ÖGB befürchtet Kündigungswelle

30. März 2009, 09:16
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Die Lockerung beim Kündigungsschutz solle wieder zurückgenommen werden, Mitterlehner beruhigt

Wien - Eine Kündigungswelle sieht die Gewerkschaft auf Österreichs Lehrlinge zurollen. Vorigen Sommer wurde der Kündigungsschutz für Lehrlinge gelockert. Bisher konnte ein Lehrverhältnis nur einvernehmlich oder aus schwerwiegenden Gründen wie Diebstahl beendet werden. Nach dem neuen Berufsausbildungsgesetz dürfen nun aber Lehrlinge nach jedem Lehrjahr, also bereits nach dem ersten, das für viele im September endet, gekündigt werden - weswegen der Bundesvorsitzende der Gewerkschaftsjugend, Jürgen Michlmayer, befürchtet, dass im Herbst eine große Kündigungswelle bei Lehrlingen bevorsteht, berichtet das Ö1-Morgenjournal des ORF-Radio Montag früh.

Zwar sieht das neue Gesetz vor, dass bei einer Kündigung ein Mediationsverfahren durchgeführt werden muss, also dass eine dritte Person zwischen dem Arbeitgeber und dem Lehrling noch einmal versucht zu vermitteln. Für die Gewerkschaft ändert das aber nichts an ihrer Befürchtung, dass viele Betriebe im Herbst aufgrund der Wirtschaftskrise auf die Ausbildung junger Menschen aus Kostengründen verzichten könnten.

Gesetze zurücknehmen

Daher fordert der Chef der Gewerkschaft der Privatangestellten, Wolfgang Katzian, die Regierung auf, das Gesetz zurückzunehmen: "Jetzt in der Wirtschaftskrise glauben wir, dass es unbedingt notwendig ist, dass es eine sehr sichere und stabile Situation für die Lehrlinge gibt und daher würde ich es sehr begrüßen, wenn man das noch einmal überdenkt."

Unterstützung bekommen die Gewerkschafter vom ehemaligen Lehrlingsbeauftragten der Vorgänger-Regierung, Egon Blum: "Diese Kündigungserleichterung hätten wir uns wirklich ersparen können. Das wird ein Problem geben. Gerade jetzt, wo noch zur gleichen Zeit die wirtschaftliche Problematik einsetzt, wird es viele Betriebe geben, die sich einfach von den Lehrlingen verabschieden." Daher befürchtet auch Blum eine Kündigungswelle im Herbst. Auch er richtet der Regierung - insbesondere Arbeitsminister Rudolf Hundstorfer (SPÖ) und Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner (ÖVP) - aus, das Gesetz so schnell wie möglich zu ändern.

Mitterlehner beruhigt

Nur keine Panik, lautet die Devise der Regierung, insbesondere von ÖVP-Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner laut Ö1-Mittagsjournal. Mitterlehner glaubt demnach nicht an eine Kündigungswelle bei den Lehrlingen durch die Gesetzes-Änderung im Vorjahr glaubt. Das Gesetz sei im Juli 2008 in Kraft getreten - im kommenden September könne man dann erst die ersten Erfahrungen ziehen.

Jede Befürchtung sei überzogen, kritisiert Mitterlehner die Gewerkschaft. Denn die Betriebe hätten ihm zugesichert, gerade in Zeiten der Wirtschaftskrise bei einer ohnehin schon explodierenden Jugendarbeitslosigkeit nicht noch mehr junge Mitarbeiter abzubauen. Es sei schließlich im eigenen Interesse der Firmen, gut ausgebildete junge Kräfte zu haben, so Wirtschaftsminister Mitterlehner, der den Betrieben vertraut und nicht daran denkt, das Gesetz zu ändern. (APA/red)

 

 

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