Walesa droht mit Emigration

30. März 2009, 15:28
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Als Reaktion auf erneute Vorwürfe der Zusammenarbeit mit kommunistischem Geheimdienst

Warschau - Der polnische Ex-Präsident und legendäre Oppositionsführer Lech Walesa hat mit seiner Emigration aus dem Land gedroht, nachdem erneut Vorwürfe über seine angebliche Zusammenarbeit mit dem kommunistischem Geheimdienst aufgetaucht sind. Pawel Zyzak, ein 24-jähriger Historiker des Instituts für das Nationale Gedächtnis (IPN), hatte sein neues Buch "Lech Walesa. Die Idee und Geschichte" veröffentlicht, in dem er Walesa vorwirft, für den Geheimdienst gearbeitet zu haben.

"Ich verzichte auf eine Teilnahme an allen Jubiläumsfeierlichkeiten und ähnlichen offiziellen Begegnungen", schrieb Walesa in einem emotionellen Eintrag in seinem Internet-Blog. Sollte das nicht helfen, werde er alle seine staatlichen Auszeichnungen zurückgeben und im Extremfall sogar emigrieren, drohte Walesa.

Uneheliches Kind

Zyzak behauptete in seiner Veröffentlichung, dass der Gründer und jahrelanger Chef der Solidarnosc-Gewerkschaft schon in den 1960er Jahren beim kommunistischen Geheimdienst mitgearbeitet haben soll. Außerdem soll er der Vater eines unehelichen Kindes sein, das 1963 geboren wurde. Der Historiker erklärte, dass seine Arbeit nicht nur aus Informationen aus anonymen Quellen sondern auch auf Dokumenten basiert. Namentliche will er seine Quellen aber nicht verraten.

Es ist nicht das erste Mal, dass Mitarbeiter des IPN Walesa in ihren Veröffentlichungen als kommunistischen Geheimdienstagenten nennen. Die Autoren Slawomir Cenckiewicz und Piotr Gontarczyk behaupten in einem umstrittenen, vom IPN im Juni 2008 veröffentlichten Buch über die angebliche Spitzeltätigkeit Walesas, der spätere Friedensnobelpreisträger und Oppositionsführer Walesa habe Anfang der 1970er Jahre in seiner Zeit an der Danziger Lenin-Werft als Inoffizieller Mitarbeiter (IM) "Bolek" mit dem Geheimdienst zusammengearbeitet und dafür Geld erhalten. Nach seiner Wahl zum Staatspräsidenten 1990 habe er zudem versucht, seine frühere Tätigkeit rechtswidrig zu vertuschen. Er habe sein Dossier aus dem Archiv und für ihn kompromittierende Dokumente beseitigt.

Opferstatus

Walesa bestreitet seit Jahren vehement, als Informant für den kommunistischen Geheimdienst gearbeitet zu haben. 1992 hatte der damalige Innenminister Antoni Macierewicz das frühere Staatsoberhaupt auf eine Liste kommunistischer Agenten gesetzt. 2000 unterzog sich Walesa anlässlich der Präsidentenwahl einem gerichtlichen Verfahren. Das Gericht kam damals zu dem Schluss, dass der Gewerkschaftsaktivist nicht Agent des Geheimdienstes war. Aufgrund jenes Urteils erkannte ihm das IPN vor zwei Jahren den Status des Geheimdienst-Opfers zu. Trotzdem musste sich Walesa danach mehrmals gegen Vorwürfe der Zusammenarbeit mit dem Geheimdienst SB verteidigen. (APA)

 

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