Neues Wirkprinzip gegen Gelenksrheuma

30. März 2009, 12:45
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Effekt auch noch nach Versagen anderer Therapien - Arzneimittel Tocilizumab dämpft Entzündungsreaktionen

Wien - Neues Wirkprinzip gegen Gelenksrheuma: Trotz verschiedener moderner Therapien sprechen noch immer mehr als 50 Prozent der Behandelten nicht ausreichend an. Am besten ist es aber, die chronische Entzündung der Gelenke durch Autoimmunprozesse vollständig zum Stillstand zu bringen. Jetzt steht mit dem Biotech-Medikament Tocilizumab eine zusätzliche Alternative zur Verfügung, hieß es am Montag bei einer Pressekonferenz in Wien. Wirksamkeitsstudien dazu liefen auch in Wien ab.

Von "Basistherapeutika" zu Biotech-Medikamenten

An rheumatoiden Arthritis leiden rund 80.000 Österreicher. Viele Jahre lang waren herkömmliche "Basistherapeutika" wie das Zystostatikum Methotrexat, Sulfasalazin und später Leflunomid die Hauptbestandteile der medikamentösen Behandlung der rheumatoiden Arthritis. Vor etwas mehr als zehn Jahren gab es einen deutlichen Fortschritt mit Biotech-Medikamenten (monoklonale Antikörper) zur Hemmung des körpereigenen Entzündungsbotenstoffes TNF-alpha. Es folgten andere Biotech-Präparate zur Verhinderung der Aktivierung von T-Zellen und zur Beseitigung der B-Zellen des Immunsystems, die ebenfalls an der chronischen Entzündung der Gelenke mit deren drohenden Zerstörung beteiligt sind.

Tocilizumab dämpft Entzündungsreaktionen

Doch es gab auch hier noch viel Platz für Verbesserungen. Josef Smolen, Chef der Klinischen Abteilung für Rheumatologie am Wiener AKH: "Mehr als 50 Prozent der Patienten kommen nicht zu einer Verbesserung ihres Krankheitsbildes um zumindest 50 Prozent."

Mit Tocilizumab steht jetzt ein monoklonaler Antikörper zur Verfügung, der Entzündungsreaktionen dämpfen kann. Eine Phase-III-Studie zur Wirksamkeit des Medikaments wurde von Smolen und seinen Mitarbeitern vor rund einem Jahr publiziert. Jetzt ist das Arzneimittel für die Behandlung von Patienten in einer Kombinationstherapie mit Methotrexat zugelassen, wenn sie vorher auf ein oder mehr Basismedikamente nicht angesprochen haben, Anti-TNF-Arzneimittel nicht wirkten oder nicht vertragen wurden. Als Monotherapie kann Tocilizumab vor allem dann verwendet werden, wenn eine Unverträglichkeit auf Methotrexat vorliegt. Die Ergebnisse aus den Untersuchungen an Patienten sind positiv. (APA/red)

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