Die unvergleichliche Kraftanstrengung

29. März 2009, 18:54
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Gut 14 Monate hat Südafrika noch Zeit, um für die WM-fit zu werden. An den Baustellen, auch organisatorischer Natur, arbeiten Österreicher mit

Johannesburg/Wien - Wie ein überdimensionierter LKW-Reifen - ungefähr so sieht das Johannesburger Fußballstadion aus, in dem 2010 die Weltmeisterschaft eröffnet und finalisiert wird. 94.000 Menschen werden in der Soccer City, für deren Errichtung 145 Millionen Euro veranschlagt wurden, die aber letztendlich 240 Millionen kostet, Platz haben. Bis zum Eröffnungsspiel am 11. Juni 2010 bleibt noch viel zu tun. Und das nicht nur im "afrikanischen Kochtopf" zu Johannesburg. Denn genau einen solchen hatte der Architekt bei seinen Planungen im Sinn.

Seit 2007 investiert der Staat am Kap in die WM. Rund 2,5 Milliarden Euro wurden insgesamt budgetiert. Österreich und die Schweiz kamen für ihre EURO zusammen mit einem Fünftel aus.

WM-Baustellen haben derzeit neun südafrikanische Städte. Zehn Stadien werden neugebaut oder renoviert. Und teilweise gehen die Planungen über die Endrunde hinaus. In der Küstenstadt Durban soll ein Bogen das neue Stadion überspannen, auf dem eine Gondel in lichte Höhen führt und einen Blick über die Stadt und das Stadion ermöglicht. Der soll auch nach der WM Besucher anziehen. Dass die neue Attraktion bis zur Endrunde nicht fertig wird, ist eine andere Geschichte.

Für das Stadion selbst wird es sich wie in Johannesburg ausgehen. Dort wurde mit kosmetischen Maßnahmen begonnen. Von der Salzburger Firma Rieder hergestellte Glasbetonplatten in neun "afrikanischen" Farben werden an der Stahlumrahmung befestigt. Die Firma Skidata entwickelt Zugangssysteme für einige Stadien.
Österreichs Teilnahme an der WM, wenn auch nicht aus sportlicher Sicht, ist auch durch Heinz Palme gesichert. Der Steirer, Projektmanager der WM 2006 in Deutschland und Österreichs Chefkoordinator bei der verwichenen Heim-EM, steht den Organisatoren beratend zur Seite. Vor allem die Sicherheitsfrage nennt der 50-Jährige eine "Herausforderung".

Palme hofft, dass während der Endrunde "nicht Ähnliches wie der Fall Burgstaller passiert" . Gemeint ist die Ermordung des Ex-Fußballers Peter Burgstaller in Durban am 23. November 2007, dem Tag der WM-Auslosung. Die Sicherheitskräfte werden bis zur WM erheblich verstärkt. Allein Johannesburg, wo mit Einzugsgebiet sieben Millionen Menschen leben, stockt die Zahl der Stadtpolizisten um die Hälfte auf 4000 Mann auf. Die Bundespolizei wird ebenfalls massiv verstärkt. Wie bei der EURO sollen auch während der WM ausländische Polizisten für die Sicherheit der angereisten Fans sorgen. Pro Stadion und Match dürften zusätzlich 700 Polizisten patrouillieren. Öffentliche Fanzonen wird es aus Sicherheitsgründen nur vereinzelt geben, etwa im Township Soweto. Südafrika mit WM- und EM-Endrunden in Europa vergleichen will Palme nicht. Allein die Distanzen, die zwischen den Städten zurückgelegt werden müssen, schaffen völlig andere Bedingungen.

Busse statt Taxis

Der öffentliche Verkehr ist im Ausbau begriffen. Fieberhaft wird an einer Eisenbahnverbindung zwischen Johannesburg, dem Flughafen und der Hauptstadt Pretoria gearbeitet. In Johannesburg sollen während der WM Linienbusse die Massen bewegen. Bisher besorgten das mehr schlecht als recht unregelmäßig fahrende Sammeltaxis.
Die neue Regelung führte bereits zu Protesten seitens der Sammeltaxifahrer. Bei einer Demonstration vergangene Woche kam es zu Schießereien, zahlreiche Menschen wurden verletzt. Allerdings berichten Einheimische, dass es im Township Soweto nahe Johannesburg schon bisher regelmäßig zu gewalttätigen Ausschreitungen rivalisierender Sammeltaxiunternehmen gekommen ist. (Marijana Miljković - DER STANDARD PRINTAUSGABE 30.3. 2009)

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    Glasbetonplatten österreichischer Provenienz verkleiden das WM-Stadion von Johannesburg.

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