Kein Umdenken in der Krise

30. März 2009, 11:03

Die "Symptombekämpfung", die wir von unseren Politikern gewohnt sind, wird wohl noch eine Zeit lang so weiter gehen

Die Gemeinschaft der EU-27 erwirtschaftet in Summe das größte Bruttoinlandsprodukt der Welt. Und steckt bis über beide Ohren in der Krise. Das System bricht zusammen, wie es durch den Zinseszins von Anfang an vorprogrammiert war. Denn das Geld zur Bezahlung von Krediten wird durch die Aufnahme neuer Kredite geschöpft. Und weil Schulden mit Zins und Zinseszins zurückbezahlt werden müssen, ist die Wirtschaft gezwungen, immer weiterzuwachsen. Schulden auf der einen und Vermögen auf der anderen Seite steigen ins Unermessliche.
Führende EU-Vertreter wie der Chef der EU-Kommissionsvertretung in Österreich, Richard Kühnel halten von Konzepten, die eine völlige Neustrukturierung des Geld- und Wirtschaftssystems fordern, wenig. Von der globalisierungskritischen Gruppe „attac" sieht er die Marktwirtschaft in Frage gestellt.

Stellt sich die Frage, was in einem Finanzsystem, in dem Schulden und Vermögen durch den Zinseszins ständig anwachsen, wirklich in Frage zu stellen ist. Das reichste Prozent der österreichischen Bevölkerung besitzt 34 Prozent des Vermögens. Der vom Zinseszins verursachte Wachstumszwang erschöpft unsere Rohstoffe und zerstört die Umwelt.
Geht es nach Kühnel, soll die Marktwirtschaft in eine sozialere und ökologisch nachhaltigere Richtung gelenkt werden. Akuter Bedarf an tiefgreifenden Änderungen des Systems bestehe jedoch keiner. Somit wird die "Symptombekämpfung", die wir von unseren Politikern gewohnt sind, wohl noch eine Zeit lang so weiter gehen. (Anton Maurer)

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Alternativen?/2

Dennoch sind diese Kapitalanlagen Basis für die Geldwirtschaft (gewesen), indem sie als Besicherung für die Vergabe von weiteren Krediten (-> noch stärkere Ausweitung der Geldmenge) gedient haben.

Die Folge: "Verzerrung" der Allokation von Vermögen, was neben Hyperinflation und Deflation einer der Hauptgründe für volkswirtschaftliche Einbrüche ist.

Ich schätze, dass sich inzwischen mehr als zwei Drittel des Nettovermögens in solchen "verzerrten" Kapitalanlagen befinden, aus denen jetzt gerade die Luft gelassen wird. Zusammen mit diesen Kapitalanlagen ist leider auch die Realwirtschaft verzerrt worden (siehe z.b. die unüberschaubaren Überproduktionen im Automobilsektor), d.h. ALLE sind jetzt von der Entzerrung betroffen.

Währungspolitischer Handlungsbedarf

Weiter zur Eurozone (Teil 2):
Vollgeld (keine Geldschöpfung durch private Geschäftsbanken, Schaffung einer unabhängigen monetären Staatsgewalt, siehe u.a. die Vorschläge von Joseph Huber in http://www.soziologie.uni-halle.de/publikati... /0405.pdf) und durch Maßnahmen, die den Geldzins dauerhaft um Null pendeln lassen

Um den Übergang in das neue System möglichst problemlos zu gestalten, sollte es zunächst als Parallelwährung zum Euro eingeführt werden. Jede Bank wäre verpflichtet, zusätzlich zu Euro-Konten auch Konten für die neue Währung zu führen (siehe die Vorschläge für die Einführung von Neutralgeld im Buch von Suhr und Godschalk: Optimale Liquidität, Frankfurt a. M. 1986).

Wirksamkeit:
Damit wäre eine wichtige Rahmenbedingung

Währungspolitischer Handlungsbedarf

Es wird nicht reichen, den Geldverkehr stärker zu kontrollieren und Einkommen aus Geldvermögen effizienter zu besteuern, weil schon die Funktionsweise der heutigen Währungen längerfristig schwerwiegende Probleme mit sich bringt: überbordendes Wachstum der Geldvermögen und Schulden, Umverteilung von Arm zu Reich, Wachstumszwang der Wirtschaft, Schuldenfallen,...

