Generali Österreich wächst stärker als der Markt

30. März 2009, 12:50
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Die Ergebnisse seien wegen der Finanzkrise spürbar gesunken, die Kunden seien zurückhaltender

Wien - Generali Österreich ist im Vorjahr kräftiger als der Markt gewachsen, spürt aber jetzt ebenfalls die Kundenzurückhaltung aufgrund der Wirtschaftskrise. Die Ergebnisse sind 2008 infolge der Finanzmarktturbulenzen gesunken, bei den Kapitalanlagen musste man Abschreibungen vornehmen. Im klassischen Lebensgeschäft und in Nichtleben erwartet man für 2009 stagnierende Einnahmen, aber einen Rückgang bei den Einmalerlägen. Besonders erfolgreich entwickelt sich der BAWAG-P.S.K.-Vertrieb, wurde am Montag im Bilanzpressegespräch erklärt. Die Gesamtverzinsung in Leben bleibt bei 4,25 Prozent.

Die Prämieneinnahmen der Generali-Österreich-Gruppe stiegen 2008 auf vergleichbarer Basis im direkt verrechneten Inlandsgeschäft um 4,3 Prozent auf 2,435 (2,334) Mrd. Euro, wodurch der Marktanteil auf 15 (14,8) Prozent erhöht wurde. Unbereinigt sank die verrechnete Prämie brutto stark auf 2,492 (3,718) Mrd. Euro, da sich Generali 2007/08 vom CEE-Teil mit 1,46 Mrd. Prämienvolumen getrennt hat. Die 1,5 Mrd. Euro Verkaufserlös daraus liegen derzeit gut veranlagt, sind aber noch nicht re-investiert. Dazu stehe die gemeinsame Entscheidung mit der Konzernzentrale Triest noch aus, sagte Finanzvorstand Andreas Haschka. Offen sei unter anderem das Land, in dem investiert werde.

Insgesamt 165 Mio. Euro Abschreibungen auf die 10 Mrd. Euro Kapitalanlagen musste Generali Österreich 2008 wegen der Finanzkrise tätigen, 2007 waren es naturgemäß deutlich weniger gewesen. Das Finanzergebnis insgesamt lag bei 25 Mio. Euro, nach 1,190 Mrd. Euro im Jahr davor, als auch der Ostverkauf erfolgte und die Finanzerträge ungleich höher waren. Nach Sparten sank das Finanzergebnis 2008 in Schaden/Unfall auf 236 (852) Mio. Euro und drehte in Leben auf -156 (+331) Mio. Euro ins Minus. Das EGT verringerte sich unbereinigt auf 93 (854) Mio. Euro, für 2007 wurde das Konzern-EGT ohne Erträge aus dem Ostverkauf vor einem Jahr mit 200 Mio. Euro beziffert. Nach 21 (14) Mio. Euro Steuern blieben nun 72 (840) Mio. Euro Konzernergebnis; ohne CEE-Entkonsolidierung wären es circa 180 Mio. Euro gewesen. Trotz schwierigen Umfelds habe man am strengen Niederstwertprinzip festgehalten und keine Bilanzierungserleichterung angewendet.

Kapitalanlagen wachsen

Die Kapitalanlagen des Konzerns wuchsen auf vergleichbarer Basis um 5,1 Prozent auf 9,975 Mrd. Euro. Dabei legten die Anleihen nochmals leicht um 4,0 Prozent auf 5,752 Mrd. Euro zu, der Cash-Bestand um 22,1 Prozent auf 194 Mio. Euro und die Darlehen (etwa der Republik Österreich) verdreifachten sich auf 1,937 Mrd. Euro (+215 Prozent). Die Aktien-Anlagen halbierten sich auf 516 Mio. Euro (-54 Prozent), der Aktienanteil sank auf 5 Prozent; dabei sei man aber schon im 1. Quartal 2008 aus vielen Titeln ausgestiegen. Die laufenden Erträge aus Kapitalanlagen sanken auf 427 (460) Mio. Euro.

Technisch gesehen sieht sich Generali Österreich auf gutem Weg: Die Combined Ratio, die Schäden und Kosten gemessen an den Einnahmen, sank auf 96,0 (96,9) Prozent netto; dabei stieg der Schadensatz auf 68,6 (67,2) Prozent und der Kostensatz verringerte sich auf 27,4 (29,6) Prozent. Trotz der Frühjahrsstürme Paula und Emma habe Generali die technische Position in Non-Life verbessern können, betonte Vorstandsvorsitzender Luciano Cirina. Zudem habe man wegen der schon 2006/07 eingeleiteten Maßnahmen die Kostenposition absolut verbessert. Ein weiterer Mitarbeiterabbau sei derzeit nicht geplant, so Cirina. Die Mitarbeiterzahl sank 2008 auf 5.155 (5.343).

Auch das hohe Eigenkapital von 1,904 Mrd. Euro dokumentiere die Stärke der Generali, hieß es. Die Eigenmittelausstattung liege um 230 Prozent über dem gesetzlichen Erfordernis. Die Eigenkapitalquote betrug 13,4 Prozent bezogen auf die Bilanzsumme von 14,213 Mrd. Euro.

Klassische Leben wächst leicht

Für 2009 erwartet Generali Österreich in Nichtleben stagnierende Einnahmen und bei den Einmalerlägen einen Rückgang. Bei klassischen Lebenspolizzen gebe es "heuer doch ein Plus" und damit "eine Renaissance", erklärten Vorstandschef Luciano Cirina und Finanzvorstand Andreas Haschka am Montag im Bilanzpressegespräch. Das Geschäft sei durch die Wirtschaftskrise insgesamt mühsamer geworden: "Man braucht wesentlich mehr Zeit für einen Abschluss, sagt uns der Vertrieb", so Cirina. Die Zahlungsmoral sei nicht schlechter, es gebe aber leicht erhöhte Rückkäufe von 2,7 Prozent 2008, nach 2,4 Prozent im Jahr davor.

Besondere Freude hatte man 2008 mit der BAWAG P.S.K. Versicherung, an der 50,01 Prozent Generali und 49,99 Prozent die BAWAG Bank für Arbeit und Wirtschaft (über die P.S.K. Beteiligungsverwaltung GmbH) halten. Die Einnahmen der gemeinsamen Assekuranz-Tochter legten bezogen aufs Gesamtjahr 2007 um 19,5 Prozent auf 208,8 Mio. Euro zu (davon 116,3 Mio. Leben laufend und 92,5 Mio. Einmalerläge), womit bereits 9 Prozent der Generali-Prämien von dort kommen.

Wegen dieses wichtigen Vertriebswegs stelle sich für die Generali die Frage einer Abwertung des BAWAG-Anteils - 3,2 Prozent an der Bank - anders als für die Post AG nicht, so Haschka: "Die Vertriebszahlen sprechen eindeutig für die Partnerschaft." Für Aufsehen sorgte kürzlich, weil die Österreichische Post AG in der Bilanz 2008 ihren 5-Prozent-Anteil an der BAWAG von 80 auf 40 Mio. Euro abgewertet hat. (APA)

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