PSA Peugeot Citroën entlässt Konzernchef

30. März 2009, 18:43
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Die Wirtschaftskrise bietet den Vorwand: Peugeot-Citroën setzt seinen Chef Christian Streiff

Paris - Kein einziges Wort des Dankes enthält das Communiqué, mit dem der Aufsichtsrat Konzernchef Christian Streiff am Sonntagabend entließ. Letzterer bezeichnet die Entscheidung als "unverständlich". So war der 54-jährige Lothringer, der 2008 nach einem Schlaganfall schon zwei Monate pausiert hatte: Starrsinnig, impulsiv und nicht frei von Selbstherrlichkeit. Auch die Gewerkschaft CGT äußerte am Montag "kein Bedauern".

Die Peugeot-Familie, der etwa 40 Prozent des Kapitals gehören, war auf Distanz gegangen. Zuletzt verdarb es sich Streiff auch noch mit Staatschef Nicolas Sarkozy, als er dessen Job-Auflagen im Gegenzug zur staatlichen Milliardenhilfe zurückwies. Schließlich musste der PSA-Chef sogar auf seinen eigenen Jahresbonus verzichten.

Aufsichtsratspräsident Thierry Peugeot nennt als Grund der "einstimmigen" Entlassung "die außerordentlichen Schwierigkeiten" der Autoindustrie. Die Wirtschaftskrise hat den französischen Konzern in der Tat hart getroffen: Der Umsatz sank 2008 um 7,4 Prozent auf 54,4 Mrd. Euro, was einen Reinverlust von 343 Mio. Euro absetzte.

Im Unterschied zu seinem französischen Rivalen Renault schaffte es PSA nicht, den Abwärtstrend auf seinem Hauptmarkt Europa zu stoppen - und gleichzeitig neue Absatzmärkte in den Schwellenländern zu erobern. Das muss nun der neue PSA-Konzernleiter Philippe Varin ändern.

Der 56-jährige Franzose, derzeit noch Vorstand des britisch-niederländischen Stahl- und Aluminium-Unternehmens Corus, gilt als diskret und teamfähig. Mit Streiff verbindet ihn nur, dass er nicht aus der Branche stammt. Er muss die Marke Peugeot in Europa neu positionieren, während das einzige Aschenputtel Citroën eher gut dasteht. Kurzfristig muss Varin aber auch den akuten Finanzengpass beheben, der trotz der drei Staatsmilliarden bestehen bleibt. (Stefan Brändle, Paris, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 31.03.2009)

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