Wir schlagen daher dringend folgende währungspolitische Maßnahmen vor. Einige davon könnten sofort auf kommunaler, regionaler und nationaler Ebene umgesetzt werden.

s. nächstes Posting

Währungspolitischer Handlungsbedarf

Regional und kommunal.:

Problem:
Mangel an Liquidität und Arbeitsplätzen; die Liquidität fließt in die kapitalkräftigen Zentren und zu den großen Kapitalinhabern ab

Lösung:
Förderung von Regionalwährungen und Tauschkreisen

Wirksamkeit:
beleben die regionale Wirtschaft, da weniger Kaufkraft aus der Region abfließt; fördern die wirtschaftliche Kreativität, wodurch zusätzliche Arbeitsplätze entstehen; der Grad der Wirksamkeit hängt von der Anzahl der Beteiligten ab (vergleiche Telefonanschlüsse)

Kommentar:
Funktionierende Regionalwährungen und Tauschkreise können zur wirtschaftlichen Stärkung und größeren Unabhängigkeit einer Region (z.B. Bezirk) Wesentliches beitragen. Sie können auch in Zeiten von Währungszusammenbrüchen die Auswirkung

Währungspolitischer Handlungsbedarf

Auswirkungen abmildern. Sie können aber kein Ersatz für einen sozial- und umweltgerechten Umbau der nationalen Währungen sein.

Österreich:

Problem:
Weitere Überschuldung des Staates durch sog. Bankenhilfspakete und diverse zusätzliche Subventionen und Förderungen; der steigende Schuldendienst geht auf Kosten dringender sozial- und umweltpolitischer Maßnahmen

Lösung:
Ausgabe von Taxos (Steuergutschriften) als Komplementärwährung zum Euro statt Staatsanleihen bei den Geschäftsbanken (siehe http://www.taxos.info/taxos.html)

Wirksamkeit:
der Schuldendienst des Staates wird gemildert, sein politischer Handlungsspielraum erweitert

Kommentar:
Die Taxos würden eine zinsfreie Komplementärwährung auf nationaler Ebene darstellen, die dem Staat

Währungspolitischer Handlungsbedarf

Staat hilft, der Schuldenfalle zu entkommen und angesichts der Finanz- und Wirtschaftskrise Zeit für Reformen zu gewinnen. Sie sind eine Übergangsmaßnahme bis zur Einführung eines Vollgeldsystems, das ohne multiple Kreditgeldschöpfung und Reinzins auskommt (siehe nächster Punkt).

Eurozone:

Problem:
Heutige Währungen, auch der Euro, sind so konstruiert, dass sie systembedingt eine Reihe von negativen Auswirkungen mit sich bringen, wie Schuldenfallen, Umverteilung von Arm zu Reich und wirtschaftlichen Wachstumszwang. Die Ursachen liegen in der multiplen Kreditgeldschöpfung verbunden mit dem Zinseszinsmechanismus.

Lösung:
Grundlegende Reformen im Bereich des Geldwesens und Geldumlaufs durch die Einführung von Vollgeld (keine Geldschöpfung

Währungspolitischer Handlungsbedarf

Vollgeld (keine Geldschöpfung durch private Geschäftsbanken, Schaffung einer unabhängigen monetären Staatsgewalt, siehe u.a. die Vorschläge von Joseph Huber in http://www.soziologie.uni-halle.de/publikati... /0405.pdf) und durch Maßnahmen, die den Geldzins dauerhaft um Null pendeln lassen

Um den Übergang in das neue System möglichst problemlos zu gestalten, sollte es zunächst als Parallelwährung zum Euro eingeführt werden. Jede Bank wäre verpflichtet, zusätzlich zu Euro-Konten auch Konten für die neue Währung zu führen (siehe die Vorschläge für die Einführung von Neutralgeld im Buch von Suhr und Godschalk: Optimale Liquidität, Frankfurt a. M. 1986).

Wirksamkeit:
Damit wäre eine wichtige Rahmenbedingung für eine harmonischere Wirtsch

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von Vollgeld (keine Geldschöpfung durch private Geschäftsbanken, Schaffung einer unabhängigen monetären Staatsgewalt, siehe u.a. die Vorschläge von Joseph Huber in http://www.soziologie.uni-halle.de/publikati... /0405.pdf) und durch Maßnahmen, die den Geldzins dauerhaft um Null pendeln lassen

Um den Übergang in das neue System möglichst problemlos zu gestalten, sollte es zunächst als Parallelwährung zum Euro eingeführt werden. Jede Bank wäre verpflichtet, zusätzlich zu Euro-Konten auch Konten für die neue Währung zu führen (siehe die Vorschläge für die Einführung von Neutralgeld im Buch von Suhr und Godschalk: Optimale Liquidität, Frankfurt a. M. 1986).

