Ausnahmezustand im Süden

31. März 2009, 14:05
posten

Drei Rotkreuzmitarbeiter entführt - Nach Ablauf des Ultimatums offenbar Angriff auf Geiselnehmer in Vorbereitung

Manila - Nach der Entführung von drei Rotkreuzmitarbeitern auf den Philippinen hat die Regierung den Ausnahmezustand auf einer Insel im muslimischen Süden des Landes verhängt und bereitet offenbar einen militärischen Angriff vor. Die Terrorgruppe Abu Sayyaf hatte am Dienstag erneut mit der Enthauptung einer der Geiseln gedroht und der Regierung eine Frist für den Abzug nahezu aller Soldaten und Polizisten von der Insel Jolo gesetzt. Die Frist verstrich um 8.00 Uhr MESZ. Die Regierung ordnete daraufhin eine Ausgangssperre und militärische Kontrollen an.

Panzer und Truppentransporter fuhren in Richtung der Stadt Indanan, in deren Umgebung sich das Lager der Organisation Abu Sayyaf befinden soll. "Wir müssen sicherstellen, dass diese Banditen nicht wieder jemand entführen können", sagte der Gouverneur.

Verschleppung und Drohung mit Enthauptung

Die muslimischen Separatisten hatten am 15. Jänner einen Schweizer, einen Italiener und eine Filipina auf Jolo verschleppt. Ein Führer der islamistischen Organisation sagte der Nachrichtenagentur AP Dienstag früh, die Entscheidung stehe fest, eine der drei Geiseln zu enthaupten, falls es keinen Rückzug der Armee gebe.

Innenminister Ronaldo Puno erklärte, die Streitkräfte könnten innerhalb der von den Rebellen gesetzten Frist nicht wie verlangt 15 Dörfer räumen. Sollte den vor zehn Wochen verschleppten IKRK-Mitarbeitern etwas passieren, werde die Regierung entschlossen vorgehen, sagte Puno. Die Streitkräfte hatten sich in der vergangenen Woche in der Hoffnung auf die Freilassung einer Geisel bereits aus der unmittelbaren Umgebung der Rebellen zurückgezogen.

Der Leiter des Philippinischen Roten Kreuzes, Richard Gordon, wandte sich kurz vor Ablauf des Ultimatums im landesweiten Fernsehen an Abu Sayyaf und bat um das Leben der Geiseln. "Die ganze Gemeinschaft des Roten Kreuzes betet für euch", sagte Gordon mit brüchiger Stimme an die Geiseln gewandt.

Papst fordert Freilassung

Wenige Stunden vor Ablauf des Ultimatums der Entführer hatte auch Papst Benedikt XVI. die Freilassung der Geiseln gefordert. Benedikt äußerte die Hoffnung, dass Menschlichkeit und Vernunft über Gewalt und Einschüchterung siegen mögen. Auch der Präsident des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK), Jakob Kellenberger, appellierte erneut an die Rebellen, die Geiseln zu verschonen. Die IKRK-Mitarbeiter hätten den Bedürftigen in der Region nur helfen wollen.

Muslimische Separatisten

Die Armee kämpft seit Jahren gegen muslimische Separatisten im Süden der überwiegend katholischen Philippinen. Am Dienstag wurden bei Feuergefechten rund 900 Kilometer südlich von Manila nach Angaben der Armee insgesamt 22 Menschen getötet. In der Provinz Bukidnon überfielen Aufständische einen Militärstützpunkt. Dabei starben elf Rebellen, zwei Zivilisten und vier Soldaten. In der Provinz Cotabato kamen ein Soldat und vier Rebellen ums Leben, als Regierungstruppen auf Kämpfer der "Moro Islamischen Befreiungsfront" (MILF) trafen. (APA/dpa/AP)

Link
+ Manila Bulletin: Talks turn ugly

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Muslime und Rot-Kreuz-Mitarbeiter demonstrierten am Sonntag in Manila mit einem gemeinsamen interreligiösen Gebet für die Freilassung der drei Geiseln.

Share if you care.