Spanien muss Sparkasse CCM auffangen

30. März 2009, 15:16
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In Spanien muss erstmals im Zuge der gegenwärtigen Finanzkrise ein Geldinstitut vor dem Zusammenbruch gerettet werden

Madrid - Die Bank von Spanien als oberste Aufsichtsbehörde in Spanien muss die angeschlagene Sparkasse Caja Castilla-La Mancha (CCM) unter ihre Kontrolle stellen. Am Montag wuchs deshalb an den Börsen die Unsicherheit wieder, Finanztitel wurden nach unten gezogen. Die Regional-Sparkasse ist das erste Institut in Spanien, das seit Ausbruch vom Staat gerettet werden musste. Anleger flüchteten aus Aktien der Großbanken wie BBVA und Santander. Die größten Risiken sehen Experten aber bei kleineren, nicht an der Börse gelisteten Geldhäusern.

Nach der milliardenschweren Rettungsaktion für die CCM hat Spaniens Wirtschafts- und Finanzminister Pedro Solbes zur Besonnenheit aufgerufen. Das Geld der Kunden sei sicher, sagte er am Montag im staatlichen Fernsehen TVE. "Sie können ihre Ersparnisse ohne Probleme abheben."

Die CCM mit Sitz in Cuenca in Mittelspanien liegt mit Einlagen von rund 17 Mrd. Euro und etwa einer Million Kunden in der Rangliste der spanischen Sparkassen auf Platz 13. Zum Verhängnis sind ihr Kreditausfälle in der kriselnden Immobilien- und Baubranche Spaniens geworden.

Der befürchtete Ansturm auf die Filialen der CCM blieb aber bisher aus. An der Madrider Börse fielen die Aktien der Banken allerdings. Kein anderes Geldinstitut im Land befinde sich in Schwierigkeiten, betonte Solbes. Angesichts der schweren globalen Krise sei auf Dauer aber kein Institut völlig immun.

Kapitalhilfen im Eilverfahren

Die Regierung beschloss am Sonntagabend im Eilverfahren Kapitalhilfen und eine Staatsbürgschaft von 9 Mrd. Euro, um die Sparkasse zu stützen. Wegen akuter Liquiditätsprobleme musste die Bank von der spanischen Zentralbank mit zunächst 2 bis 3 Milliarden Euro frischem Kapital gestützt werden.

Die Bank wird nun von der spanischen Nationalbank zwangsverwaltet, ihr Vorstand wurde abgesetzt.

Seit dem Beinahe-Zusammenbruch der Regionalbank wächst in dem bisher von der Finanzkrise weitgehend verschont gebliebenen Land die Angst vor weiteren Problemfällen im Bankensektor. "Die Stützungsaktion zeigt, dass das spanische Finanzsystem nicht immun ist gegen die internationale Lage an den Märkten", hieß es am Montag in einem Analystenreport der spanischen Bank Bansesto. Anleger flüchteten aus Aktien der Großbanken wie BBVA und Santander. Die größten Risiken sehen Experten aber bei kleineren, nicht an der Börse gelisteten Geldhäusern.

Spaniens Wirtschaftsminister Solbes beteuerte, das Bankensystem des Landes sei gesund und es seien keine weiteren Stützungsaktionen geplant. "Kann man im Moment weitere Probleme bei Banken sehen? Ich würde sagen nein", betonte er in Madrid.

Schwere Rezession

Spanien hatte jahrelang von einem boomenden Immobilienmarkt profitiert und war von einem Rekordwachstum zum nächsten gejagt. 2008 platzte die Blase, seither befinden sich Immobilienpreise im freien Fall und das Land kämpft mit einer schweren Rezession. Die Ratingagentur Standard & Poor's hatte kürzlich sogar die Kreditwürdigkeit des Landes herabgestuft.

Analysten erwarten insbesondere bei kleineren Regionalbanken wie der Caja Castilla la Mancha steigende Kreditausfallraten, da sie im Gegensatz zu den Großbanken stärker im Immobiliengeschäft engagiert seien. "Wir glauben, dass bei spanischen Sparkassen das größte Risiko besteht", erklärten die Experten von BPI. Größere Geschäftsbanken seien dagegen relativ komfortabel mit Eigenkapital ausgestattet und könnten steigende Kreditausfälle besser verkraften.

Spanien ist in der Krise bisher ohne Verstaatlichung von Banken oder größeren staatlichen Kapitalspritzen für Geldhäuser ausgekommen. Die beiden größten Institute des Landes, Santander und BBVA, schrieben im vergangenen Jahr Milliardengewinne und stehen damit deutlich besser da als manch ein europäischer Wettbewerber. Die Reserven schwinden jedoch zusehends. Nach dem jähen Ende eines Immobilienbooms hat sich die Zahl der Kreditausfälle in den vergangenen zwölf Monaten vervierfacht. (APA/dpa/dpaAFX/Reuters)

 

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