Neues Handbuch für Sportler

30. März 2009, 13:41
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Sportminister Darabos weiter für Haftstrafen, "es geht aber nicht um eine Hexenjagd"

Wien - Verhaftungen, Hausdurchsuchungen, Geständnisse und öffentliche Anschuldigungen - die Ereignisse rund um die Manipulation sportlicher Leistungen mittels unerlaubter Substanzen haben aktuell eine in Österreich bisher nicht gekannte Dimension erreicht. Angesichts der jüngsten Entwicklungen hat Sportminister Norbert Darabos (SPÖ) am Montag seine Forderung nach der Schaffung der Möglichkeit, dopende Sportler strafrechtlich verfolgen zu können,
erneut bekräftigt.

Handbuch für Sportler

Um Spitzensportler und deren Betreuer über den Themenkreis Doping besser aufzuklären, hat die Nationale Anti-Doping Agentur (NADA) am Montag eine Anti-Doping-Broschüre mit dem Titel "Handbuch für Leistungssportler" vorgestellt. NADA-Geschäftsführer Andreas Schwab erklärte, dass mit Hilfe der Erstauflage von 6.000 Stück Alternative (erlaubte) Möglichkeiten zur Leistungssteigerung, Rechte und Pflichten von Athleten sowie der Ablauf einer Dopingkontrolle werden darin in ihren Eckpunkten erklärt.

"Nur wer über Doping und Dopingkontrollen informiert ist, kann sich an Anti-Doping-Bestimmungen halten", heißt es in der Einführung. Doping-Fälle sollen durch Unwissenheit, Fehlverhalten oder Verfahrensfehler verhindert werden. Das 20 Seiten starke Büchlein soll über die Fachverbände an die Sportler gelangen, der Fußball-Verband (ÖFB) habe bereits 1.000 Stück geordert, so Schwab.

Strafen zur Ausforschung

Darabos erklärte bei der Präsentation, dass es auch künftig eine Unterscheidung geben müsse, "bei welchen Dopingmitteln eine strafrechtliche Verfolgung möglich ist. Wer wissentlich Wachstumshormone nimmt, Blut- und Gendoping betreibt, sollte darunter fallen. Über genaue Definitionen wird noch zu diskutieren sein. Es geht dabei nicht um eine Hexenjagd", erklärte der Minister. Er ist der Ansicht, dass die Androhung von Gefängnisstrafen zur Ausforschung von Hintermännern nützlich sein könnte. Bei Zusammenarbeit mit den Behörden sei ein möglicher Straferlass angedacht.

Im Gegensatz zu Darabos äußerte sich Schwab deutlich zurückhaltender. "Wir haben mit den bestehenden Gesetzen zu arbeiten, weitere Entscheidungen liegen bei den Politikern", erklärte der NADA-Geschäftsführer. Seit August 2008 ist unter gewissen Bedingungen der Besitz, die Weitergabe und der Handel von im Sport verbotenen Substanzen mit Gefängnisstrafen bedroht. Gedopte Sportler selbst haben nicht mit Haftstrafen zu rechnen. (APA)

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    NADA-Chef Andreas Schwab (li.) und Sportminister Norbert Darabos.

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    Das neue Handbuch soll auch über legale Wege zur Leistungssteigerung informieren.

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