12 Tote bei Angriff auf Polizeischule

31. März 2009, 12:47
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Polizei stürmt besetztes Ausbildungszentrum - Regierung macht Islamisten verantwortlich - mit Video

Eine neue Terrorattacke im pakistanischen Lahore nährt Befürchtungen, die Situation in dem Atomstaat könnte außer Kontrolle geraten. Der Angriff auf eine Polizeischule ist auch als Kampfansage an Obama zu sehen.

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Lahore/Neu-Delhi - Regungslos liegen blutüberströmte Körper auf der Straße, mit letzter Kraft robbt ein Verletzter im Kugelhagel über den Boden - die Terrorwelle in Pakistan hat am Montag ihre Fortsetzung gefunden. Ein Dutzend Angreifer überfiel eine Polizeiakademie in der Metropole Lahore, nur zwölf Kilometer vor der Grenze zu Indien entfernt. Acht Stunden vergingen, bis die Sicherheitskräfte das Gebäude zurückeroberten. Das Fernsehen zeigte Elitetruppen, die jubelnd Siegesschüsse in den Himmel feuerten. Bisherige Bilanz: Nach jüngsten offiziellen Angaben kamen bei dem mehr als achtstündigen Feuergefecht am Montag zwölf Menschen ums Leben, darunter vier Extremisten. Zunächst hatte die Polizei die Zahl der Getöteten mit insgesamt 31 angegeben. 95 Menschen wurden verletzt.

Der Anschlag zielte offenbar darauf ab, den Atomstaat in seinem Machtzentrum, der Provinz Punjab, zu destabilisieren. Der Zeitpunkt war kaum ein Zufall. Es scheint eine Kampfansage zu sein - an Pakistans politische und militärische Führung und an US-Präsident Barack Obama. Dieser hatte am Freitag seine Strategie für Afghanistan und Pakistan vorgestellt, die Islamabad abverlangt, Extremisten ohne Wenn und Aber zu bekämpfen. Und er setzte ein Kopfgeld auf den pakistanischen Taliban-Führer Baitullah Mehsud aus.

In Uniformen waren die Täter in das Gelände eingedrungen, als sich 850 Polizeischüler zum Morgenappell sammelten. Die schwer bewaffneten Angreifer warfen Handgranaten und feuerten um sich. Elitetruppen wurden zur Hilfe gerufen. Den ganzen Tag waren Explosionen und Schüsse zu hören. Vor den Toren bangten Menschen um das Leben der Polizisten. Als die Elitetruppen den Sieg signalisierten, brach die Menge in Jubel aus. Sechs Terroristen wurden angeblich lebend gefangen, mindestens vier kamen ums Leben.

Der erste Verdacht fiel wie immer auf Terrorgruppen wie Jaish oder Lashkar-e-Toiba (LeT), aber auch auf Taliban-Milizen, die sonst nicht in der Region operieren. TV-Bilder zeigten einen Gefangenen, der aussah, als habe man ihm Bart und Haar gerade erst gestutzt. Es gab Gerüchte, dass er Paschtun spreche und Afghane sei.

In den vergangenen zwei Jahren hat der Terror 4000 Pakistaner das Leben gekostet. Es ist der zweite Anschlag in Lahore in nur einem Monat. Erst am 3. März hatten Terroristen den Bus des sri-lankischen Cricket-Teams angegriffen. Noch vor kurzem galt die Stadt als eine der letzten Inseln der Normalität.

Auch in Washington scheint sich die Erkenntnis durchgesetzt zu haben, dass der Anti-Terror-Kampf zuallererst in Pakistan entschieden wird. Obamas Militärberater David Kilcullen hatte jüngst Alarm geschlagen, Pakistan könnte binnen sechs Monaten kollabieren, wenn nicht schnell gegengesteuert werde. Wenn der Atomstaat außer Kontrolle gerate, würde dies alle andere Weltkrisen in den Schatten stellen. (Christine Möllhoff/DER STANDARD, Printausgabe, 31.3.2009)

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    Ein Polizeibeamter bringt sich vor der besetzten Akademie in Sicherheit. Viele Menschen kamen bei der Attacke ums Leben.

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    Pakistanische Soldaten beziehen vor dem Ausbildungszentrum in Lahore Stellung.

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    Einer der bei dem Angriff verletzten Polizisten wird in ein Krankenhaus in Lahore gebracht.

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