Polytec-Ergebnisse brechen ein

30. März 2009, 18:39
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Oberösterreichischer Konzern hat nach Großakquisition Finanzierungsprobleme und prüft Staatshilfe

Hörsching/Wien - Knapp vor Ausbruch der Automobil-Krise wurde noch kräftig akquiriert, dann brachen die Märkte weg und die Finanzierung der Übernahme wackelte. Begleitet wird die Entwicklung von massivem Mitarbeiterabbau und Hilfsansuchen an den Staat: Die Rede ist nicht von Schaeffler, dem wegen der Conti-Übernahme in Schieflage geratenen deutschen Autozulieferer, sondern von Polytec.

Der auf Kunststoffteile spezialisierte oberösterreichische Konzern hatte im Herbst des Vorjahres den größeren deutschen Rivalen Peguform mit 7000 Mitarbeitern und 1,4 Mrd. Euro Umsatz um 218 Mio. Euro übernommen. Zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt, wie sich jetzt herausstellt: Denn seither leidet Polytec massiv unter dem Einbruch der Automobilindustrie. Vom Peguform-Verkäufer - Bawag-Eigentümer Cerberus - werden dem Vernehmen nach Preisnachlässe gefordert. Wegen Liquiditätsproblemen wird mit den Banken über eine "Neustrukturierung der gesamten Finanzierungsbasis" verhandelt - die Nettoverschuldung beläuft sich auf 345,5 Mio. Euro. "Auch die Möglichkeit der Inanspruchnahme von öffentlichen Krisenunterstützungsprogrammen befindet sich in mehreren Ländern in Prüfung", heißt es in einer Aussendung der Polytec.

Eine Besserung der Lage kann Polytec derzeit nicht erkennen, weshalb weiterer Personalabbau notwendig erscheine. Zudem werde nun die weitere Schließung von Standorten geprüft. Auf die wegbrechenden Aufträge von Autobauern hat Polytec seit September mit dem Abbau von rund 2600 der insgesamt etwa 11.000 Mitarbeitern reagiert. Ergänzend dazu sei an den meisten Standorten Kurzarbeit eingeführt worden. Der Standort in der Slowakei wurde im Dezember geschlossen.

Den Umsatz habe Polytec 2008 akquisitionsbedingt um 62,7 Prozent auf 1,08 Milliarden Euro gesteigert. Der jüngste Zukauf, die Peguform Group, sei aber nur mit einem Quartal enthalten. Das Betriebsergebnis (Ebit) sank 2008 wegen Firmenwertabschreibungen um 43,0 Prozent auf 23,4 Mio. Euro. Im vierten Quartal war es mit 2,6 Mio. Euro bereits negativ, nachdem in den letzten drei Monaten 2007 noch 14,9 Mio. Euro verdient worden waren.

Dividende soll für 2008 keine gezahlt werden. Das werde der Vorstand der Hauptversammlung vorschlagen, gab Polytec bekannt. 2007 waren noch 0,30 Euro je Anteilsschein an die Aktionäre ausgeschüttet worden. (as, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 31.03.2009)

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