Wolfsverbot im Wildgehege

29. März 2009, 18:54
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Neuerlicher Gesetzeskonflikt wegen Haltung exotischer Tiere im Tierpark Altenfelden

"Projekt Mähnenwolf" steht auf dem dicken Ordner. Über ein Jahr hat Hermann Laher an dem Vorhaben geplant. Jetzt ist es für den Direktor des Wildparks Altenfelden "nur noch Altpapier". Der Grund für die Frustration liegt einmal mehr am Tierschutzgesetz aus dem Jahr 2005.

Tiergärten der Kategorie A - gehalten werden dürfen dort Säugetiere, Reptilien, Amphibien, Fische und Vögel sowie Wildtierarten ohne Einschränkung der Zahl und Art - sind seit drei Jahren verpflichtet, einen "für den tiergartenbiologischen Bereich verantwortlichen Leiter" zu bestellen, der als Qualifikation ein abgeschlossenes Studium der Zoologie, der Studienrichtung Biologie oder Veterinärmedizin vorweisen muss.

Und genau da liegt das Problem: Der österreichweit größte privat geführte Wildpark in Altenfelden ist seit Jahren als Kategorie A eingestuft, an seiner Spitze steht aber mit Laher ein ausgebildeter Tierpfleger. Laut Gesetzestext hätte Laher also nach 18 Jahren an der Spitze des Zoos einen Veterinärmediziner oder Zoologen als Tierparkleiter unter Vertrag nehmen müssen. Oder er hätte bestimmte Arten nicht mehr halten dürfen. Per Strafandrohung wurden dem Zoodirektor damals auch die Nachzucht seltener Arten wie etwa dem Ozelot verboten.

Ausnahmegenehmigung

Im Sommer des Vorjahres suchte Laher dann bei der Bezirkshauptmannschaft Rohrbach um eine Ausnahmegenehmigung an - der STANDARD berichtete. Die Verwaltungsbehörde zeigte sich letztlich tierfreundlich und gewährte vor kurzem eine Ausnahme.
Dem Wildpark bleibt das zoologische Downgrading und ein eigener Zoo-Doktor erspart, und Nachwuchs wird auch unter den Exoten geduldet. Aber es dürfen keine neuen Tiere der Kategorie A dazukommen. "Die Lösung ist ein Wahnsinn für mich. Alle neuen Projekte kann ich jetzt vergessen", sagt sich Laher. Er habe das Gefühl, man wolle ihn "langsam aushungern". Laher: "Es geht doch heute keiner wegen eines Hirschs oder eines Meerschweinchens in den Tiergarten."

Bei der zuständigen Bezirkshauptmannschaft Rohrbach zeigt man sich über den neuerlichen Aufstand im Wildgehege erstaunt. "Wir haben uns wirklich bemüht, eine Lösung zu finden. Herr Laher war auch irrsinnig froh darüber. Seine neuerliche Kritik ist für mich absolut unverständlich", stellt Josef Hartl von der BH Rohrbach klar. Man stehe als Behörde „voll hinter dem Tierpark", aber es gebe eben auch "gesetzliche Grenzen". Wildpark-Chef Laher hätte jetzt ohnehin einen "einmaligen Sonderstatus", so Hartl.

Kurioses Detail der Zoo-Geschichte: Im Vorjahr erhielt Laher noch einen positiven Bescheid für den Bau der 30.000 Euro teuren Mähnenwolf-Anlage. Als der Bau fertig war, kam allerdings das gesetzliche Einzugsverbot für den Wolf. Dafür haben jetzt zwei Feldhasen und ein Kamerun-Schaf eine neue Bleibe. (Markus Rohrhofer/DER STANDARD - Printausgabe, 30.3.2009)

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