OMV stößt Brüssel vor den Kopf

30. März 2009, 18:35
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Der Verkauf der MOL-Anteile an die russische Surgutneftgas löst bei der EU und in Ungarn Bedenken aus

Wien - Der in der Nacht auf Montag publik gewordene Verkauf der von der OMV gehaltenen Anteile am ungarischen Mineralölkonzern Mol nach Russland hat von Brüssel bis Budapest für Überraschung gesorgt. Damit werde die EU-Linie konterkariert, die auf mehr Unabhängigkeit im Energiebereich abziele, war in Kreisen der EU-Kommission zu hören. In Ungarn gehen die Wogen hoch, weil man glaubt, durch den Verkauf an das russische Unternehmen Surgutneftegas "vom Regen in die Traufe" geraten zu sein. Das Mol-Management wollte nicht Stellung nehmen.

Die OMV erhält für den Verkauf der 21,2 Prozent Mol-Aktien umgerechnet 1,4 Mrd. Euro. "JP Morgan hat evaluiert, Surgutneftegas hatte das beste Angebot", sagte ein OMV-Sprecher dem Standard. Es sei "eine Ironie der Geschichte", dass Anteile von Mol nun in Russland landeten, was nicht zuletzt auch die OMV selbst verhindern wollte. Dieser Deal, nämlich die geplante Übernahme der Mol durch die OMV, sei letztlich an der Abwehrhaltung der Ungarn ("Lex Mol") und den strengen Auflagen der EU-Kommission (u. a. Abgabe einer Raffinerie) gescheitert.

Der Verkauf der Mol-Anteile an den viertgrößten russischen Ölkonzern Surgutneftegas soll in der kommenden Woche wirksam werden. 9,6 Mio. Mol-Aktien hat die OMV derzeit noch bei der HypoVereinsbank geparkt. Diese Vereinbarung, die in den vergangenen Monaten zur Optimierung der Finanzstruktur der OMV beigetragen hat, läuft diesen Freitag aus.

Trotz des Kursverlustes des Mol-Papiers steige die OMV ohne Verlust aus. Der erzielte Preis je Mol-Aktie entspricht mit 19.212 Forint knapp dem Doppelten des Schlusskurses vom Freitag. Die 1,4 Mrd. Euro, die der Deal bringt, will die OMV zur Umsetzung der Wachstumsstrategie verwenden.

Sprit zu teuer

Neuerlichen schweren Beschuldigungen wegen ihrer Preisgestaltungen sehen sich OMV und Co durch den Autofahrerklub ARBÖ ausgesetzt. Besonders in der zweiten Jahreshälfte 2008 habe die Mineralölindustrie kräftig zugelangt und den Autofahrern in Summe knapp 190 Mio. Euro zu viel abverlangt. Das zeige eine Gegenüberstellung der Preisentwicklung an der "Ölbörse" in Rotterdam und der Preisgestaltung in Österreich. Die Daten sind der Bundeswettbewerbsbehörde übermittelt worden. (Günther Strobl, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 31.03.2009)

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