Wirksamkeit:
Damit wäre eine wichtige Rahmenbedingung für eine harmonischere Wir

Währungspolitischer Handlungsbedarf

harmonischere Wirtschaftsentwicklung geschaffen, da der währungsbedingte Wachstumszwang der Wirtschaft und die zinsbedingte Umverteilung von Arm zu Reich wegfiele. Der Staat müsste sich nicht bei Privaten verschulden. Die Geldschöpfung könnte auch mit der Einführung eines Grundeinkommens gekoppelt werden. Da das derzeitige Währungssystem in absehbarer Zeit zusammenbrechen wird, würde durch die bereits vorhandene neue Währung die Chance enorm erhöht, die negativen Auswirkungen des Crashs auf die Realwirtschaft auffangen zu können.

Global:

Problem:
Globale Dominanz und Krise des US $, Benachteiligung der Länder mit schwachen Währungen gegenüber denen mit starken, Auslandsschuldenlast der armen Länder, Crash des US $ reißt andere Währungen

Währungspolitischer Handlungsbedarf

Währungen mit sich

Lösung:
Einführung einer Weltwährung zusätzlich zu den bereits vorgeschlagenen Währungen auf nationaler und regionaler Basis, zur gerechteren Abwicklung des internationalen Handels; in Anlehnung an die Vorschläge von Keynes (Bancor) und Douthwaite bzw. Aubauer („Ressourcenwährung“)

Wirksamkeit:
Ermöglicht einen rechtzeitigen Ausgleich bei starken wirtschaftlichen Ungleichentwicklungen zwischen den Staaten, weil nicht nur die Schuldnerländer sondern auch die Überschussländer für den Abbau der wirtschaftlichen Kluft verantwortlich gemacht würden. Gerechtere Verteilung der Ressourcennutzung. Daraus resultierend weniger Wirtschaftskrisen und weniger Kriegsgefahren.


Die genannten Reformvorschläge sind eine große gesells

Währungspolitischer Handlungsbedarf

Reformvorschläge sind eine große gesellschaftspolitische Herausforderung, weil zur Zeit die wirtschaftliche Ausbildung und Wissenschaft auf das Dogma vom unbegrenzten Wirtschaftswachstum programmiert ist. Es sind daher sofort ausreichend alternative Ausbildungs- und Forschungseinrichtungen zu schaffen, die die oben vorgeschlagenen Maßnahmen umsetzen helfen.


Marianne und Franz Schallhas
www.arge-gerecht-wirtschaften.at

Alternativen?

Grundsätzlich finde ich es NICHT verwerflich, wenn Staaten bzw. Supranationale Einrichtungen über Steuern in das Gefüge der Finanz/Kapitalmärkte eingreifen, allerdings sollte man nicht das Kind mit dem Bad ausschütten.

Der Grund für die Krise war NICHT der Zins/Zinseszins an sich, sondern das leichtfertige Ausweiten der Geldmittel durch (v.a. der amerikanischen) Zentralbanken, Stichwort "Soft-landing". Das führt Langfristig IMMER zu Inflation (was Hr. Maurer richtigerweise als Ursache des "Wachstumszwangs" darstellt), wobei die eigentliche Inflation leider nicht gemesen wurde, nämlich die Inflation in Kapitalanlagen (Immobilien, Aktien, Anleihen, Fonds, etc).

Was mich wirklich interessieren würde...

...wären die konkreten, umsetzbaren Alternativvorschläge der Gegner der Bewirtschaftung des Geldes. Denn nichts anderes ist die Forderung nach Abschaffung von Zins und Zinseszins.

Abgesehen davon wird bei Verschuldung nur dann Zinseszins fällig, wenn die Erträge/Eingänge nicht in der Lage sind den Zinsendienst zu bedecken und somit eine Abdeckung durch Neuaufnahme von Schulden notwendig wird.

Kurzfristig ist das sicher eine akzeptable Zwischenlösung, auf Dauer sollte sich aber ein derartiger Betrieb bzw. Staat überlegen, was an seinem Geschäftsmodell/politischen Schwerpunkten verändert werden muß, damit eine derartige Entwicklung (mit einem bitteren Ende) nicht stattfindet.

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