Wien hat zu wenig Polizisten

30. März 2009, 14:40
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Exekutive der Bundeshauptstadt muss über 50 Prozent der Aufgaben erfüllen, hat aber nicht einmal 20 Prozent des Personals zur Verfügung - Tanz "auf zu vielen Kirtagen"

Wien - Die Aussagen von Innenministerin Fekter zur Polizeidebatte sprühen vor "Unkenntnis, die an Gefährlichkeit grenzt", sagte Harald Segall, Vorsitzender der Personalvertretung der Wiener Polizei, im Gespräch mit der APA. Wien habe zu wenig Polizisten. Die Beamten in der Bundeshauptstadt haben über 50 Prozent der Aufgaben zu erfüllen, aber nicht einmal 20 Prozent des Personals zur Verfügung, sagte der Personalvertreter.

"2007 hat es 589.000 strafrechtlich relevante Anzeigen gegeben, davon entfielen 300.000 auf Wien", erläuterte Segall. In den vergangenen zehn Jahren seien über 1.000 Beamte eingespart worden. "Man hat uns nicht nur Leute weggenommen, sondern auch zusätzlich verwaltungstechnische Aufgaben wie Protokollieren und Statistiken führen auferlegt", kritisierte Segall. Dieser immens hohe Aufwand fordere Zeit und binde die Polizisten an die Schreibtische.

Empört über Städtevergleiche

Empört zeigte sich der Personalvertreter über den von der Ministerin angestellten Vergleich der Wiener Polizeiarbeit mit jener in den Ballungsräumen von Linz, Wels und Steyr. Die Aufgaben dort seien mit denen in Wien nicht vergleichbar. "Dort gibt es kein Parlament oder keine Großdemos, Staatsbesuche oder Konzerte dieser Größenordnung. Das alles passiert bei uns in der Bundeshauptstadt", sagte Segall. Personal für die dafür notwendigen Reservekompanien werde aus den Wachzimmern abgezogen. Ununterbrochen werde dadurch der normale Betrieb behindert. "Weil wir auf zu vielen Kirtagen gleichzeitig tanzen."

"Wir brauchen tausend fehlende Planstellen unbedingt wieder zurück." Auf jeder Polizeistation fehlen 30 Prozent Personal, "wir brauchen mehr Fachchargen und mehr Polizisten auf der Straße. Aber auch bei den Sondereinheiten wie der WEGA (Wiener Einsatzgruppe Alarmabteilung, Anm.) fehlen Leute."

Belohnungen für Fahndungserfolge seien grundsätzlich nicht schlecht, aber es sei nicht zu begrüßen, dass "der eine was bekommt, obwohl der andere seine Arbeit in einem anderen Bereich genauso gut macht". Weit notwendiger wäre für den Personalvertreter eine "Abgeltung für definitiv vorhandene Belastungen in Ballungszentren". (APA)

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