Madonnas Adoptions-
wunsch wurde vertagt

30. März 2009, 19:22
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Kinderhelfer kritisieren Promi-Auslands-Adoptionen: "Besser NGOs unterstützen" - mit Video

Lilongwe - So einfach, wie es sich die „Queen of Pop" vorgestellt hat, dürfte die Adoption der dreijährigen Mercy Jane nicht ablaufen: Montagvormittag stand Madonna in der malawischen Hauptstadt Lilongwe einem Richter eine Stunde lang Rede und Antwort - und verließ das Gericht wortlos: Die Entscheidung, ob die 50-jährige US-Sängerin das Mädchen aus einem Heim für Aidswaisen adoptieren darf, wurde auf Freitag vertagt.

Madonna hatte angekündigt, ihrem 2006 in Malawi adoptieren Sohn David eine Schwester zur Seite zu stellen. Mercy James stammt aus einem Heim, das die Sängerin 2006 besichtigt hatte. Damals hatte Madonna den nun dreieinhalbjährigen David von dessen leiblichem Vater zu sich geholt. Der Musikerin war schon damals vorgeworfen worden, das Adoptionsverfahren verkürzt zu haben. Unter anderem hatte Madonna - im Gegensatz zu „normalen" Adoptiveltern - durchgesetzt, dass das Kind nicht bis zum Ende des Verfahrens (es dauerte 18 Monate) in Malawi bleiben musste. Madonna hatte stets entgegnet, ihr Ziel sei es, dem Kind zu helfen. David ist mit der Sängerin nach Malawi gekommen. Angeblich ist ein erstes Treffen mit seiner Familie geplant. Dies erklärte sein leiblicher Vater, Yohane Banda.

Scheidung weiteres Hindernis

Doch auch beim zweiten Adoptionsansuchen schlägt der 50-Jährigen Musikerin Gegenwind ent_gegen: Afrikanische Menschenrechtsorganisationen monieren, die Sängerin nutze Geld und Einfluss, um malawische Gesetze auszuhebeln. Presseberichten zufolge macht Mercys Großmutter Madonna das Sorgerecht streitig. Ein weiteres - formales - Hindernis ist, dass Madonna nach der Scheidung vom britischen Regisseur Guy Ritchie offiziell Alleinerzieherin ist. Auch Hilfsorganisationen sind skeptisch: „Der beste Platz für ein Kind ist in seiner Familie und in deren Gemeinde", erklärt Dominic Nutt vom britischen Kinderhilfswerk Save the Children.

Kinder in afrikanischen Waisenhäusern hätten oft noch einen lebenden Elternteil. Auslands-Adoptionen sollten nur bei Vollwaisen zugelassen werden und dann auch nur, wenn alle Möglichkeiten in der Heimat ausgeschöpft seien, meint Nutt. Prominente sollten lieber NGOs unterstützen: Internationale Adoptionen, erklärte Nutt, würden das Problem, das sie lösen wollen, mitunter verschlimmern: Sie versprächen nämlich Geschäfte für skrupellose Adoptions-Vermittler.
Gleichzeitig honoriere Save the Children aber Madonnas karitatives Wirken: Die Sängerin hat in Malawi ein Gemeinschaftszentrum gestiftet, das sich um mehr als 8000 Waisen kümmert. (rott/DER STANDARD-Printausgabe, 31.3.2009)

Wissen:

Schutz für Kinder

Um fragwürdige Adoptionspraktiken und Kinderhandel hintanzuhalten, unterzeichnen immer mehr Staaten das von den Vereinten Nationen initiierte Haager Abkommen. Es soll garantieren, dass bei Adoptionen die Menschenrechte respektiert werden.

Das Abkommen schreibt vor, dass zuerst im Heimatland des Kindes nach neuen Eltern gesucht werden muss, bevor eine Auslandsadoption infrage kommt. Alle damit verbundenen Rechtsakte müssen von staatlichen Stellen vollzogen werden. Im Unterschied etwa zu den USA und Österreich gilt das Haager Abkommen in Malawi derzeit noch nicht. (bri/DER STANDARD-Printausgabe, 30.3.2009)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Madonna in Malawi.

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