Bediensteten an den Universitäten - insgesamt rund 30.000 - soll für alle seit dem 1. Jänner 2004 neu eingetretenen Mitarbeiter gelten. Ab diesem Zeitpunkt (Vollrechtsfähigkeit der Unis) wurde Personal nur mehr nach dem Angestelltenrecht aufgenommen, für einen Teil der Wissenschafter gilt noch immer das Übergangsdienstrecht von 2001 mit ausnahmslos befristeten Stellen. Für die Hochschullehrer-Gewerkschaft wird die Laufbahn durch den neuen KV für den Arbeitnehmer "berechenbar". Montagnachmittag geben die Rektoren bekannt, ob sie der Finanzierung des KV zustimmen.

Laufbahn

Eine typische wissenschaftliche Uni-Laufbahn soll künftig so aussehen: Die erste Sprosse der Karriereleiter nach dem Master bzw. Diplom ist eine auf vier bis sechs Jahre befristete Stelle als Uni-Assistent. In dieser Zeit sollte Doktorat bzw. PhD absolviert werden. Noch bevor dieser Vertrag ausläuft, sollte in einem Gespräch zwischen Arbeitgeber und -nehmer klar werden, ob man Chancen für eine weitere wissenschaftliche Karriere an der jeweiligen Uni hat. Wenn ja, kann man sich auf eine sogenannte "Laufbahnstelle" bewerben, also eine maximal sechsjährige Post-Doc-Stelle mit dem Titel "Assistenzprofessor" ("Assistant Professor").

Für diese Stelle muss mit der Uni-Leitung eine "Qualifikationsvereinbarung" abgeschlossen werden. Darin wird festgelegt, was der Kandidat in einem Zeitraum von bis zu sechs Jahren erreichen muss - etwa eine Habilitation und eine Lehrqualifikation oder eine bestimmte Publikationsleistung. Ob diese Ziele erreicht werden wird am Ende der Frist überprüft.

Qualifikationsvereinbarung

Erfüllt man die Qualifikationsvereinbarung, wird man automatisch "Assoziierter Professor" ("Associate Professor") und damit unbefristet angestellt. Dieser Schritt soll früher erfolgen als derzeit Nachwuchswissenschafter die Habilitation erwerben. Will man die Karriereleiter noch weiter hinaufklettern, muss man sich auf die Stelle eines "Universitätsprofessors" bewerben und sich dabei - wie bisher - in einem Berufungsverfahren bewähren. Aufgrund der Aufrechterhaltung dieses Berufungsverfahrens ist das neue Karrieremodell nach Ansicht der Gewerkschaft auch nicht mit dem amerikanischen "tenure track" vergleichbar.

Daneben soll es noch eine Schiene für "Systemerhalter", sogenannte "Senior Scientists" oder "Senior Artists" geben. Das kommt etwa für Sprachlehrer, Musiklehrer, Laborbetreuer bzw. einen Oberarzt infrage, der keine wissenschaftliche Karriere macht, aber als Spitals-Oberarzt gebraucht wird. Für alle Stufen der Karriereleiter gilt, dass eine zweimalige negative Evaluierung einen Kündigungsgrund darstellt.

Profitieren vom KV sollen junge Wissenschafter auch durch höhere Anfangsgehälter: Derzeit verdient man als Jung-Forscher am Beginn der Uni-Karriere 1.400 bis 1.900 Euro brutto monatlich, künftig liegt das Mindestgehalt für Uni-Assistenten am Beginn bei 2.398 Euro (inklusive zwei bis vier Semesterwochenstunden Lehre). Für einen "Assistenzprofessor" beträgt das Mindestgehalt 3.270 Euro, für einen "Assoziierten Professor" 4.142 Euro und für einen berufenen Uni-Professor 4.360 Euro.

Mehr Rechte für Lektoren

Im KV enthalten ist auch eine Pensionskassenregelung für die Uni-Bediensteten sowie eine Lösung für die sogenannten Existenz-Lektoren. In der Vergangenheit waren Hunderte davon bei ihrer Lehrtätigkeit von Jahresverträgen abhängig. Sie sollen künftig in das wissenschaftliche Personal integriert werden. Bis zu sechs - bei Teilzeitbeschäftigung bis zu acht - Jahre ist weiterhin eine befristete Anstellung möglich, danach nur noch unbefristet.

Auch der von der Gewerkschaft geforderte bis zu sechsmonatige Studienurlaub wurde in den KV aufgenommen und kann etwa für einen Forschungsaufenthalt im Ausland oder praxisnahe Forschung in der Wirtschaft genutzt werden. Im KV wurde ein Recht auf diese Auszeit verankert, die konkreten Bedingungen dafür können die einzelnen Unis in Betriebsvereinbarungen festlegen.

Den 12.000 nicht-wissenschaftlichen Mitarbeitern soll der KV laut Alfred Müller, dem Vorsitzenden der Gewerkschaft für das allgemeine Uni-Personal, vor allem soziale Absicherung bringen: ein Mindestgehalt, stärkere Leistungsbezogenheit der Löhne, Qualifizierungsmöglichkeiten und Planbarkeit der Karriere. Seit 2004 habe es eine signifikante Zunahme an atypischen Arbeitsverhältnissen gegeben, die in Einzelverträgen vereinbarten Einkommen wiesen erhebliche Unterschiede auf. Mit dem KV solle nun ein "Regelsystem für die Entlohnung und Verwendung von Personal" geschaffen werden, so Müller. Dazu werden laut Entwurf auch die 30 "Verwendungsbilder" des Beamtendienstrechts auf acht flexiblere Postenbeschreibungen reduziert. (APA)

 

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